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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Norwegen und Schweden

Karl Brodowsky, gefahren 2002-07-07 bis 2002-08-09, geschrieben 2002

Teil 1

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Nachdem es nun schon fast eine Familientradition geworden ist, in jedem Sommer zusammen eine große Fahrradtour zu machen, gab es doch dieses Mal einige Neuerungen. Bernhard war 2001 schon auf Gotland mit seinem eigenen Fahrrad gefahren. Aber er sollte nun zum ersten Mal auch über etwas bergigere Strecken fahren, obwohl wir doch eine möglichst "flache" Route wählten. Unser einst so beliebter Startort in Göteborg war langsam in Vergessenheit geraten und wir wollten es diesmal mit Oslo probieren. Das liegt schon etwas weiter nördlich und bietet neue Möglichkeiten. Die Nachteile von Oslo sind die erwarteten Schwierigkeiten, einen guten Weg aus der Stadt und ihren Vororten heraus zu finden und die etwas längere und teurere Schiffsreise. Vorteile sind, daß man vermutlich nach weniger Tagen in Gegenden mit wenig Verkehr kommt und auch ein bißchen von Norwegen sehen kann.

2002-07-06 Die Zugreise vereinfachte sich ein wenig, weil in diesem Jahr der City-Night-Line von Zürich und Basel nach Hamburg Fahrräder mitnahm. Das wurde so rege genutzt, daß es davon fast einen ganzen Wagen voll gab. In Kiel versuchte ich noch Reifen für unseren Anhänger zu kaufen, aber die hätte man in der ganzen Stadt wohl nur per Bestellung bekommen können. Wir kamen gut an Bord des Schiffs, das schon mittags losfuhr. Wir hatten eine schöne Schiffsfahrt, die auch ein Spaß war. Morgens kamen wir um 10:00 aus dem Schiff heraus.

2002-07-07 Es war tatsächlich recht spannend, den Weg durch diese autofreundliche und zugleich fahrradfeindliche Stadt zu finden. Die Straßen, die in unsere Richtung liefen, schienen alle für Radfahrer gesperrt zu sein und man mußte sich für die Benutzung legaler Wege über irgendwelche kurvigen und steigungsreichen Radwege quälen, die immer wieder die Straßenseite wechselten. Irgendwann wurde uns das zu bunt und wir fanden mit der N 159 nach Lillestrøm eine radweglose Parallelstraße, die uns einigermaßen gut in die richtige Richtung brachte. Allerdings war auch hier die Schwierigkeit, daß jede brauchbare Kennzeichung und Wegweiser fehlten oder unbrauchbar waren, was es insbesondere an manchen Verzweigungen extrem erschwerte, den richtigen Weg zu finden. Eine sehr große Hilfe war aber doch die Fahrradkarte von Oslo. Die kann man bei Syklistenes Landsforening (entspricht dem ADFC) bekommen, ich glaube sogar gratis. Der Laden mit dem Büro des Vereins befindet sich in Storgata 23 c (Eingang im überbauten Fußgängerbereich bei der Oper/Operapassasjen).

Von Lillestrøm nach Fetsund am Glåma nahmen wir noch die extrem verkehrsreiche N 22. Dieser Teil des Weges, von Oslo bis Fetsund, schien insgesamt ziemlich viel an Steigungen zu bringen, aber danach sollte es ja wegen des Flußtales für lange Zeit ganz flach sein. Direkt nach der Brücke über diesen Fluß kamen wir auf eine sehr ruhige Straße, die aber zunächst einmal dem Südufer des Flusses folgte, was sie aber nicht daran hinderte, immer wieder mit erheblichen Steigungen ein bißchen am Rand des Tales hochzuklettern. Obwohl der Fluß hier über 200 Meter breit war, gab es erstaunlich viele Brücken und unsere Straße wechselte auch irgendwann die Seite. Wir fanden für die erste Nacht in Norwegen eine schöne Stelle im Wald, die etwas höher als die Straße lag, so daß wir sicher nichts wegen plötzlich kommender Überflutungen durch den Fluß befürchten mußten.

2002-07-08 Nach ein paar weiteren Flußüberquerungen kamen wir zum Zeltplatz von Kongsvinger, der sehr schön neben dem Fluß lag, aber sonst nicht viel zu bieten hatte. Trotzdem machten wir hier einen kleinen Ruhetag.

2002-07-09 Die Reifen für den Anhänger und das Anhängerfahrrad waren recht abgenutzt, und einen davon hatte ich schon in einem Dorfladen ersetzen können, die anderen beiden in zwei verschiedenen Läden in Kongsvinger. Der Reifenkauf gestaltete sich auf dieser Radtour immer so, daß ich die Maße aufschrieb und vom Fahrradhändler den Bescheid bekam, daß man so eine Größe nicht verkaufe. Ich ging dann mit in den Raum, wo die Reifen waren und griff einen passenden Reifen, um zu sagen, daß ich ungefähr so einen wollte. Ein zweiter Blick offenbarte, daß man das "ungefähr" weglassen konnte und ein dritter Blick zeigte, daß das tatsächlich der einzige Reifen mit dieser Größe im ganzen Laden war. Der interessantere Teil von Kongsvinger war aber eigentlich die Festung, die sogar einige unterirdischen Gänge zu bieten hatte.

2002-07-10 Um die Radtour etwas locker anfangen zu lassen, folgten wir auch nördlich von Kongsvinger weiter dem Glåma. Es gab hier auf der Westseite die angeblich ruhigere N 210, die etwa 60 % des Weges bis Elverum führen sollte. Tatsächlich setzte sich die Straße nach dem Ende der N 210 als Hauptstraße fort. Obwohl man so etwas bei norwegischen Hauptstraßen erfahrungsgemäß absolut nicht erwartet, war diese tatsächlich bis Elverum asphaltiert. Wir kamen an lustigen Orten wie "Gotland" oder "Eierholen" vorbei. Der Zeltplatzwart aus Kongsvinger hatte uns für die zweite Nacht bei ihm und auch den darauf folgenden Tag gesagt, daß es leider viel Regen geben werde. Der Regen blieb aus, und es war den ganzen Tag sogar sonnig, aber irgendwie doch sehr feucht, fast dunstig, sozusagen "Sonnenschein mit schlechtem Gewissen". Abends gab es dann so ungefähr um die Zeit, als wir 30 Kilometer vor Elverum den Zeltplatz fanden, ein Gewitter mit einem ganz ordentlichen Regen. So probierten wir zur Abwechslung einmal eine Hütte aus, obwohl die Zelte durchaus auch für den Regen geeignet sind.

2002-07-11 Wie so oft überholten die Autofahrer gelegentlich noch, wenn der Gegenverkehr schon recht nahe war oder wenn eine Kurve oder eine Kuppe die Sicht versperrte. Einmal führte das sogar dazu, daß ein entgegenkommendes Auto durch den Anhänger des Überholers ordentlich gestreift wurde und ein paar Blechteile auf der Straße landeten. Aber der Fahrer mit dem Anhänger verschwand sofort, ohne sich deshalb lange aufzuhalten. Ich habe dem geschädigten Fahrer als Zeuge meine Mobiltelefonnummer gegeben und bin dann auch weitergefahren.

In Elverum fanden wir irgendwie die Läden, um Essen, Gummistiefel und ein paar andere Dinge zu kaufen und mußten dann auch noch einen Reifen reparieren. So war es schon fast 18:00, als wir auf dem Ostufer des Glåma, wo die Hauptstraße bis Rena asphaltiert sein sollte (und war) weiterfuhren. In Rena machten wir auf der Suche nach dem Zeltplatz noch eine kleine Stadtrundfahrt. Dabei hätte es ein kurzes Stück weiter nördlich eine zweite Brücke gegeben, die direkt zum Zeltplatz geführt hätte.

2002-07-12 In Rena blieben wir wieder einmal für zwei Nächte und Karin und ich nutzten die Gelegenheit nacheinander für kleine Ausflüge auf den Straßen, die nach Osten durch Berge und Täler anstiegen. Diese Ausflüge ohne Gepäck lohnen sich auch immer wieder und vor allem bei der Abfahrt hatten wir eine wunderschöne Aussicht. Die Kinder fuhren an diesem Tag gar nicht, aber ich ging mit ihnen ein bißchen baden, was in Rena besonders schön war, weil es eine Bucht des Glåma ohne Strömung und mit einem schönen Strand gab.

2002-07-13 Nördlich von Rena sollte die Hauptstraße auf dem Ostufer des Glåma für ein paar Kilometer ein Sandweg sein, wie übereinstimmende Informationen von verschiedenen Quellen erkennen ließen. So fuhren wir lieber auf der N 3, wo man auch sehr gut fahren konnte und versuchten es irgendwo nördlich noch einmal. Das schien nichts zu werden, denn gleich hinter der Brücke gingen zwei Wege nach links, von denen einer ein Sandweg wurde und einer ganz endete. Das ganze wurde noch erschwert, weil da ein Bahnübergang war und zufällig gerade ein Güterzug kam und wegen eines roten Signals genau auf dem Bahnübergang stehenbleiben mußte. Wir machten erst einmal eine Pause und aßen etwas. Der Weg hinter dem Bahnübergang schien nach Rena zu führen, aber wie sich später herausstellte, konnte man dort ein Stück nach oben kommen und weit oberhalb des Tals die Hauptstraße finden, die von hier bis Koppang wirklich asphaltiert sein sollte. Irgendwann fuhr der Güterzug dann doch wieder weiter und wir hatten fertig gegessen. So versuchten wir es, diese Straße zu benutzen. Vorteilhaft war, daß sie schön ruhig war, aber es war doch der Nachteil, daß es viel mehr Steigungen gab, solange die Bahnlinie zwischen uns und dem Fluß war. Die umgekehrte Anordnung erwies sich als vorteilhafter, aber sie kam seltener vor. Irgendwann kamen wir nach Koppang und wir wußten, daß etwas nördlich davon ein schöner Zeltplatz liegen sollte. Aber es sollte anders kommen, denn bei der letzten Pause gefiel uns die Stelle spontan so gut, daß wir überlegten, dort zu zelten. Ein Stück von der Straße weg fand sich eine wunderbare Stelle etwas oberhalb des rauschenden Glåma, mit Blick auf das gegenüberliegende Ufer und ein paar Inseln.

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