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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Norwegen und Schweden

Karl Brodowsky, gefahren 2002-07-07 bis 2002-08-09, geschrieben 2002

Teil 2

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2002-07-14 Zwischen wunderschönen Bergen hindurch fuhren wir weiter bis nach Alvdal. Beim Glåma gab es immer wieder ruhigere Abschnitte und dann wieder schneller fließendes Wasser, das aussieht, als wäre es überhaupt nicht tief. Der Zeltplatz von Alvdal war aber am gegenüberliegenden Stadtrand, genaugenommen noch ein Stück weiter und dann noch einmal zwei Kilometer von der N 3 weg an der N 29. Dafür blieben wir aber gleich zwei Nächte.

2002-07-15 Karin und ich machten nacheinander einen kleinen Ausflug auf der N 29 nach Westen und wir grillten auch noch zum Mittag ein bißchen Fisch. Die Platz lag an einem kleinen Zufluß des Glåma, in dem man sogar ein bißchen schwimmen konnte, weil mit ein paar Steinen neben dem Zeltplatz eine Art Becken im Flußbett aufgestaut war, in dem das Wasser etwas tiefer war und etwas langsamer floß.

2002-07-16 Für den folgenden Tag hatten wir uns vorgenommen, bis nach Røros zu fahren, wobei ein kleiner Bonus war, daß der Zeltplatz diesmal schon kurz vor dem Ort liegen sollte. Es hatte sich herausgestellt, daß wir irgendwo auf der anderen Seite des Glåma wieder eine asphaltierte Straße bis Tynset finden könnten und in Tynset machten wir bei einem Kindergarten eine kleine Pause. Die Berge wurden immer höher und es war spannend, wie die Straße und der Fluß wohl ihren weiteren Verlauf zwischen den Bergen nehmen würden, die sich vor uns immer wieder auftürmten.

2002-07-17 In Røros blieben wir für zwei Nächte. Der Zeltplatz hatte sogar eine Geschirrspülmaschine, aber dafür bildete sich einmal wieder zur Abwechslung in der Nacht eine Pfütze unter einem unserer Zelte, die sich aber durch ein bißchen Wühlen im Gras mit einem Abfluß versehen und entschärfen ließ. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns die Stadt und die Olovsgruben anzusehen. Røros ist einer der wenigen Orte auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Die Gruben waren ein paar Kilometer außerhalb der Stadt auf etwa 900 Metern Höhe zu finden und es gab eine asphaltierte Nebenstraße, die von der N 31 dorthin führte. Die Gruben in der Gegend dienten dem Kupferbergbau. Es gibt auch heute noch viel Kupfererz. Aber der Abbau wurde eingestellt, als das Lohnniveau und der Weltmarktpreis nicht mehr einen rentablen Betrieb des Bergwerks erlaubte. So hat man sich hier ein kleines norwegisches Ruhrgebiet rechtzeitig erspart. Solche unterirdischen Anlagen sind immer wieder eindrucksvoll. Anschließend sahen wir uns noch ein bißchen die Stadt und das Museum in der ehemaligen Kupferhütte an.

2002-07-18 In der Nähe von Røros fließt der Glåma aus einem Seensystem heraus, auch wenn es irgendeinen Zufluß dieses Seensystems gibt, der als Oberlauf des Glåma angesehen werden kann. Aber da wir den Unterlauf und die Mündung schon verpaßt hatten, sparten wir uns auch hier die weitere Fahrt an dem Flußlauf bis zu den Quellen und wendeten uns auf der N 31, deren erstes Stück wir schon kennengelernt hatten, nach Osten. Das bedeutet zum ersten Mal eine wirkliche Steigung oder sagen wir lieber eine wirklich notwendige Steigung, denn auch im Flußtal hatten wir regelmäßig erhebliche Anstiege zu bewältigen. Das war aber alles irgendwie kein Problem. Wir hatten eine eine der schönsten und ruhigsten Strecken auf der ganzen Tour, wie so oft im schwedisch-norwegischen Grenzgebiet, außer vielleicht auf der E 6 oder E 18 von Schweden nach Oslo. Ein langes Stück fuhren wir neben einem kleinen Fluß entlang. Bei einer Pausenstelle gab es etliche Waldwege und irgendwo sollte auch ein schöner Wasserfall sein. So gingen wir etwas länger spazieren. Diese Bewegung setzte auch der örtlichen Mückenplage gewisse Grenzen, aber wir schafften es nicht, uns dem Wasserfall wirklich von der richtigen Seite zu nähern. Der Spaziergang war trotzdem schön und wir sind auch nicht in den Mooren versunken oder von den Mücken gefressen worden.

Der höchste Punkt war ungefähr an der Grenze zu finden. Angeblich sollte das sogar oberhalb der Baumgrenze sein, aber der Eingang zur Olavsgruva blieb wohl der einzige Punkt auf unser Tour, für den so etwas zutraf. Eigentlich war die Grenze nur durch ein paar Schilder gekennzeichnet, aber ohne Zöllner, Paßkontrolle oder so etwas. Aber irgendwie merkt man doch schnell, daß man in einem anderen Land ist, weil auf der Schwedischen Seite des Gebirges die Landschaft etwas anders aussieht. Vor allem sind die Täler breiter und es ist insgesamt etwas flacher, wenn auch die steilen Berge als Begleiter der Straße noch sichtbar bleiben. Mit der kleinen Nationalstraße mit ihren sanften Bögen zwischen den Büschen und Bäumchen und Gewässern sah die Gegend fast aus wie in einem Park. Bald kamen wir an einen See und es ließ sich erkennen, daß wir am Abend in Fjällnäs einen Zeltplatz finden würden, der auch tatsächlich am nächsten See lag.

2002-07-19 Von hier ab sollte es noch einmal über den Berg zu einem anderen Flußtal gehen, aber das erwies sich als marginal. Natürlich war hier ein riesiges Skigebiet und es gab immer wieder Parkstreifen am Straßenrand und Skiorte, wie man sie wohl auch in den Alpen kennt. Für uns war das ein Glücksfall, denn die Infrastruktur war auf den riesigen Andrang im Winter ausgelegt. Um diese Jahreszeit waren die Straßen doch ziemlich leer. Wir kamen an schönen Seen, Bergen, Flüssen und vor allem Wäldern vorbei. Zum Teil kamen wir über höher gelegene Streckenabschnitte, aber wir folgten doch hauptsächlich der Ljusnan in Richtung Sveg, also stromabwärts. Abends fanden wir eine Stelle im Wald recht weit weg von der Nationalstraße. Ein Zeltplatz tauchte zwar auch neben der Straße auf, aber der war doch gerade stillgelegt worden.

2002-07-20 Zum Glück fanden wir am nächsten Tag eine schöne Badestelle, was gerade sehr angenehm ist, wenn man für ein paar Nächte im Wald zeltet. Auch ein bißchen Kaffee und warmes Essen konnten wir unterwegs bei einem Freilichtmuseum bekommen. Am Abend fanden wir wieder eine Stelle im Wald, wo diesmal die Gegend besonders einsam zu sein schien. Ein ganzes Stück von der Straße entfernt war der Wald mit niedrigen Bäumen bestanden und dazwischen wuchs ganz helles, fast weißliches Moos. Aber auch im Wald ist inzwischen wohl viel los und es kam sogar eine Spaziergängerin mit Hund vorbei.

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