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350 Tonnenkilometer mit dem Fahrrad:
Radtour mit drei Kindern in Südschweden

Karl Brodowsky, gefahren 1997-07-04 bis 1997-08-10, geschrieben 1998

Teil 4

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Zur Abwechslung brachen wir diesmal schon nach einer einzigen Nacht auf, um erstmal von diesem Gästehafen, der ja auch schon im Gemeindegebiet von Töreboda lag, in den eigentlichen Ort zu fahren. Töreboda ist nicht ganz unbekannt, weil sich dort die Bahnstrecke getroffen hat, die man gleichzeitig von Stockholm und von Göteborg ausgehend gebaut hat. Zufällig war mir dreizehn Jahre früher in der Nähe von Töreboda der Fahrradrahmen gebrochen, so daß ich gerade von dort nach Göteborg einen Zug nehmen mußte. Diesmal hielten die Fahrräder gut durch. Bisher hatte es noch nichteinmal einen platten Reifen gegeben, wo wir doch immerhin sieben Reifen in Gebrauch hatten. Eine kleine Panne gab es doch, es gab nämlich ausnahmsweise an diesem Tag etwas Regenwetter. In Töreboda konnten wir an einer schönen Stelle am Kanal eine Pause machen und da war es trocken.

Auf der N 202 kamen wir weiter in Richtung Mariestad, wieder mit leichten Regenschauern, aber wieder mit einer Möglichkeit, bei halbwegs trockenem Wetter an einem See eine Pause einzulegen und auch ohne die Hilfe des Regens trotzdem naß zu werden. In Mariestad gab es eine ganz merkwürdige Straßenkonstruktion. Die Stadt wurde von der E 20 (alt E 3) umfahren. Zwischen der Stadt und der E 20 gab es noch eine zweite Umgehungsstraße, die offiziell zum Zeltplatz führen sollte. Ganz offiziell hätte man sogar die Radwege dieser Straße nehmen können, aber so amtlich wollten wir das nun auch wieder nicht machen, da ja zwischendurch keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten mehr vorgesehen waren.

Der Zeltplatz von Mariestad war sehr gut ausgerüstet, nicht nur mit einem schönen Strand am Vänersee, sondern auch mit einem schönen Küchenhaus. Das war recht praktisch, denn es gab sogar Mikrowellengerät, um die Milch für die Kinder warm zu machen. Das war aber eigentlich gar nicht mehr so ungewöhnlich, fast die Hälfte der Zeltplätze hatte so etwas schon, aber dieser hatte ein ganz besonders schönes Küchenhaus. Das Wetter war abends recht windig, aber unser Zelt war eigentlich ein recht windfestes Modell und außerdem waren wir ja durch den Baumbestand ein bißchen geschützt.

Brücke Von Mariestad machten wir am Dienstag wieder einen kleinen Tagesausflug, der in dieser Form in früheren Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Es gibt dort die kleine Insel Torsö im Vänersee, die neuerdings mit einer Brücke erreicht werden kann. Da fuhren wir hin, erst ein Stück über die E 20 und dann auf einer kleinen Straße zu der Brücke. Für eine ebenerdige Trassierung hat es dann doch nicht gereicht, so mußte man von der hohen Uferböschung erst herunter, dann auf der Brücke wieder ziemlich weit hoch, damit die Boote unten durchfahren können, und dann am Ufer der Insel wieder herunter und danach auf die Höhe der Insel. Bei einem Zeltplatz auf der Insel gab es ein Eischen, aber überraschenderweise keine gute Badestelle. Da mußte man noch ein Stück weiterfahren und dann die letzten Kilometer zu Fuß gehen, um zu einer sehr schönen Bucht zu gelangen. Immerhin kannten wir uns auf dem Rückweg in Mariestadt schon etwas besser aus und so konnten wir einen besseren Weg finden.

Nachdem wir nun den Vättersee schon so gut erkundet hatten, war jetzt der Vänersee etwas ausführlicher dran. Wir folgten also so ungefähr seinem Ufer. Allerdings war uns diesmal der näher am Ufer verlaufende Weg eher zu lang und zu steil und wir blieben auf der E 20 bis Götene, von dort gab es dann die N 44, die hier für 110 km/h zugelassen war. Da stellte sich heraus, daß wir uns über die Reifen zu früh gefreut hatten. Der Anhänger brauchte eine Reifenreparatur. Zum Glück passierte das gerade neben einer schönen romanischen Kirche, so daß dort die Zwangspause sowieso nicht so schlimm war.

In Lidköping gibt es zwei Zeltplätze, einer war jetzt für uns kurz vor der Stadt, einer am andere Ende. Wir probierten diesmal den vor der Stadt aus, was abgesehen von der Badestelle gar nicht so schlecht war. Die Badestelle taugte nichts, denn das Wasser wurde einfach nirgendwo so tief, daß man vernünftig schwimmen konnte. Aber Bernhard meint trotzdem, daß dies (abgesehen von dem Fahren mit 40 km/h) die schönste Stelle von der ganze Radtour war.

Pumpe in Lidköping Die Hauptsehenswürdigkeiten von Lidköping sind natürlich einerseits der Tafelberg Kinnekulle, andererseits das Schloß Lackö. Das Schloß hatten wir ein paar Jahre davor schon gesehen und der Berg war uns diesmal ein bißchen zu viel Streß. So sahen wir uns einfach den Ort selbst an. Da konnte man noch gleich das eine Fahrrad zentriert bekommen und den Schlauch für den Anhänger ersetzen und die Zeit des größten Regenschauers in einem Café abwarten.

Am Freitag kamen wir wieder auf der N 44 weiter nach Westen. Das war übrigens streckenweise eine sehr gut ausgebaute Straße, denn es gab vier Abschnitte von jeweils etwa 2 Kilometer Länge, auf denen die Randstreifen gewaltig breit wurden, breiter als der Rest der Fahrbahn. Unsere Hoffnungen, an einem kleinen Ort einen Lebensmittelladen zu finden, wurden enttäuscht, der war halt 15 km hinter uns in Lidköping. Aber das lernt man natürlich auf so einer Familienradtour, daß da gewisse Vorräte immer im Gepäck sind, um auch so noch genug zum Essen zu haben. Die nächste Pause war an einer schönen Stelle im Wald und kurz danach kam auch schon die Abzweigung nach Grästorp, dem heutigen Ziel unserer Fahrt. Der Ort war natürlich doch ein Stück weit von der N 44 entfernt und den Zeltplatz mußten wir erstmal finden. Immerhin war da schon einmal ein Laden. Die Badestelle neben dem Zeltplatz, auf die die Wegweiser hinwiesen, war ein Schwimmbad, das natürlich schon langsam geschlossen wurde. Der Zeltplatz war eigentlich ein Sportplatz, aber das garantierte für gute Infrastruktur, Waschräume, Dusche und so etwas war sowieso vorhanden und den Herd und die Waschmaschine hatte man halt irgendwo in einer Ecke auch noch untergebracht.

Von Grästorp nach Westen kommt man schon sehr bald in den Einzugsbereich von Trollhättan und Vänersborg, genannt Tvåstad, mit dem etwas unübersichtlichen Straßennetz. Inzwischen bin ich aber doch so ungefähr durchgestiegen, wie man da amtlicherweise so fahren soll. Lange vor diesen beiden Orten zweigt nach rechts eine Straße ab, die zwischen Hunneberg und Halleberg hindurch nach Vargön und Vänersborg führt, während es geradeaus laut Wegweiser nach Trollhättan und Vänersborg geht. Zwischen beiden Orten gibt es eine Brücke und kurz davor geht die N 44 in die A 44 über. Nach rechts führt eine Nationalstraße nach Vargön, Vänersborg und Uddevalla, nach links geht es nach Trollhättan und Göteborg. Nur ist das nicht richtig ausgewiesen.

Heidrun beim Baum Kurz vor Vargön kamen wir noch an Hügelgräbern aus uralten Zeiten vorbei, wo wir noch eine kleine Pause einlegten. Vargön hatte eine Umgehungsstraße, die hinter dem Ort auf langen Brücken über Industriegebiete geführt wurde und dabei auch den Götaälv querte. Hier mußte man ziemlich aufpassen, denn es gab einen Radweg, der durch Leitplanken von der Fahrbahn getrennt war und der dann natürlich auch irgendwo abbog und in eine völlig andere Richtung führte. Wir blieben erst einmal auf der Straße bis zur Innenstadt. Dort fanden wir heraus, wo der Zeltplatz lag. Wegen der vielen Einbahnstraßen und Radwege und Brücken war das trotz der geringen Entfernung keine einfache Sache. Das war wieder ein Gästehafen, direkt neben dem Bahnhof. Von der Infrastruktur war das eher an der unteren Kante, denn die Küche war nur zu den Öffnungszeiten der Rezeption geöffnet, aber wir kamen damit schon zurecht. Dafür war es auch wieder interessant, die ganzen Hobbykapitäne zu treffen und der Zeltplatzverwalter war abgesehen von seinen Öffnungszeiten auch ganz in Ordnung.

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