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350 Tonnenkilometer mit dem Fahrrad:
Radtour mit drei Kindern in Südschweden

Karl Brodowsky, gefahren 1997-07-04 bis 1997-08-10, geschrieben 1998

Teil 5

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Straße Am Sonntag fuhren wir einfach durch Vargön und weiter zwischen Hunneberg und Halleberg in Richtung Vänernäs. Die beiden Berge sind die Gegend mit der höchsten Elchdichte in Europa, also sicher auch einmal einen Ausflug wert. Diesmal war aber eher ein Badetag angesagt. Wir fuhren auf der Straße, die zwischen den beiden Bergen hindurchführt und in Richtung Vänersnäs. Da fanden wir eine schöne Badestelle, mit sehr viel Sand, was die Kinder freute. Und wir fanden dort auch die Stelle am Ufer des Vänersees, die ich einmal in einem Luftbildatlas gesehen hatte. Dort steht eine Wand von Basaltsäulen in der Nähe des Ufers, wie eine Steilküste. Trotz vollständiger Umrundung des Vänersees hatte ich die Stelle noch nie gesehen. Hier war sie jetzt, und es war wirklich schön.

Vänersee Weil die Stelle so schön war, fuhren wir am Montag noch einmal dorthin. Für das Abendbrot hatten wir am Ortseingang von Vänersborg wieder eine Möglichkeit entdeckt arabisch-italienisch-schwedisch zu essen.

leerer Wasserfall Am Dienstag hatten wir uns vorgenommen, einen großen Teil des Weges nach Göteborg zurückzulegen. Der genaue Zielort stand noch nicht fest. Wir wußten, daß wir es bis Göteborg nicht schaffen würden. Und wir wußten, daß es dann keinen passenden Zeltplatz gab. Erstmal mußten wir nach Trollhättan fahren. Wenn man das Straßennetz einmal verstanden hat und die Radwege meidet, ist das zumindest zu schaffen. Der zentrale Punkt der ganzen Gegend ist der Kreisel Båberg, westlich des Götaälv, zwischen Vänersborg und Trollhättan. Dort geht es nach Nordosten in Richtung Vänersborg, nach Nordwesten als N 44 Richtung Uddevalla und als N 45 nach Karlstad. Etwas nordwestlich des Kreisels ist eine Auffahrt, wo die A 44 von Osten kommt und in die N 44 Richtung Uddevalla übergeht. Nach Südwesten geht es zu einer Hauptstraße, die westlich des Götaälv nach Süden verläuft. Und nach Südosten kommt man auf der N 45 nach Trollhättan und Göteborg. In Trollhättan fanden wir einen schönen Spielplatz zwischen den ganzen Wasserwegen, die sich dort durch die Kraftwerke und den Schiffahrtskanal ergeben. Ich blieb dort mit den Kindern, während Karin den Einkauf erledigte. Wahrscheinlich konnten sich Bernhard und Ulrich nicht mehr an diesen Spielplatz erinnern, aber auf der vorigen Radtour waren wir ja schon einmal dort.

Wald vor Göteborg Durch Trollhättan kamen wir irgendwie durch, bis zur N 45. Die wurde uns ja offiziell nicht gegönnt, man sollte dort lieber über verkehrsberuhigte Radwege fahren, die aber leider mit Anhängerfahrrad und Anhänger durchaus nicht benutzbar sind. Mit etwas Hupbegleitung kamen wir so ungefähr zur Hauptverkehrszeit aus der Stadt heraus und dann wurde es auch bald gemütlicher und leerer. Die N 45 war südlich von Trollhättan so ausgebaut, daß wir als Radfahrer dort sehr gut fahren konnten. In Lilla Edet machten wir wieder eine kleine Rast, diesmal an einem großen Rastplatz. Danach fingen wir so langsam an, uns nach Plätzen im Wald umzusehen. Dummerweise zweigte aber von der N 45 kein einziger Waldweg ab, obwohl sie zu einem großen Teil durch Wald verlief. Wir suchten uns eine geeignete Seitenstraße aus, von der wir uns erhofften, daß dort abzweigende Waldwege vorkommen könnten. Den Waldweg gab es auch. Aber man mußte erst an einem Haus vorbeigehen und ein Stück weiter, um die Kurve. Da kam natürlich dann das nächste Haus. Aber irgendwo wurde es dann doch ein richtiger Waldweg und es gab eine ganz tolle Stelle zum Zelten.

N45 vierspurig N45 sechsspurig Am nächsten Morgen mußten wir nur noch ganz wenige Kilometer nach Süden fahren, bis die Straßenbeleuchtung von Göteborg anfing. Von da waren es aber noch 35 Kilometer bis zur Innenstadt und sogar noch 20 Kilometer bis zur Gemeindegrenze, die hier für schwedische Verhältnisse ausnahmsweise einmal sehr zentral gelegen war. Das Tal des Götaälv wurde zumindest auf dieser (östlichen) Seite recht schmal. Etwa 20 Kilometer vor Göteborg fing der vierspurige Ausbau an, bald kamen auch Randstreifen hinzu, aber der Verkehr hielt sich doch in Grenzen. Das änderte sich auf dem letzten Stück in Göteborg selbst, wo unsere Straße sich zweimal mit einer anderen vierspurigen Straße vereinigte. Zur Hauptverkehrszeit war das ganze dann auch etwas voller als dieselbe Straße am ersten Tag dieser Radtour. Die Abfahrten wurden jetzt sehr selten und Ampeln kamen keine mehr vor. Beim Gulberg-Motet mußte man die linke der drei Spuren nehmen, um legal weiterzufahren und dann waren wir auch schon fast in der Innenstadt. Irgendwie fanden wir dann auch noch heraus, wie man so den Weg zum Zeltplatz finden kann.

Karls Fahrrad Der Zeltplatz den wir in Göteborg ansteuerten, war natürlich schon sehr voll, aber zum Glück kamen wir noch irgendwo mit unserem Zelt unter. Das war sogar ganz nah an dem Servicehaus, so daß die Wege zur Küche nicht so weit waren. Auf der ganzen Radtour hatte es mich genervt, daß man das Geschirr abspülen mußte. Einen Herd und eine Waschmaschine gab es ja auf jedem Zeltplatz, einen Mikrowellenofen mindestens auf jedem zweiten, aber so eine Industriespülmaschine, wo jeder seine Teller und Messer in einer Minute gewaschen bekommt, die habe ich auf jedem Zeltplatz vermißt. Hier gab es sie endlich. Und alle spülten trotzdem noch von Hand, so daß wir nicht lange in der Schlange stehen mußten.

Aber was noch viel wichtiger ist, es sollte sogar einen kleinen See ganz in der Nähe des Zeltplatzes geben. Mitten in der Stadt, in einem kleinen Naturschutzgebiet. Den suchten wir dann sofort, zur Abwechslung zu Fuß, nur mit dem Anhänger, der mit der Schiebestange als Kinderwagen für Heidrun verwendet werden konnte. Es gab ihn also wirklich, wenn auch nach einem sehr langen und hügeligen Fußmarsch, den Badesee mitten in der Stadt. Keine Frage, vor allem Heidrun war natürlich begeistert. Und es war auch wirklich schön, der See war landschaftlich so gelegen, daß man dachte, irgendwo weit draußen in der Natur zu sein, nur war er dafür dann doch recht gut von anderen Badegästen besucht, fast so wie einer der Karlsruher Baggerseen an Tagen, an denen es in Stuttgart und Calw früh Feierabend gab.

Nun wollten wir doch noch ein wenig die Stadt kennenlernen, denn auf diesem Zeltplatz waren wir ja nun wieder für zwei Nächte. Der Donnerstag wurde also für eine kleine Grachtenrundfahrt am Vormittag genutzt. Zwar haben nur Hamburg und Berlin mehr Brücken als Amsterdam und Venedig, aber auch Göteborg ist von etlichen kleinen Kanälen durchzogen.

Am nachmittag sahen wir uns ein Schiffsmuseum an. Diesmal gab es nicht kleine Pappmodelle zu sehen, wie man sie sich einmal eben in fünf Minuten auf den Bildschirm malen könnte, sondern echte Schiffe, die in echtem Wasser lagen. Davon gab es sogar so viele, daß wir nur einen kleinen Teil sehen konnten. Aber das ist natürlich schon interessant, wie so ein Schiffchen von innen aussieht, wenn es ein Schlepper, ein Frachter, ein U-Boot oder sonst etwas ist.

Den folgenden Tag, vielleicht war das ein Freitag, hatten wir auch noch in Göteborg, was wir für einen Besuch im Zoo ausnutzten. Der lag in einem großen Park auf einem Hügel, den wir nicht hochfahren konnten, dafür war der Eintritt auch frei. Bis zu dem Hügel konnten wir durch den Park fahren und zum Glück hatte niemand uns noch ein Fahrrad dazugestellt, denn wie hätten wir das mitnehmen sollen. Weil auch kein Fahrrad fehlte, war es kein Problem, zum Fähranleger zu fahren. Eine letzte Pause gab es noch ganz in der Nähe des Hafens, aber dann kam doch der Moment, wo man eine gewisse Zeit vor dem Ablegen an Bord fahren sollte.

Die Schiffsfahrt gehört ja auch noch zum Vergnügen, jedenfalls für die Kinder. Es gibt nämlich eine Spielecke, mit einer Rutschbahn und ganz vielen Bällen, in denen man regelrecht baden kann. Natürlich gingen wir irgendwann doch schlafen und am nächsten Morgen waren wir schon in Kiel. Viel schneller als auf dem Hinweg schafften wir den Weg von der Fähre zurück und es gab einen echten Ruhetag in Kiel. Abends fuhr unser Zug los, erst von Kiel nach Hamburg. In Hamburg mußte ich die Fahrräder einladen, Karin ging mit den Kindern und dem Gepäck in den Schlafwagen. Man muß ja nicht alles auf einmal einladen und kann sich dabei auch helfen lassen. Morgens war das in Stuttgart etwas gemütlicher, denn diesmal waren wir bei der Endstation und die Anschlüsse nach Singen und von dort nach Schaffhausen schien es auch irgendwie zu geben. Der Sonntag, an dem wir ankamen, war schon wieder ein Ruhetag, aber am Montag fing der Alltag wieder an.

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