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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Norwegen und Schweden

Karl Brodowsky, gefahren 2002-07-07 bis 2002-08-09, geschrieben 2002

Teil 4

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2002-07-28 Eine andere kleine Tradition ist es schon fast, die Wege zwischen Mora und dem Klarälven zu befahren. Diesmal wollten wir die Ecke über Trysil abschneiden und direkt nach Höljes fahren. Das liegt etwas südlich des Sees, der in Schweden kurz hinter der norwegischen Grenze aufgestaut ist. Außerdem wollten wir doch noch einmal den Weg über Lövnäs probieren, der 1994 noch nicht zu brauchen war. Zumindest hatten wir doch die Gewißheit, daß es eine Alternativstrecke nördlich davon geben würde, wenn der Weg immer noch nicht asphaltiert sein sollte. So fuhren wir erst einmal auf dem Westufer des Österdalsälven an vielen Stauseen vorbei nach Älvdalen. Nördlich von Älvdalen war die N 70 plötzlich sehr gut ausgebaut und sehr verkehrsarm, wobei zumindest die zweite Eigenschaft erhalten blieb. Ausgeschildert war sie nach Röros (norwegisch: Røros) und das wäre in der Tat ein etwas kürzerer Weg nach Mora gewesen als der von uns gefahrene Weg über Sveg. Dafür wäre das wohl auch etwas bergiger gewesen, so daß wir vielleicht fast die gleiche Zeit benötigt hätten. Die Strecke ist aber sicher ein lohnendes Teilstück, wenn uns in Zukunft einmal wieder eine Radtour durch Mora und Røros (schwedisch: Röros) führen sollte. Abends fanden wir kurz hinter einem Staudamm eine wunderbare Stelle zum Zelten, die direkt am See lag, aber doch hoch genug über der Wasserlinie, um die Schwimmfähigkeit der Zelte nicht testen zu müssen.

2002-07-29 Morgens konnten wir dann alle schwimmen gehen, wobei ich noch einmal mit Stöcken überprüfte, ob die Strömung in Richtung des Staudammes gefährlich sein könnte. Der See war aber doch mehrere Kilometer breit und der Staudamm auch mehr als einen halben Kilometer entfernt, so daß die Gefahr einer Besichtigung der Turbinen von innen nicht bestand. Ein kleines Feuerchen zum Wärmen des Kaffeewassers gönnten wir uns auch, weil es ja genug Löschwasser gab und Feuer in diesem Sommer unter gewissen Bedingungen erlaubt war.

Die weitere Fahrt auf der N 70 war durch mehr und mehr Steigungen geprägt. Natürlich war es sehr heiß und wir wurden langsam durstig. Eine Pausenstelle am Rande eines Moores tauchte plötzlich auf und wir fanden zu unserer Überraschung einen Hinweis auf Trinkwasser. Ein Pfad aus schmalen Brettern ging ins Moor und mitten drin war so ein Deckel den man aufklappen konnte und darunter war glasklares Wasser, ohne die typische Moorfarbe. Das muß wohl die Quelle sein, die dieses Moor mit Wasser speist. Jedenfalls hat uns das Wasser nichts ausgemacht. Kurz danach kam die Abzweigung nach Lövnäs. Wir waren jetzt auf einer Hochebene und kamen durch einsame Wälder und Moore, bis wir tatsächlich Lövnäs erreichten und natürlich war der direkte Weg nach Fulunäs immer noch ein Sandweg. So fuhren wir einfach nach Norden weiter bis wir nach Nornäs kamen, wo eine Parallelstraße existieren sollte. Leider war Bernhards Schaltzug gerissen und wir hielten in einem kleinen Dorf an, um das zu reparieren. Zum Glück konnten wir in dem Dorf noch spezielle Werkzeuge ausleihen, die wir nicht dabei hatten. Etwas später kamen wir auf die gesuchte Parallelstraße und fanden auch bald eine Stelle im Wald für unser Zelt.

2002-07-30 In der Nacht hörten wir recht viele Aktivitäten von Tieren in unserer Umgebung und ich sah auch ein Eichhörnchen. Leider hatte das dabei einen Ortliebsack ordentlich angenagt, aber zum Glück hatten wir das passende Flickzeug dabei, um die Löcher alle zu reparieren. Ein paar Kilometer weiter kamen wir auf die Nationalstraße, die in diesem Jahr nicht mehr N 297, sondern N 311 hieß, und da fand sich ein Ort mit einem Laden, einer Badestelle und sogar einem Zeltplatz. Der Zeltplatz war aber in keinem Verzeichnis eingetragen. Etwas später kamen wir nach Fulunäs, wo wir schon 1994 gewesen waren, aber diesmal von Norden. Wir bogen in Richtung Norwegen ab und folgten ab Grundforsen der N 71 in Richtung Süden ein Stück. Es gab ziemlich viel Regen und da wollten wir uns eine warme Mahlzeit gönnen. Auf der Innenseite einer Flußbiegung ließ sich ziemlich gefahrlos eine Feuerstelle anlegen und irgendwie schafften wir es auch trotz des leicht regnerischen Wetters, ein schönes Feuer zu machen, um uns einen Eintopf zu kochen. Abends bauten wir unser Zelt natürlich wieder im Wald auf.

2002-07-31 Auf der einen oder anderen Straße kamen wir nach Rörbäcksnäs, wo es wieder einen Laden gab und wo wir schon 1999 gewesen waren. Nun kürzten wir aber die Ecke über Trysil ab und fuhren direkt von Rörbäcksnäs zu der Gegend der norwegisch-schwedischen Grenze am Klarälven, was uns nur für ein paar Kilometer durch Norwegen führte. Nach einer kleinen Badepause im Stausee fuhren wir dann weiter nach Höljes, wo uns die Zeltplatzbesitzerin noch von 1994 und 1999 kannte, als wären wir am Tag zuvor dort gewesen. Die enorme Infrastruktur in diesem kleinen Ort war ein bißchen heruntergekommen. Der Laden war gut sortiert wie immer, aber die Touristeninformation war verschwunden, weil das Gebäude baufällig war. Bank, Hotel, Jugendherberge schienen auch nicht mehr das zu sein, was sie einmal waren. Zum Glück war der Zeltplatz noch da.

2002-08-01 Für den Ruhetag in Höljes machte ich eine kleine Mountainbikerunde mit Bernhards Fahrrad. Erst fuhr ich zum Staudamm des Höljessees und dann ein Stück am östlichen Seeufer entlang. Dort könnte man problemlos bis nach Dalarna fahren oder auch einen Bogen fahren und südlich von Höljes wieder auf die Nationalstraße kommen, aber ich machte nur eine kurze Runde und fuhr auf dem Rückweg über den Staudamm und zu der Stelle an der Nationalstraße, wo etwas nördlich von Höljes die Höljån überquert wird. Die Waldwegenetze sind in Schweden etwas anders gestaltet als in Deutschland oder in der Schweiz. Es gibt weniger Wege, weil die Forstwirtschaft mit großen Maschinen arbeitet, die zum "Ernten" des Holzes mühelos querfeldein durch den Wald fahren. Die Waldwege sind oft Sackgassen mit Wendeplätzen für 60-Tonner an den Enden. Man hofft, daß sich die Holzdiebe so weniger leicht trauen, etwas mitzunehmen, weil sie auf dem Rückweg wieder an derselben Stelle vorbeikommen müssen. Aber es gibt auch Waldwege, die wie dieser schon seit längerer Zeit eine Art Verkehrsverbindung (Nebenstraße) darstellen und da kann man dann hoffen, nicht irgendwo auf einem Wendeplatz zu enden, wenn man nur bei den Verzweigungen immer die richtige Fortsetzung errät.

2002-08-02 Weil zwischen Likenäs und Stöllet eine schlimme Baustelle sein sollte und weil wir einmal eine neue Strecke ausprobieren wollten, bogen wir kurz vor Sysslebäck von der Nationalstraße in Richtung Flisa ab und fuhren auf der Hochebene statt im Flußtal nach Süden. Der Anstieg war ganz schön heftig, aber wir wurden mit einer schönen Pausenstelle am Letten-Stausee belohnt. Ab hier ging es so eben, wie Hochebenen eben üblicherweise sind, weiter nach Süden. Wir fanden eine Nebenstraße in den Wald und von dieser zweigte ein Waldweg ab, an dem wir unsere Zelte aufbauten.

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