Am Sonntag fuhren wir einfach durch Vargön und weiter zwischen Hunneberg
und Halleberg in Richtung Vänernäs. Die beiden Berge sind die
Gegend mit der höchsten Elchdichte in Europa, also sicher auch einmal
einen Ausflug wert. Diesmal war aber eher ein Badetag angesagt. Wir fuhren
auf der Straße, die zwischen den beiden Bergen hindurchführt
und in Richtung Vänersnäs. Da fanden wir eine schöne Badestelle,
mit sehr viel Sand, was die Kinder freute. Und wir fanden dort auch die
Stelle am Ufer des Vänersees, die ich einmal in einem Luftbildatlas
gesehen hatte. Dort steht eine Wand von Basaltsäulen in der Nähe
des Ufers, wie eine Steilküste. Trotz vollständiger Umrundung
des Vänersees hatte ich die Stelle noch nie gesehen. Hier war sie
jetzt, und es war wirklich schön.
Weil die Stelle so schön war, fuhren wir am Montag noch einmal dorthin.
Für das Abendbrot hatten wir am Ortseingang von Vänersborg wieder
eine Möglichkeit entdeckt arabisch-italienisch-schwedisch zu essen.
Am Dienstag hatten wir uns vorgenommen, einen großen Teil des Weges
nach Göteborg zurückzulegen. Der genaue Zielort stand noch nicht
fest. Wir wußten, daß wir es bis Göteborg nicht schaffen würden. Und
wir wußten, daß es dann keinen passenden Zeltplatz gab. Erstmal mußten
wir nach Trollhättan fahren. Wenn man das Straßennetz einmal
verstanden hat und die Radwege meidet, ist das zumindest zu
schaffen. Der zentrale Punkt der ganzen Gegend ist der Kreisel Båberg,
westlich des Götaälv, zwischen Vänersborg und Trollhättan. Dort geht
es nach Nordosten in Richtung Vänersborg, nach Nordwesten als N 44
Richtung Uddevalla und als N 45 nach Karlstad. Etwas nordwestlich des
Kreisels ist eine Auffahrt, wo die A 44 von Osten kommt und in die
N 44 Richtung Uddevalla übergeht. Nach Südwesten geht es zu einer
Hauptstraße, die westlich des Götaälv nach Süden verläuft. Und nach
Südosten kommt man auf der N 45 nach Trollhättan und Göteborg. In
Trollhättan fanden wir einen schönen Spielplatz zwischen den ganzen
Wasserwegen, die sich dort durch die Kraftwerke und den
Schiffahrtskanal ergeben. Ich blieb dort mit den Kindern, während
Karin den Einkauf erledigte. Wahrscheinlich konnten sich Bernhard und
Ulrich nicht mehr an diesen Spielplatz erinnern, aber auf der vorigen
Radtour waren wir ja schon einmal dort.
Durch Trollhättan kamen wir irgendwie durch, bis zur N 45.
Die wurde uns ja offiziell nicht gegönnt, man sollte dort lieber über
verkehrsberuhigte Radwege fahren, die aber leider mit Anhängerfahrrad
und Anhänger durchaus nicht benutzbar sind. Mit etwas Hupbegleitung
kamen wir so ungefähr zur Hauptverkehrszeit aus der Stadt heraus und
dann wurde es auch bald gemütlicher und leerer. Die N 45 war
südlich von Trollhättan so ausgebaut, daß wir als Radfahrer
dort sehr gut fahren konnten. In Lilla Edet machten wir wieder eine kleine
Rast, diesmal an einem großen Rastplatz. Danach fingen wir so langsam
an, uns nach Plätzen im Wald umzusehen. Dummerweise zweigte aber von
der N 45 kein einziger Waldweg ab, obwohl sie zu einem großen
Teil durch Wald verlief. Wir suchten uns eine geeignete Seitenstraße
aus, von der wir uns erhofften, daß dort abzweigende Waldwege vorkommen
könnten. Den Waldweg gab es auch. Aber man mußte erst an einem
Haus vorbeigehen und ein Stück weiter, um die Kurve. Da kam natürlich
dann das nächste Haus. Aber irgendwo wurde es dann doch ein richtiger
Waldweg und es gab eine ganz tolle Stelle zum Zelten.
Am nächsten Morgen mußten wir nur noch ganz wenige Kilometer
nach Süden fahren, bis die Straßenbeleuchtung von Göteborg
anfing. Von da waren es aber noch 35 Kilometer bis zur Innenstadt und sogar
noch 20 Kilometer bis zur Gemeindegrenze, die hier für schwedische
Verhältnisse ausnahmsweise einmal sehr zentral gelegen war. Das Tal
des Götaälv wurde zumindest auf dieser (östlichen) Seite
recht schmal. Etwa 20 Kilometer vor Göteborg fing der vierspurige
Ausbau an, bald kamen auch Randstreifen hinzu, aber der Verkehr hielt sich
doch in Grenzen. Das änderte sich auf dem letzten Stück in Göteborg
selbst, wo unsere Straße sich zweimal mit einer anderen vierspurigen
Straße vereinigte. Zur Hauptverkehrszeit war das ganze dann auch
etwas voller als dieselbe Straße am ersten Tag dieser Radtour. Die
Abfahrten wurden jetzt sehr selten und Ampeln kamen keine mehr vor. Beim
Gulberg-Motet mußte man die linke der drei Spuren nehmen, um legal
weiterzufahren und dann waren wir auch schon fast in der Innenstadt. Irgendwie
fanden wir dann auch noch heraus, wie man so den Weg zum Zeltplatz finden
kann.
Der Zeltplatz den wir in Göteborg ansteuerten, war natürlich
schon sehr voll, aber zum Glück kamen wir noch irgendwo mit unserem
Zelt unter. Das war sogar ganz nah an dem Servicehaus, so daß die
Wege zur Küche nicht so weit waren. Auf der ganzen Radtour hatte es
mich genervt, daß man das Geschirr abspülen mußte. Einen
Herd und eine Waschmaschine gab es ja auf jedem Zeltplatz, einen Mikrowellenofen
mindestens auf jedem zweiten, aber so eine Industriespülmaschine,
wo jeder seine Teller und Messer in einer Minute gewaschen bekommt, die
habe ich auf jedem Zeltplatz vermißt. Hier gab es sie endlich. Und
alle spülten trotzdem noch von Hand, so daß wir nicht lange
in der Schlange stehen mußten.
Aber was noch viel wichtiger ist, es sollte sogar einen kleinen See ganz in der Nähe des Zeltplatzes geben. Mitten in der Stadt, in einem kleinen Naturschutzgebiet. Den suchten wir dann sofort, zur Abwechslung zu Fuß, nur mit dem Anhänger, der mit der Schiebestange als Kinderwagen für Heidrun verwendet werden konnte. Es gab ihn also wirklich, wenn auch nach einem sehr langen und hügeligen Fußmarsch, den Badesee mitten in der Stadt. Keine Frage, vor allem Heidrun war natürlich begeistert. Und es war auch wirklich schön, der See war landschaftlich so gelegen, daß man dachte, irgendwo weit draußen in der Natur zu sein, nur war er dafür dann doch recht gut von anderen Badegästen besucht, fast so wie einer der Karlsruher Baggerseen an Tagen, an denen es in Stuttgart und Calw früh Feierabend gab.
Nun wollten wir doch noch ein wenig die Stadt kennenlernen, denn auf diesem Zeltplatz waren wir ja nun wieder für zwei Nächte. Der Donnerstag wurde also für eine kleine Grachtenrundfahrt am Vormittag genutzt. Zwar haben nur Hamburg und Berlin mehr Brücken als Amsterdam und Venedig, aber auch Göteborg ist von etlichen kleinen Kanälen durchzogen.
Am nachmittag sahen wir uns ein Schiffsmuseum an. Diesmal gab es nicht kleine Pappmodelle zu sehen, wie man sie sich einmal eben in fünf Minuten auf den Bildschirm malen könnte, sondern echte Schiffe, die in echtem Wasser lagen. Davon gab es sogar so viele, daß wir nur einen kleinen Teil sehen konnten. Aber das ist natürlich schon interessant, wie so ein Schiffchen von innen aussieht, wenn es ein Schlepper, ein Frachter, ein U-Boot oder sonst etwas ist.
Den folgenden Tag, vielleicht war das ein Freitag, hatten wir auch noch in Göteborg, was wir für einen Besuch im Zoo ausnutzten. Der lag in einem großen Park auf einem Hügel, den wir nicht hochfahren konnten, dafür war der Eintritt auch frei. Bis zu dem Hügel konnten wir durch den Park fahren und zum Glück hatte niemand uns noch ein Fahrrad dazugestellt, denn wie hätten wir das mitnehmen sollen. Weil auch kein Fahrrad fehlte, war es kein Problem, zum Fähranleger zu fahren. Eine letzte Pause gab es noch ganz in der Nähe des Hafens, aber dann kam doch der Moment, wo man eine gewisse Zeit vor dem Ablegen an Bord fahren sollte.
Die Schiffsfahrt gehört ja auch noch zum Vergnügen, jedenfalls für die Kinder. Es gibt nämlich eine Spielecke, mit einer Rutschbahn und ganz vielen Bällen, in denen man regelrecht baden kann. Natürlich gingen wir irgendwann doch schlafen und am nächsten Morgen waren wir schon in Kiel. Viel schneller als auf dem Hinweg schafften wir den Weg von der Fähre zurück und es gab einen echten Ruhetag in Kiel. Abends fuhr unser Zug los, erst von Kiel nach Hamburg. In Hamburg mußte ich die Fahrräder einladen, Karin ging mit den Kindern und dem Gepäck in den Schlafwagen. Man muß ja nicht alles auf einmal einladen und kann sich dabei auch helfen lassen. Morgens war das in Stuttgart etwas gemütlicher, denn diesmal waren wir bei der Endstation und die Anschlüsse nach Singen und von dort nach Schaffhausen schien es auch irgendwie zu geben. Der Sonntag, an dem wir ankamen, war schon wieder ein Ruhetag, aber am Montag fing der Alltag wieder an.