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350 Tonnenkilometer mit dem Fahrrad:
Radtour mit drei Kindern in Südschweden

Karl Brodowsky, gefahren 1997-07-04 bis 1997-08-10, geschrieben 1998

Teil 1

[Anfang] [Ende]

Weil uns die Familienradtour 1994 so gut gefallen hat, dachten wir, daß wir (Heidrun 1, Ulrich 4, Bernhard 6, Karin [Altersangabe verweigert] und Karl [das ist der Autor dieses Textes]) wir so etwas ähnliches einfach im Sommer 1997 noch einmal machen. So wurde erstmal neues rollendes Material beschafft, vor allem zwei Fahrräder und ein Anhängerfahrrad (Hoening add+bike) für Bernhard, denn nun war unsere Familie schon etwas größer und im Anhänger (Leggero) können ja nur zwei Kinder sitzen. Da wir vergessen hatten, wieviele Stehplätze dort noch zusätzlich vorgesehen sind, beließen wir es bei den beiden Sitzplätzen für Heidrun und Ulrich. Christina brauchte noch keinen Sitzplatz, sie war zwar schon dabei, wurde aber eigentlich erst im Dezember 1997 geboren.

Verständlicherweise kommt bei so einer Radtour zu sechst ein ganz beachtliches Gesamtgewicht zusammen, was uns dazu bewog, die Radtour vorsichtshalber nicht in der Schweiz zu machen, wo eine Beschränkung von nur 28 Tonnen besteht, sondern lieber in Schweden, wo auch 60 Tonnen noch zulässig sind.

Weil Ulrich noch nicht in die Schule geht, brachte ich ihn vorher für eine Woche zu meinen Eltern nach Kiel und nahm bei der Gelegenheit auch gleich noch mein Fahrrad und den Anhänger und ein bißchen anderen Kleinkram mit. Ich kann mich nicht mehr so gut an die Nacht erinnern, also haben Ulrich und ich im Schlafwagen wohl recht gut geschlafen, und nicht so schlimme Alpträume gehabt. Danach kam für uns noch einmal eine normale Arbeits- und Schulwoche in Schaffhausen.

Am Nachmittag des letzten Schultags nahmen wir dann alle außer Ulrich ein paar Eilzüge in Anspruch, um nach Stuttgart zu kommen. Dabei wurde in Singen so ganz nebenbei beim Umsteigen noch das eine Fahrrad vom Händler abgeholt, der ja noch die Speichen nachzentrieren sollte. Von Stuttgart nach Hamburg gab es einen Schlafwagen. Das funktioniert am Anfang der Reise auch ganz gut, weil man die Nacht davor ja packen mußte und am Tag davor in kürzester Zeit die ganze Arbeit erledigt werden mußte, um den Aufbruch zur passenden Zeit zu ermöglichen. Da waren wir alle müde genug, um gut zu schlafen, wenigstens die Eltern.

In Kiel wurde dann alles einigermaßen gut verpackt. So gab es vordere Packtaschen, hintere Packtaschen, Packtaschen am Anhängerfahrrad, hinten jeweils noch mehr oder weniger dicke Bündel drauf, in den Anhänger etwas rein. Natürlich erhielt wieder jede Packtasche einen Buchstaben, denn in der großen Sammlung hätte man sonst gar nichts mehr gefunden. Als es dann Zeit wurde, zur Fähre zu fahren, war noch eine ganze Menge übrig, was dann nachher immerhin noch ein kleiner Rucksack, war, den ich erstmal für den Weg zur Fähre aufschnallen mußte. Aber an Bord wollten wir das ja noch alles in Ordnung bringen, denn weiter als das Stückchen durch Kiel wollte ich auf gar keinen Fall mit einem Rucksack auf dem Rücken fahren. Das könnte sonst ja in Streß ausarten. Was war nachher die Lösung? Auf meinem Fahrrad war dann auf den hinteren Packtaschen ein dicker Rucksack und darüber noch ein großer Ortliebsack für vier Schlafsäcke. Außerdem gab es noch vordere Packtaschen und darauf noch einen kleinen Rucksack, was zusammen schon einmal 50 kg waren, insbesondere nach Einkäufen, wenn noch oben auf dem Ortliebsack ein paar Kleinigkeiten festgeschnallt werden mußten. Der Anhänger wog mit den Kindern und dem vollen Gepäck auch bis zu 70 kg, so daß ich, je nachdem wie lange der letzte Einkauf zurücklag, zwischen 210 und 220 kg Gesamtgewicht für mein Gespann hatte. Karin hatte zusammen mit dem Anhängerfahrrad auch noch einmal 130-140 kg für ihr Gespann. Aber Bernhard sollte ja mittreten und dadurch ordentlich helfen, wenigstens bergauf. Mindestens die ersten drei Höhenmeter konnte man darauf auch zählen. Die Kunst bestand also darin, seinen Beitrag möglichst dann anzufordern, wenn es wegen der Steigung am dringendsten nötig war. Das lernt man im Laufe der Zeit, spätestens am Ende der Radtour.

So ging die Radtour dann wirklich an einem Sonntag im Göteborger Hafen morgens um 8:00 los, mit ordentlich verschnürtem Gepäck, mit Zöllnern, die zu unserem Glück nicht ausgerechnet auf die Idee kamen, unsere untersten Gepäckstücke zu inspizieren und mit Göteborger Stadtverkehr. Gleich beim Hafen gab es eine vierspurige kreuzungsfreie Straße, die (sogar völlig legal) in unsere Richtung führte. Wir hatten uns ja in dem Zeltplatzverzeichnis angesehen, wo man hinfahren muß, um eine kurze Tagesetappe für den Anfang zu haben. Unglücklicherweise war das nicht an der N 45 zu haben, die sonst nach meiner Meinung immer noch die beste Wahl ist, um aus Göteborg herauszukommen, sondern auf der E 20 (alt: E 3) in Richtung Stockholm. Aber in die Richtung gibt es anscheinend sogar zwei Nationalstraßen, auf jeder Seite des Tals eine, die parallel zu der Motorstraße (motorway) A 20 (alt A 3) verlaufen. Wir nahmen die nördliche, was den Vorteil hat, daß man diese wegen schlechter Kennzeichnung kaum finden kann. Das ist eben immer noch ein Vorteil gegenüber der südlichen Route, die noch viel schwieriger zu erkennen ist.

Die vier- und sechsspurigen Abschnitte in Göteborg fanden wir am Sonntag früh um 8:30 einigermaßen leer vor, so daß es recht angenehm zu fahren war. Die ersten paar Pausen gab es noch in Göteborg, am Straßenrand auf kleinen Wiesen. Das hat nicht so viel zu sagen, weil in Schweden die Eingemeindungen kilometerweit ins Umland reichen. Aber dann kamen wir an eine sehr schöne Stelle. Man konnte ein Stück am Ufer eines kleinen Sees entlanglaufen und zu einem sehr schönen Strand kommen. Weil das mit dem See so schön war und weil wir uns am Anfang ja noch ein wenig an die schweren Gespanne gewöhnen mußten, gingen wir schon bald danach in Lerum, das irgendwo zwischen Göteborg und Alingsås an einem Seen einen Zeltplatz hat, erstmal für zwei Nächte vor Anker.

Übrigens habe ich die Bilder hier nur als kleine Icons eingebaut. Wenn's Euch interessiert, könnt Ihr darauf klicken. Mit Netscape kommt dann ein neues Fenster, in dem ab dann alle Bilder in etwas größerem Format angezeigt werden. Das ist meine Art Frames zu benutzen, ich lasse Euch die Freiheit der Anordnung auf dem Bildschirm.

Lerum Wenn wir schon am Sonntag gefahren waren, um den Staus zu entgehen, dann machten wir dafür am Montag dafür erstmal blau. Natürlich gab es auf dem Zeltplatz auch einen Spielplatz, wo Heidrun sofort herumkletterte und das ihren Brüdern auch bei der Gelegenheit zeigte. Eine kleine Fahrt in die Stadt zum Einkaufen und eine etwas längere Fahrt mit Bernhard, bei der das Anhängerfahrrad an mein Fahrrad kam, mußten dann auch noch sein.

Am Dienstag wollten wir wieder weiterfahren. Irgendeine Richtung mußten wir dabei ja einschlagen und dabei hatten wir plötzlich keine Lust mehr, der E 20 (alt: E 3) weiter in Richtung Alingsås und Stockholm zu folgen. So verließen wir diese und fuhren über einen für unsere Gewichtsklasse ziemlich hohen Bergrücken nach Süden weiter. Weil wir vergessen hatten, auch noch Schaufel und Spaten mitzunehmen, konnten wir uns keinen Einschnitt graben und so wurde dieses Stück ganz schön anstrengend. Auf der anderen Seite kam tatsächlich irgendwann die N 40 Göteborg - Borås zum Vorschein, wenn auch ohne Kennzeichnung. Aber das hat man ja im Auge, wenn man nur ein Auto anhält und die Insassen nach dem Weg fragt.

Mit vielen Kurven, aber doch etwas flacher als der vorige Abschnitt, kamen wir erstmal nach Hindås. Dort gab es ein schönes Mittag, eigentlich eher ein Nachmittag, aber so kann man das auch wieder nicht sagen. Das war in einer Pizzeria, die von Arabern bedient wurde. So wissen wir jetzt immer noch nicht so ganz genau, ob wir an jenem Tag nun arabisch, schwedisch oder italienisch gegessen haben. Vielleicht auch Esparanto? Jedenfalls fanden wir danach erstaunlicherweise doch noch die N 40 nach Osten, obwohl sie wiederum im Gegensatz zur parallel verlaufenden A 40 gar nicht gekennzeichnet war. Die Landschaft war hauptsächlich Wald, aber jetzt kamen auch einmal ein paar Felder und witzigerweise eine sehr hohe und lange Brücke über ein winziges Bächlein. Ob das einmal zu einem für Hochseeschiffe geeigneten Fahrwasser ausgebaut werden soll?

Kurz vor Borås (gesprochen ungefähr "Buroos"), eigentlich schon in Borås, denn da ist ja ein riesiger Umkreis eingemeindet, waren wir dann plötzlich sehr müde. Es gab in dem Örtchen Sandared einen ganz witzigen Zeltplatz mit richtig familiärer Atmosphäre. Diese familiäre Atmosphäre hatten wir ja eigentlich sowieso auf der ganzen Radtour jede Nacht in unserem Zelt, aber diesmal gab es das halt auch außerhalb. Eigentlich war das ein Sportplatz, aber während der Sommerferien konnte die Fläche auch für Zelte und Anhänger benutzt werden. Duschen gab es sowieso und eine Kochgelegenheit und natürlich eine Waschmaschine hatte man dann eben extra für den alljährlichen Sommer auch noch spendiert. Nur die Badestelle am See fehlte, die war ein paar Kilometer weit weg. Wie schon in Lerum, so stellte es sich auch hier heraus, daß wir immer noch alle zusammen in unser Zelt paßten, obwohl ja seit der Familienradtour von 1994 zwar eine kleine Heidrun dazugekommen ist, aber eigentlich der Platzbedarf für einen nicht ganz so kleinen Bernhard zusätzlich entstanden ist. Wir lösten das Problem aber dadurch, daß wir nachts fast alle Packtaschen auf den Fahrrädern ließen und nur die nötigsten Dinge wie Kameras, Laptops, Schlafsäcke, Schlafanzug und ein paar Windeln ins Zelt nahmen. Jede Menge Kram konnte ja auch einfach in den Anhänger gestapelt werden, der üblicherweise nachts ganz ausgefüllt war und sich gerade noch gegen Regen mit dem Verdeck schließen ließ.

Borås Für den nächsten Tag nahmen wir uns einen kleinen Ausflug nach Borås vor, das ja einen sehr schönen Zoo haben soll. Da wurden wir auch nicht enttäuscht. Es gab am Eingang einen kleinen Handwagen, in dem sich Heidrun erstmal ausbreiten konnte. Die ganze Anlage war so großzügig angelegt, daß die Tiere richtig Platz hatten. Als Heidrun noch wach war, nannte sie alle Tiere je nach Größe entweder "Hund" oder "Zer" (Pferd). In einem Teil des Zoos konnte man sich sogar zwischen den Tieren bewegen. Bernhard war etwas enttäuscht, weil wir es an einem Nachmittag nicht schaffen konnten, den ganzen Zoo zu sehen.

So mußten wir am nächsten Tag noch einmal in die Stadt fahren, um erst einmal das Freilichtmuseum und dann den Rest des Zoos zu sehen. Deshalb kannten wir den Weg schon so langsam und den Zeltplatz auch. Auf dem Zeltplatz hätte man sogar kostenlos Minigolf spielen können. Normalerweise muß man dafür bei den meisten anderen Zeltplätzen etwas bezahlen, aber ich habe in Schweden eigentlich keinen Zeltplatz ohne Minigolfanlage gesehen. Nur waren die Kinder abends doch immer müde, und wir auch, wenn wir es geschafft hatten, daß sie alle ins Zelt gegangen waren und schliefen. Heidrun und Ulrich konnten ja als Anhängerinsassen sich durch Tagesschlaf fit halten, aber Bernhard mußte sich zum Schlafen auf die nächtlichen Stunden beschränken. Irgendwann hatten wir aber heraus, in welcher Reihenfolge wir die Kinder ins Zelt stecken mußten, damit das alles einigermaßen vernünftig ging.

Am Freitag machten wir uns dann auf den Weg nach Osten, erstmal zum fünften Mal über die Straße von Sandared nach Borås. Nach einer kleinen Pause in der Stadt fuhren wir dann nach Osten wieder heraus, erst auf der N 40 und dann, als diese plötzlich endete und sich mit der A 40 vereinigte, auf der A 40 bis zum Ende der Motorstraße , kurz hinter Borås. Da konnte man dann in der Nähe einer kleinen Wiese neben einem Feldweg, der von einer Seitenstraße abzweigte, eine Pause ohne zu viel Lärm und zu viele Autos zwischen den Brotkrümmeln machen. Nun gab es Freitagnachmittagsverkehr auf der N 40. Vom Fahren ging das aber trotzdem sehr gut, weil man eine sehr breite Fahrbahn mit breiten Radstreifen hatte, die problemlos genügend Platz für alle ließ, auch wenn uns bei Gegenverkehr ein 60-Tonner überholte. Auf diesem Abschnitt kamen wir auch einigermaßen gut voran, was wichtig war, weil die Entfernung zum nächstgelegenen Zeltplatz für unsere Möglichkeiten nicht zu weit, aber auch erst recht nicht zu nah war. Umwege oder extrem hügelige Strecken hätten uns wohl noch Schwierigkeiten gemacht. Kurz vor Ulricehamn gab es dann doch eine höher gelegene Teilstrecke mit einer Abfahrt in das Tal, wo der Ort lag. Das ist übrigens durch Eingemeindungen der Nachbarort von Borås, wie es auch auf der ganzen Radtour meistens auf einer Tagesetappe nur für die Fahrt in die Nachbargemeinde reichte. Nur war das eben trotzdem weit. Und alleine habe ich es 1987 ja teilweise nicht einmal geschafft, in die Nachbargemeinde zu fahren, sondern in Kiruna an drei verschiedenen Stellen übernachtet.

Ulricehamn In Ulricehamn (gesprochen ungefähr wie "Ülrißehamn") lag der Zeltplatz ganz nah an der Abfahrt von der N 40, so daß wir uns Sorgen machten, es könnte vielleicht nachts zu laut werden. Irgendwie haben wir das aber doch einigermaßen gut ausgehalten, weil doch noch ein paar Sträucher und Bäume zwischen der Ecke des Zeltplatzes, wo wir unser Zelt nachher aufbauten und der Straße standen. Hier gab es jetzt wieder einen sehr schönen See direkt am Zeltplatz, wo man natürlich mehrmals täglich schwimmen konnte. Der nächste Tag wurde wieder ein Ruhetag, an dem wir ein bißchen Ulricehamn sahen, die Bademöglichkeit nutzen und vielleicht noch ein paar Spaziergänge machten.

Teil 2

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Für den folgenden Tag sahen wir uns wieder an, in welcher Richtung erreichbare Zeltplätze lagen. Man darf ja auch im Wald zelten, aber das geht dann immer nur für eine Nacht und wenn man die Sache am Anfang etwas gemütlicher angehen läßt, dann sind die Ruhetage immer ganz praktisch. So suchte das Zeltplatzverzeichnis für uns aus, daß es am Sonntag wieder auf der N 40 in Richtung der Nachbargemeinde Jönköping ging, ja sogar aus dem Gemeindegebiet von Ulricehamn heraus und bis in das Gemeindegebiet von Jönköping hinein. Zunächst einmal gab es da aber einen sehr großen Höhenunterschied zu überwinden. Das Tal, in dem der See bei Ulricehamn und auch die Stadt lag, mußten wir verlassen und dann auf einer Hochebene weiterfahren. Trotz Anhänger war ich jetzt noch ein bißchen schneller als Karin. Etwa an der Stelle, wo ich mit leicht übersteigertem Optimismus glaubte, die Mitte der Steigung zu haben, stellte ich erstmal mein Fahrrad mit dem Anhänger ab und fuhr Karins Fahrrad mit Bernhard auf dem Anhängerfahrrad den Berg hoch. Karin meinte noch, ich würde sie ja schnell wieder einholen, aber das dauerte dann doch fast eine Stunde. Und so schnell ging es ja auch nur, weil Karin und Bernhard schon eine Pause machten.

Diese Strecke war jetzt weitgehend für 110 zugelassen, was sich durch einen stark erhöhten Radau bemerkbar machte. Ansonsten konnte man da wieder sehr gut fahren. Nach der Steigung gab es nur noch kleinere Hügel und schöne Moore am Straßenrand. Etwa 20 Kilometer vor Jönköping vereinigte sich die N 40 mit der N 26 von Halmstad, so daß es auf den letzten 10 Kilometern noch etwas voller wurde. Aber wir wollten ja gar nicht mehr so weit fahren. 10 Kilometer vor dem eigentlichen Ort Jönköping bogen wir nach links ab und fuhren auf einer kleinen Parallelstraße wieder einen Kilometer zurück und noch ein gutes Stück in den Wald herein. Da gab es einen ganz kleinen See mit einem schönen Zeltplatz und einem schönen Eisladen. Das war in Axamo, ein winziger Ort, der aber doch eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, weil nach ihm ein ganz kleiner Flughafen benannt ist. Zum Glück war da nicht viel los, auch nicht nachts. Um den See konnte man ein einer Stunde einmal herumgehen. Vor allem war er aber sehr warm, vielleicht 24 Grad, so daß man wirklich gut baden konnte.

Heidrun im Moor Es gab hier noch etwas ganz interessantes, nämlich ein sehr großes Moor, das man auf einem schmalen hölzernen Pfad durchqueren konnte. Ein bißchen schwierig war es ja schon, den Anfang dieses Pfades zu finden. Vom Zeltplatz durch den Wald gab es zunächst einmal beleuchtete Wanderwege. Dann mußte man über die N 40/N 26 drüber. Die hatte natürlich wegen der Elche und wegen der Zulassung für 110 km/h beidseitige Zäune, die man nur an wenigen Stellen durchqueren konnte. Die Durchquerungsmöglichkeiten lagen dann natürlich auch noch nicht einmal genau gegenüber, sondern ein paar hundert Meter versetzt. Und dann gab es auf der anderen Seite wieder jede Menge Waldwege, die in alle möglichen Richtungen führten. Aber auf einem davon konnten wir wirklich zu dem sagenhaften Holzpfad gelangen und dann stundenlang durch das Moor wandern. Die Wege hatten die Form einer riesigen Brille, zwei große Kreise und in der Mitte ein Verbindungsstück. Wir marschierten auf dem nördlichen Kreis einmal herum und kamen dabei natürlich auch durch matschige Abschnitte ohne Holzpfad am Rand des Moors, wo auch einmal wieder etwas Wald zu finden war.

Am Dienstag wurde es noch ein ruhigerer Ruhetag, jedenfalls für die Kinder und mich. Karin fuhr in die Stadt (Jönköping) zum Einkaufen, denn Axamo hatte keinen Laden. Bernhard und Ulrich wollten natürlich tolle Sachen am Strand bauen, wozu sie dann auch mich noch einspannen mußten.

Am Mittwoch war ich dann an der Reihe zum Einkaufen in der Stadt. Den Vogel schoß dort übrigens eine Konstruktion ab, wo eine Straße in eine Motorstraße (motorway) überging und die an der Stelle abzweigende Straße nur für Linienbusse und Fußgänger freigegeben war, was durch tiefe Gruben zwischen den zwei Streifen für die Reifen der Busse noch unterstrichen wurde. Aber das ist eben Jönköping.

Kinderanhänger Nach dem Einkauf wollten wir dann noch den anderen Teil des Moores sehen, der im Süden lag. Dazu konnte man zum Flugplatz fahren und dann von dort aus durch den Wald zum Moor laufen, wieder über die schmalen Wege zu der Stelle, wo wir beim ersten Moorbesuch umgekehrt waren. Das südliche Auge der Brille war hier für ein recht langes Stück etwas breiter ausgebaut, um auch Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen Zugang zu diesem Naturerlebnis zu geben. Südlich des Moores gab es dann eine ehemalige Eisenbahnstrecke und dann von dieser abzweigend wieder so einen kleinen Weg, der nach Norden zu den Fahrrädern zurück führte. Das war auch noch sehr schön, es ging eher durch Wald, aber dann auch durch Sumpfgebiete und wieder über felsige Abschnitte. Zum Teil mußte man gut balancieren, weil zu beiden Seiten des Holzbrettes richtig Wasser war.

Taberg Eigentlich hätten wir am Donnerstag ja endlich weiterfahren können, aber jetzt dachten wir, daß der Taberg vielleicht doch in Reichweite für einen Tagesausflug liegen könnte. Das war vielleicht 15 Kilometer südlich von Axamo ein kleiner Berg, der aber sehr alt und sehr interessant sein sollte. Immerhin war es auch ein sehr schöner Weg dorthin, recht hügelig natürlich. Wir beschlossen nach einem schönen arabisch-schwedisch-italienischen Pizzaessen endlich, daß wir da lieber heraufklettern als herauffahren. Beim Abstieg wählten wir dann einen etwas anderen Weg und kamen schließlich an alten Bergwerksschächten vorbei. Da wurde angegeben, daß es Führungen durch die Bergwerke geben sollte. Dazu war es ja eigentlich schon sehr spät, aber man gönnt sich ja sonst nichts. In der guten halben Stunde, die wir noch auf das Bergwerk warten mußten, holte ich schnell noch ein paar Eßsachen von den Fahrrädern und auch etwas zu trinken und wärmere Kleidung. Diese dunklen Schächte können am abend ohne das volle Sonnenlicht nämlich verdammt kalt werden.

Anscheinend ist dieser Berg schon uralt, jedenfalls viel älter als die Alpen, die es doch immerhin auch schon mindestens seit dem Bestehen der doch recht traditionsreichen Schweiz gibt. Und in den 1.2 Milliarden Jahren wird so ein Berg dann auch kleiner, so klein, daß der Rest dann sogar von uns bestiegen werden konnte. Aber diese Verkleinerung hatte sich dann doch stark beschleunigt. Denn der Berg besteht aus einem besonderen Eisenerz, das noch vor dem Bekanntwerden der Vorkommen in Kiruna abgebaut wurde und das sich bald den Ruf erwarb, für besonders gutes Eisen garantieren, besonders auch für militärischen Bedarf geeignet. Im zweiten Weltkrieg wurde dann auch der Abbau wieder stark forciert, aber natürlich nicht für Waffenproduktion, sondern nur um Versuche zu machen und dieses interessante Material wissenschaftlich zu erforschen. In so großen Mengen, daß ein großer Teil des Berges dabei verschwand. Später wußte man dann genauer, daß die hohen Vanadiumanteile des Erzes sozusagen von Haus aus schon das lieferten, was man sonst erst durch Zufügen von Stahlveredlern erreichen konnte. Eine Firma wollte den ganzen Berg abtragen, das Vanadium extrahieren und den Rest wieder aufschütten. Dann gab es aber auch Einheimische, die ihren Berg als Naturwunder erhalten wissen wollten. Die gründeten einen Verein und als dann die Vanadiumpreise einmal im Keller waren, kauften sie den ganzen Berg und finanzieren sich jetzt durch solche Führungen, also dann wohl auch durch unseren Beitrag und wahrscheinlich auch durch Spenden. So verschwanden auch wir in dem dunklen Schacht. Den Kindern gefiel das auch gut, wahrscheinlich werden sie sich noch in vielen Jahren daran erinnern. Nur Heidrun wollte nach einer Weile natürlich immer wieder den Helm ausziehen, den man ihr dort verpaßt hatte.

Auf dem Weg zurück wurde es nun trotz der sommerlichen Jahreszeit und der nördlichen Lage schon langsam dunkel, so daß wir sogar die Lichtanlage brauchten. Aber der Ausflug hatte sich gelohnt. Und 1985 hatte ich doch ganz in der Nähe des Berges übernachtet und davon gar nichts gesehen.

Nun wollten wir uns wieder in Richtung Norden wenden. Nachdem wir 1994 auf der Familienradtour das Ostufer des Vättersees erkundet hatten beschlossen wir, daß diesmal das Westufer einmal an der Reihe sein sollte. Auf der N 195, die zufällig gerade bei Axamo ihren Anfang nahm, fuhren wir also schön nach Norden, immer am Ufer des Sees entlang, aber natürlich nicht immer so sehr am Ufer, daß man durch die Bäume tatsächlich Wasser sehen konnte. Wieder reichte es, um in die Nachbargemeinde Habo zu kommen, nur war es diesmal nichts mit Zeltplätzen und Geldausgeben für die Übernachtung. Wir bauten einfach im Wald das Zelt auf. Das war natürlich wieder nicht ganz einfach, denn wir mußten ja eine Stelle finden, wo genug Platz für das Zelt ist und wo keine schweren blätterlosen Äste darüber hängen. Da mußten die Kinder dann aussteigen, weil das an einem Waldweg recht weit weg von der Straße so eine Stelle gab, wie Erkundungen zu Fuß ergaben. Ich mußte also nur die Fahrräder noch hinterherholen, und dann konnten wir die Zelte aufbauen. Milch hatten wir mittags in einem kleinen Ort gekauft, aber zum Aufwärmen gab es unter den Bäumen keine Mikrowelle und nicht einmal einen Herd. Aber im Gepäck war dann doch noch so ein Esbitkocher, der für warme Milch und ein bißchen Kaffee am nächsten Morgen ganz gute Dienste leistete.

Es ist tatsächlich manchmal erlaubt, für eine Nacht im Wald zu zelten, wenn man gewisse Spielregeln dabei beachtet. Für die, denen es auf schwedisch zu schwer fällt, das alles zu lesen, kann man das etwa so verstehen: Man darf höchstens eine Nacht im Wald zelten, wenn das nicht ein Garten, ein Acker, ein Verkehrsweg, ein Gelände in Sichtweite eines Hauses oder Nähe (100 m) eines Hauses, ein Naturschutzgebiet oder ein Militärgebiet ist. Feuer darf man im Sommer (normalerweise) nicht machen, wegen der Waldbrandgefahr. Mit Autos im Gelände herumfahren auch nicht, von daher gilt diese Sache sowieso fast nur für Radfahrer und Wanderer. Auto- und Motorradfahrer können zumindest südlich des Polarkreises noch bis zum nächsten oder übernächsten Zeltplatz weiterfahren. Das Jedermannsrecht (oder Allemansrätten, siehe auch  2 ) umfaßt noch viel mehr Dinge, auf die ich hier aber nicht näher eingehe. Wichtig ist es einfach, daß man behutsam damit umgeht, diese Möglichkeit nicht mißbraucht. Dann bleibt das für diejenigen Gelegenheiten, wo es sinnvoll oder fast unvermeidlich ist, im Wald zu zelten, erhalten. Erstaunlicherweise kennt in Schweden auch jeder dieses sogenannte Allemansrätten ganz genau. In den meisten anderen Ländern, einschließlich Deutschland, kennt kein Einheimischer die Regeln so gut und es gibt fast nur Vermutungen. Wie kann es anders sein: In Deutschland hängt die Regelung vom Bundesland ab, in der Schweiz vom Kanton.

Vättersee Am nächsten Tag, wahrscheinlich war das ein Samstag, kam das nächste Viertel des Westufers unter die Räder. Wir konnten bei einer leicht erhöht liegenden schönen alten Holzkirche in der Nähe der Straße eine Pause machen. Von da hatten wir auch gleich noch einen guten Blick auf den See und das gegenüberliegende Ufer. Am Abend kamen wir in das kleine Städtchen Hjo mit einem großen Zeltplatz direkt am Ufer. Da gab es an dem nun folgenden Ruhetag erstaunlich viel zu sehen. Am Ufer konnte man durch einen sehr schönen kleinen Park bis zum Hafen und in die Stadt gehen. Es gab sogar eine kleine Stadtrundfahrt, in so einem Spielzeugzug mit Gummireifen, ein Museum mit Aquarium, wo die Tiere des Vättersees zu sehen waren, ein Freibad und natürlich vor allem einen Hafen.

Im Hafen lag so ein alter Dampfer, der früher regelmäßig für den Verkehr auf dem See eingesetzt wurde. Heute wird er von einem Verein flott gehalten. Die fahren damit ab und zu nach Visingsö, einer Insel auf dem Vättersee, und natürlich einmal im Jahr nach Stockholm oder Göteborg. Schwierig ist das nur, weil man anscheinend seit dem Untergang der Estonia jedes Jahr sehr viel Geld braucht, um das Schiff überprüfen zu lassen. Einen Kapitän zu finden, ist dagegen nicht so schwierig. So mancher richtige Käpt'n findet seinen Spaß daran, in den Ferien einmal wieder ein richtig schönes altes Schiff zu kommandieren. Den Rest der Mannschaft bringt man ja mit örtlichen Vereinsmitgliedern und Freunden zusammen, denn darunter befinden sich doch einige echte Seeleute mit den notwendigen Patenten und Ausbildungen. Der Steuermann erzählte uns das alles, als wir an Bord einen kleinen Rundgang machten.

Teil 3

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Die Temperatur im Vättersee war eigentlich warm genug und tief genug ist der See auch. Aber trotz dieser guten Wasserverhältnisse geht das Fahren natürlich schneller als das Schwimmen und vor allem hatten wir ja nicht so einen schönen alten Dampfer im Gepäck. So fuhren wir halt wieder auf der N 195 weiter, bis zu ihrem Ende kurz vor Karlsborg, wo sie sich mit der N 49 von Skövde vereinigte. Unterwegs mußte ich sogar noch einmal ein Stückchen zurückfahren. Denn Ulrich und Heidrun hatten ihr Sandspielzeug im Anhänger auch während der Fahrt griffbereit und da war ein kleines Schäufelchen herausgefallen. Das machte den Ulrich so traurig, bis wir es tatsächlich wieder fanden. In Karlsborg gab es dann auch gleich einen langen Stau, weil der Götakanal die Stadt durchquert und eine bewegliche Brücke in die Straße reinbringt. Das war auch ein spannendes Erlebnis für uns alle, aber als die Brücke dann wieder passierbar wurde, dauerte es natürlich eine ganze Weile, bis man kurz danach links auf den Zeltplatz fahren konnte, weil die Schlange, die sich bei der Brücke gestaut hatte, erst vorbeidurfte.

Der Zeltplatz war, wie schon fast gewohnt, ganz toll. Ein schöner hoher Kiefernwald und natürlich nur ein paar Meter zum Strand am See. Die Badestelle war sehr gut, vor allem Heidrun kam langsam auf den Geschmack, zumal die Wassertemperatur ja durchaus schön warm war. Abends gab es mit Bernhard noch einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang über die bewegliche Brücke. Da lag ein kleines Passagierschiff und wir überlegten uns, ob es nicht eine Idee wäre, damit einen kleinen Ausflug zu machen. Oder mit gemieteten Kanus.

Aber dann sahen wir uns am nächsten Tag doch den Ort und die Festung an. Karlsborg liegt auf einer kleinen Landenge zwischen dem Vättersee und einem kleinen See, verbunden durch einen natürlichen Flußlauf und durch den schon erwähnten Götakanal ein paar Meter daneben. Die Fahrräder hatten genau wie wir einen Ruhetag und wir liefen mit dem Anhänger als Kinderwagen zur Burg, nicht ohne eine schöne Badepause im Vättersee vor dem Mittag. Die Führung sparten wir uns und liefen selbst durch die Festung. Allerdings waren dardurch gewisse Bereiche noch heute militärisch genutzte unzugänglich, aber dafür sahen wir uns auf der kleinen Halbinsel um, wo es etwas friedfertiger zuging. Die ganze Konstruktion mit den hunderte von Metern langen Mauern, Gräben und Gebäuden war einmal im vorigen Jahrhundert für viel Geld gebaut worden, war aber dann schon fast nach der Fertigstellung überholt. Zum Glück mußte man das ja nie so genau ausprobieren.

Vättersee Als wir am nächsten Tag weiterfuhren, gab es wieder sehr schöne Stellen für die Pausen. Eine Bucht des Vättersees an einem Rastplatz lud zum Bade ein. Sie war so beschaffen, daß man sie für einen eigenen kleinen See halten konnte, vor allem wegen der hohen Wassertemperatur.

Die nächste Pause mußte mit einem Einkauf und deshalb einmal wieder mit einem recht langen Abstecher in eine Seitenstraße verbunden werden. Die N 49 wurde hier sehr schmal und abends kamen wir dann an die Stelle, wo sich die N 49 mit der am Ostufer des Vättersees verlaufenden N 50 vereinigt, auf der wir bei der vorigen Radtour nach Süden gefahren waren. So war uns jetzt in drei Jahren das gelungen, was bei dem großen Fahrradrennen an einem Tag klargemacht wird, die vollständige Umrundung des Vättersees.

Askersund Der Zeltplatz von Askersund war von dieser Stelle nicht mehr sehr weit entfernt. Wir mußten aber noch einen guten Kilometer über einen Sandweg laufen, um ihn zu erreichen. Der Aufwand lohnte sich, denn es gab dort wieder eine sehr schöne Stelle unter Bäumen mit direktem Zugang zum See, wo wir unser Zelt postierten. Das wurde natürlich am nächsten Vormittag sofort ausgenutzt, diesmal nicht nur wie als Fußgänger in Venedig, sondern gleich mit einem richtigen Boot. Man konnte dort nämlich Kanus mieten, mitsamt Schwimmwesten. Der Zeltplatzwart bestand auch noch gleich auf Schwimmwesten für Karin und mich, das müsse halt so sein. Und dann ging es los. Erstaunlicherweise ging das Boot trotz der zahlreichen Besatzung nicht unter, aber das lag vor allem daran, daß die Fahrräder und das ganze Gepäck an Land bleiben mußten. So wurde es eine schöne Runde, nur Heidrun verpennte die halbe Fahrt. Dafür waren Bernhard und Ulrich umso unruhiger, so daß es verglichen mit dem Fahrrad recht aufwendig war, die Balance zu halten.

Gegenüber auf der anderen Seite des Sees lag der Ort Askersund. Man hatte einen wunderbaren Blick dorthin. Das wollten wir natürlich aus der Nähe sehen und so gingen wir wieder über den Rumpelweg zur Nationalstraße und fuhren auf dieser in den Ort. Da gab es erstmal warmes Mittag und danach einen kleinen Spaziergang zu einem Freilichtmuseum, wo jede Menge alte Bauernhäuser standen.

Hammarsund Bernhard und ich wollten danach noch unbedingt die neue Brücke über den Hammersund begutachten. So bekam ich bei dem Abzweig des Feldwegs das Anhängerfahrrad, denn Karin und Ulrich und Heidrun waren schon müde. In der Tat wurde das auch Bernhards tollstes Erlebnis, denn wir fuhren die Brücke mit 40 km/h herab, das war die Höchstgeschwindigkeit auf der ganzen Radtour. Von der Brücke hatte man in der Tat eine tolle Aussicht. Wir fuhren noch weiter bis zu der Stelle, wo sich diese neue Straße mit der alten wieder traf und dann wieder zurück. Übrigens war dies einmal ein vorbildliches Straßenbauprojekt. Die neue Straße wurde als ganz normale Nationalstraße für alle Verkehrsteilnehmer zugelassen und die alte wurde auch bei der Gelegenheit abgerissen. Auf der neuen Straße fuhr es sich wesentlich angenehmer als vorher, denn sie war breit und übersichtlich gestaltet. Anscheinend hat sich die Mode, die man 1994 oft beobachten konnte, daß nämlich statt der Randstreifen einfach breitere Spuren markiert wurden, wieder verflüchtigt. Jedenfalls konnten hier Radfahrer und MIV viel besser miteinander koexistieren, als drei Jahre zuvor in den engen Ortsdurchfahrten mit den großen Lastzügen.

Am nächsten Tag, das war wohl ein Freitag, mußten wir uns leider so langsam daran erinnern, daß wir nur fünf Wochen Ferien haben. Da mußte die Fahrt wieder mehr in die südliche Richtung führen. Wir hatten jetzt herausgefunden, daß eine weiter westlich parallel zum Seeufer verlaufende Straße asphaltiert sein soll. Das hört man immer so, egal wie die Wirklichkeit dann aussieht. Ein kurzes Stück über die N 205, auf der wir auch schon 1994 gefahren waren, führte uns dorthin. Und diesmal stimmte es, die Straße nach Tived war wirklich im Zentimeterbereich einigermaßen glatt. Aber im Meterbereich ging es dann doch etwas anders zu, ein Hügel folgte nach dem anderen, mit ganz erheblichen Steigungen. Mit unserer Tonnage war das keine Kleinigkeit, auch wenn Bernhard langsam lernte, bergauf für Schubkraft zu sorgen.

Tivedstraße Mittags oder eher nachmittags machten wir an einem ganz breiten Weg, der nach links abzweigte, eine Rast und gingen dort auch ein wenig spazieren. Man kam zu einem schönen kleinen See. Da bewegten wir uns am Rande des Tiveden-Nationalparks. Zu dem Ort Tived, der zwar winzig klein ist, aber doch einen sehr gut sortierten Laden und etwas außerhalb sogar einen Zeltplatz haben sollte, war es noch ein ganzes Stück, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Der Zeltplatz war, wie so mancher andere auch, sehr schön an dem See Unden gelegen. Aber dieser war noch etwas besonderes. Er muß in jedem Reiseprospekt als der tollste Zeltplatz von ganz Schweden drinstehen, jedenfalls waren hier fast alle Deutschen und alle Niederländer versammelt. Man hatte sogar die Beschriftungen auf Niederländisch übersetzt.

Tiveden Sonnenuntergang Tiveden Sonnenuntergang Man kann sagen was man will, aber der See, der Sonnenuntergang über den Inseln, das war wirklich sehr schön. Beim See gab es auch eine Feuerstelle, wo wir etwas grillen konnten. Für die ganz harten gab es sogar eine kleines Häuschen, in dem man innen grillen konnte. Das war bei den sommerlichen Wetterverhältnissen dann natürlich wirklich geeignet, um nicht nur die Mahlzeit, sondern auch gleich die Zuschauer zu grillen. Nur die Kochgelegenheit nahm sich für die Größe des Zeltplatzes extrem bescheiden aus, denn es gab nur eine einzige Kochplatte. Zum Glück brachten die Leute alle ihre Gas- oder Benzinkocher mit, so daß wir eine Chance hatten, die Platte zu benutzen. Das Feuer hat dann nach dem Grillen eine niederländische Familie dankend von uns übernommen, die meinten, in ihrer Heimat nirgendwo so etwas machen zu dürfen und das deshalb hier ausnutzen wollten.

Tiveden Parkrand Der berühmte Tiveden-Nationalpark sollte am nächsten Tag noch einmal durch uns beehrt werden. Wir fuhren ein Stück auf dem Weg vom Vortag zurück und kamen zu einer Seitenstraße, die diesmal nur angeblich durchgängig asphaltiert war, aber doch immerhin bis zu einer sehr schönen Stelle führte, wo man gutes Eis bekommen konnte und dann auf schönen Wanderwegen zu Fuß weiterkam. Unser Weg führte durch ein tiefes Tal und auf der anderen Seite wieder herauf. Abends wurde natürlich wieder etwas gegrillt und vor allem auch gebadet.

ehemaliger Hafen Am Unden entlang durch Wälder und etwas landwirtschaftliche Gegenden, aber vor allem wieder über viele Hügel kamen wir Undenäs nach, wo die N 202 uns weiterführen sollte. Die war hier so ein kleines, kurviges und hügeliges Sträßchen, durchaus asphaltiert, aber andererseits auch nicht besonders mit Autos gefüllt. Natürlich kamen wir bald an den nächsten See, Viken genannt. Dort gab es sogar eine etwas merkwürdige Badegelegenheit. Eine alte Holzbrücke reichte ein Stück in die Fluten hinaus, darauf gab es einen großen überdachten Raum. Ein paar Boote lagen da und ansonsten war auch eine Wracktonne zu erkennen. Wie ich später erfuhr, gab es hier früher eine Schiffslinie mit dieser Brücke als Anlegestelle. Aus der Zeit war noch der große Wartesaal oder Lagerraum oder was auch immer das war, übrig. Die Wracktonne verwies vielleicht auch auf versunkene Teile der Anlegestelle, denn das Wrack muß ja nicht immer ein Schiff mit Gold und Diamanten an Bord sein. Von der Brücke aus ins Wasser zu kommen, war kein großes Problem, auch wenn ein Kopfsprung in das unbekannte Gewässer wegen der noch am selben Tag vorgesehenen Weiterfahrt entfallen mußte. Herauszukommen war auch nicht schwieriger, man mußte nur geschickt an der Stelle, wo das Wrack liegen sollte, vorbeischwimmen und zum Ufer. Natürlich wollte Heidrun auch unbedingt baden. Bernhard und Ulrich waren weniger scharf darauf, ließen sich aber auch überreden. Das war ja eine einmalige Gelegenheit, denn dieser Sommer war doch wirklich so warm, daß bei den Wassertemperaturen Rekorde gemessen werden konnten.

Wir blieben dem Wasser treu, deshalb bogen wir doch bei der nächsten Abzweigung, wo es rechts auf der N 202 nach Töreboda gehen sollte, nach links ab. Durch schöne Wälder, aber dann doch auch über landwirtschaftliche Flächen kamen wir langsam aber sicher in die Nähe eines ganz speziellen Zeltplatzes. Das war direkt am Götakanal, den wir wieder auf einer kleinen beweglichen Brücke überqueren mußten. Der Zeltplatz war eigentlich in erster Linie Gästehafen für die ganze Hobbyschiffer, die hier durch den Kanal tuckerten, aber es gab auch Platz für Zelte und natürlich die ganze übliche Infrastruktur. Zwischen dem Zeltplatz und der beweglichen Brücke kam aus einem Tunnel ein kleines Bächlein heraus, das weit unter dem Kanalniveau lag. Ich habe nicht herausgefunden, ob der Tunnel das Bächlein unter dem Kanal hindurchführt oder ob es nur ein Ablauf aus dem Kanal ist. Jedenfalls konnte man in dem Kanal ganz gut baden, ohne von einem Sog nach unten erfaßt zu werden. Also war das ganze wohl doch nicht so spannend. Abends wollte Ulrich auch einmal mit dem Anhängerfahrrad fahren und wir haben noch eine ziemlich lange Runde gedreht. Dann wollte Bernhard auch nochmal, natürlich noch eine viel längere Runde, über schöne Wege. Wir waren ja eigentlich in einer ziemlich dicht besiedelten Gegend gelandet, wo es viele Straßen und Alleen zwischen den Feldern gab.

Teil 4

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Zur Abwechslung brachen wir diesmal schon nach einer einzigen Nacht auf, um erstmal von diesem Gästehafen, der ja auch schon im Gemeindegebiet von Töreboda lag, in den eigentlichen Ort zu fahren. Töreboda ist nicht ganz unbekannt, weil sich dort die Bahnstrecke getroffen hat, die man gleichzeitig von Stockholm und von Göteborg ausgehend gebaut hat. Zufällig war mir dreizehn Jahre früher in der Nähe von Töreboda der Fahrradrahmen gebrochen, so daß ich gerade von dort nach Göteborg einen Zug nehmen mußte. Diesmal hielten die Fahrräder gut durch. Bisher hatte es noch nichteinmal einen platten Reifen gegeben, wo wir doch immerhin sieben Reifen in Gebrauch hatten. Eine kleine Panne gab es doch, es gab nämlich ausnahmsweise an diesem Tag etwas Regenwetter. In Töreboda konnten wir an einer schönen Stelle am Kanal eine Pause machen und da war es trocken.

Auf der N 202 kamen wir weiter in Richtung Mariestad, wieder mit leichten Regenschauern, aber wieder mit einer Möglichkeit, bei halbwegs trockenem Wetter an einem See eine Pause einzulegen und auch ohne die Hilfe des Regens trotzdem naß zu werden. In Mariestad gab es eine ganz merkwürdige Straßenkonstruktion. Die Stadt wurde von der E 20 (alt E 3) umfahren. Zwischen der Stadt und der E 20 gab es noch eine zweite Umgehungsstraße, die offiziell zum Zeltplatz führen sollte. Ganz offiziell hätte man sogar die Radwege dieser Straße nehmen können, aber so amtlich wollten wir das nun auch wieder nicht machen, da ja zwischendurch keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten mehr vorgesehen waren.

Der Zeltplatz von Mariestad war sehr gut ausgerüstet, nicht nur mit einem schönen Strand am Vänersee, sondern auch mit einem schönen Küchenhaus. Das war recht praktisch, denn es gab sogar Mikrowellengerät, um die Milch für die Kinder warm zu machen. Das war aber eigentlich gar nicht mehr so ungewöhnlich, fast die Hälfte der Zeltplätze hatte so etwas schon, aber dieser hatte ein ganz besonders schönes Küchenhaus. Das Wetter war abends recht windig, aber unser Zelt war eigentlich ein recht windfestes Modell und außerdem waren wir ja durch den Baumbestand ein bißchen geschützt.

Brücke Von Mariestad machten wir am Dienstag wieder einen kleinen Tagesausflug, der in dieser Form in früheren Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Es gibt dort die kleine Insel Torsö im Vänersee, die neuerdings mit einer Brücke erreicht werden kann. Da fuhren wir hin, erst ein Stück über die E 20 und dann auf einer kleinen Straße zu der Brücke. Für eine ebenerdige Trassierung hat es dann doch nicht gereicht, so mußte man von der hohen Uferböschung erst herunter, dann auf der Brücke wieder ziemlich weit hoch, damit die Boote unten durchfahren können, und dann am Ufer der Insel wieder herunter und danach auf die Höhe der Insel. Bei einem Zeltplatz auf der Insel gab es ein Eischen, aber überraschenderweise keine gute Badestelle. Da mußte man noch ein Stück weiterfahren und dann die letzten Kilometer zu Fuß gehen, um zu einer sehr schönen Bucht zu gelangen. Immerhin kannten wir uns auf dem Rückweg in Mariestadt schon etwas besser aus und so konnten wir einen besseren Weg finden.

Nachdem wir nun den Vättersee schon so gut erkundet hatten, war jetzt der Vänersee etwas ausführlicher dran. Wir folgten also so ungefähr seinem Ufer. Allerdings war uns diesmal der näher am Ufer verlaufende Weg eher zu lang und zu steil und wir blieben auf der E 20 bis Götene, von dort gab es dann die N 44, die hier für 110 km/h zugelassen war. Da stellte sich heraus, daß wir uns über die Reifen zu früh gefreut hatten. Der Anhänger brauchte eine Reifenreparatur. Zum Glück passierte das gerade neben einer schönen romanischen Kirche, so daß dort die Zwangspause sowieso nicht so schlimm war.

In Lidköping gibt es zwei Zeltplätze, einer war jetzt für uns kurz vor der Stadt, einer am andere Ende. Wir probierten diesmal den vor der Stadt aus, was abgesehen von der Badestelle gar nicht so schlecht war. Die Badestelle taugte nichts, denn das Wasser wurde einfach nirgendwo so tief, daß man vernünftig schwimmen konnte. Aber Bernhard meint trotzdem, daß dies (abgesehen von dem Fahren mit 40 km/h) die schönste Stelle von der ganze Radtour war.

Pumpe in Lidköping Die Hauptsehenswürdigkeiten von Lidköping sind natürlich einerseits der Tafelberg Kinnekulle, andererseits das Schloß Lackö. Das Schloß hatten wir ein paar Jahre davor schon gesehen und der Berg war uns diesmal ein bißchen zu viel Streß. So sahen wir uns einfach den Ort selbst an. Da konnte man noch gleich das eine Fahrrad zentriert bekommen und den Schlauch für den Anhänger ersetzen und die Zeit des größten Regenschauers in einem Café abwarten.

Am Freitag kamen wir wieder auf der N 44 weiter nach Westen. Das war übrigens streckenweise eine sehr gut ausgebaute Straße, denn es gab vier Abschnitte von jeweils etwa 2 Kilometer Länge, auf denen die Randstreifen gewaltig breit wurden, breiter als der Rest der Fahrbahn. Unsere Hoffnungen, an einem kleinen Ort einen Lebensmittelladen zu finden, wurden enttäuscht, der war halt 15 km hinter uns in Lidköping. Aber das lernt man natürlich auf so einer Familienradtour, daß da gewisse Vorräte immer im Gepäck sind, um auch so noch genug zum Essen zu haben. Die nächste Pause war an einer schönen Stelle im Wald und kurz danach kam auch schon die Abzweigung nach Grästorp, dem heutigen Ziel unserer Fahrt. Der Ort war natürlich doch ein Stück weit von der N 44 entfernt und den Zeltplatz mußten wir erstmal finden. Immerhin war da schon einmal ein Laden. Die Badestelle neben dem Zeltplatz, auf die die Wegweiser hinwiesen, war ein Schwimmbad, das natürlich schon langsam geschlossen wurde. Der Zeltplatz war eigentlich ein Sportplatz, aber das garantierte für gute Infrastruktur, Waschräume, Dusche und so etwas war sowieso vorhanden und den Herd und die Waschmaschine hatte man halt irgendwo in einer Ecke auch noch untergebracht.

Von Grästorp nach Westen kommt man schon sehr bald in den Einzugsbereich von Trollhättan und Vänersborg, genannt Tvåstad, mit dem etwas unübersichtlichen Straßennetz. Inzwischen bin ich aber doch so ungefähr durchgestiegen, wie man da amtlicherweise so fahren soll. Lange vor diesen beiden Orten zweigt nach rechts eine Straße ab, die zwischen Hunneberg und Halleberg hindurch nach Vargön und Vänersborg führt, während es geradeaus laut Wegweiser nach Trollhättan und Vänersborg geht. Zwischen beiden Orten gibt es eine Brücke und kurz davor geht die N 44 in die A 44 über. Nach rechts führt eine Nationalstraße nach Vargön, Vänersborg und Uddevalla, nach links geht es nach Trollhättan und Göteborg. Nur ist das nicht richtig ausgewiesen.

Heidrun beim Baum Kurz vor Vargön kamen wir noch an Hügelgräbern aus uralten Zeiten vorbei, wo wir noch eine kleine Pause einlegten. Vargön hatte eine Umgehungsstraße, die hinter dem Ort auf langen Brücken über Industriegebiete geführt wurde und dabei auch den Götaälv querte. Hier mußte man ziemlich aufpassen, denn es gab einen Radweg, der durch Leitplanken von der Fahrbahn getrennt war und der dann natürlich auch irgendwo abbog und in eine völlig andere Richtung führte. Wir blieben erst einmal auf der Straße bis zur Innenstadt. Dort fanden wir heraus, wo der Zeltplatz lag. Wegen der vielen Einbahnstraßen und Radwege und Brücken war das trotz der geringen Entfernung keine einfache Sache. Das war wieder ein Gästehafen, direkt neben dem Bahnhof. Von der Infrastruktur war das eher an der unteren Kante, denn die Küche war nur zu den Öffnungszeiten der Rezeption geöffnet, aber wir kamen damit schon zurecht. Dafür war es auch wieder interessant, die ganzen Hobbykapitäne zu treffen und der Zeltplatzverwalter war abgesehen von seinen Öffnungszeiten auch ganz in Ordnung.

Teil 5

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Straße Am Sonntag fuhren wir einfach durch Vargön und weiter zwischen Hunneberg und Halleberg in Richtung Vänernäs. Die beiden Berge sind die Gegend mit der höchsten Elchdichte in Europa, also sicher auch einmal einen Ausflug wert. Diesmal war aber eher ein Badetag angesagt. Wir fuhren auf der Straße, die zwischen den beiden Bergen hindurchführt und in Richtung Vänersnäs. Da fanden wir eine schöne Badestelle, mit sehr viel Sand, was die Kinder freute. Und wir fanden dort auch die Stelle am Ufer des Vänersees, die ich einmal in einem Luftbildatlas gesehen hatte. Dort steht eine Wand von Basaltsäulen in der Nähe des Ufers, wie eine Steilküste. Trotz vollständiger Umrundung des Vänersees hatte ich die Stelle noch nie gesehen. Hier war sie jetzt, und es war wirklich schön.

Vänersee Weil die Stelle so schön war, fuhren wir am Montag noch einmal dorthin. Für das Abendbrot hatten wir am Ortseingang von Vänersborg wieder eine Möglichkeit entdeckt arabisch-italienisch-schwedisch zu essen.

leerer Wasserfall Am Dienstag hatten wir uns vorgenommen, einen großen Teil des Weges nach Göteborg zurückzulegen. Der genaue Zielort stand noch nicht fest. Wir wußten, daß wir es bis Göteborg nicht schaffen würden. Und wir wußten, daß es dann keinen passenden Zeltplatz gab. Erstmal mußten wir nach Trollhättan fahren. Wenn man das Straßennetz einmal verstanden hat und die Radwege meidet, ist das zumindest zu schaffen. Der zentrale Punkt der ganzen Gegend ist der Kreisel Båberg, westlich des Götaälv, zwischen Vänersborg und Trollhättan. Dort geht es nach Nordosten in Richtung Vänersborg, nach Nordwesten als N 44 Richtung Uddevalla und als N 45 nach Karlstad. Etwas nordwestlich des Kreisels ist eine Auffahrt, wo die A 44 von Osten kommt und in die N 44 Richtung Uddevalla übergeht. Nach Südwesten geht es zu einer Hauptstraße, die westlich des Götaälv nach Süden verläuft. Und nach Südosten kommt man auf der N 45 nach Trollhättan und Göteborg. In Trollhättan fanden wir einen schönen Spielplatz zwischen den ganzen Wasserwegen, die sich dort durch die Kraftwerke und den Schiffahrtskanal ergeben. Ich blieb dort mit den Kindern, während Karin den Einkauf erledigte. Wahrscheinlich konnten sich Bernhard und Ulrich nicht mehr an diesen Spielplatz erinnern, aber auf der vorigen Radtour waren wir ja schon einmal dort.

Wald vor Göteborg Durch Trollhättan kamen wir irgendwie durch, bis zur N 45. Die wurde uns ja offiziell nicht gegönnt, man sollte dort lieber über verkehrsberuhigte Radwege fahren, die aber leider mit Anhängerfahrrad und Anhänger durchaus nicht benutzbar sind. Mit etwas Hupbegleitung kamen wir so ungefähr zur Hauptverkehrszeit aus der Stadt heraus und dann wurde es auch bald gemütlicher und leerer. Die N 45 war südlich von Trollhättan so ausgebaut, daß wir als Radfahrer dort sehr gut fahren konnten. In Lilla Edet machten wir wieder eine kleine Rast, diesmal an einem großen Rastplatz. Danach fingen wir so langsam an, uns nach Plätzen im Wald umzusehen. Dummerweise zweigte aber von der N 45 kein einziger Waldweg ab, obwohl sie zu einem großen Teil durch Wald verlief. Wir suchten uns eine geeignete Seitenstraße aus, von der wir uns erhofften, daß dort abzweigende Waldwege vorkommen könnten. Den Waldweg gab es auch. Aber man mußte erst an einem Haus vorbeigehen und ein Stück weiter, um die Kurve. Da kam natürlich dann das nächste Haus. Aber irgendwo wurde es dann doch ein richtiger Waldweg und es gab eine ganz tolle Stelle zum Zelten.

N45 vierspurig N45 sechsspurig Am nächsten Morgen mußten wir nur noch ganz wenige Kilometer nach Süden fahren, bis die Straßenbeleuchtung von Göteborg anfing. Von da waren es aber noch 35 Kilometer bis zur Innenstadt und sogar noch 20 Kilometer bis zur Gemeindegrenze, die hier für schwedische Verhältnisse ausnahmsweise einmal sehr zentral gelegen war. Das Tal des Götaälv wurde zumindest auf dieser (östlichen) Seite recht schmal. Etwa 20 Kilometer vor Göteborg fing der vierspurige Ausbau an, bald kamen auch Randstreifen hinzu, aber der Verkehr hielt sich doch in Grenzen. Das änderte sich auf dem letzten Stück in Göteborg selbst, wo unsere Straße sich zweimal mit einer anderen vierspurigen Straße vereinigte. Zur Hauptverkehrszeit war das ganze dann auch etwas voller als dieselbe Straße am ersten Tag dieser Radtour. Die Abfahrten wurden jetzt sehr selten und Ampeln kamen keine mehr vor. Beim Gulberg-Motet mußte man die linke der drei Spuren nehmen, um legal weiterzufahren und dann waren wir auch schon fast in der Innenstadt. Irgendwie fanden wir dann auch noch heraus, wie man so den Weg zum Zeltplatz finden kann.

Karls Fahrrad Der Zeltplatz den wir in Göteborg ansteuerten, war natürlich schon sehr voll, aber zum Glück kamen wir noch irgendwo mit unserem Zelt unter. Das war sogar ganz nah an dem Servicehaus, so daß die Wege zur Küche nicht so weit waren. Auf der ganzen Radtour hatte es mich genervt, daß man das Geschirr abspülen mußte. Einen Herd und eine Waschmaschine gab es ja auf jedem Zeltplatz, einen Mikrowellenofen mindestens auf jedem zweiten, aber so eine Industriespülmaschine, wo jeder seine Teller und Messer in einer Minute gewaschen bekommt, die habe ich auf jedem Zeltplatz vermißt. Hier gab es sie endlich. Und alle spülten trotzdem noch von Hand, so daß wir nicht lange in der Schlange stehen mußten.

Aber was noch viel wichtiger ist, es sollte sogar einen kleinen See ganz in der Nähe des Zeltplatzes geben. Mitten in der Stadt, in einem kleinen Naturschutzgebiet. Den suchten wir dann sofort, zur Abwechslung zu Fuß, nur mit dem Anhänger, der mit der Schiebestange als Kinderwagen für Heidrun verwendet werden konnte. Es gab ihn also wirklich, wenn auch nach einem sehr langen und hügeligen Fußmarsch, den Badesee mitten in der Stadt. Keine Frage, vor allem Heidrun war natürlich begeistert. Und es war auch wirklich schön, der See war landschaftlich so gelegen, daß man dachte, irgendwo weit draußen in der Natur zu sein, nur war er dafür dann doch recht gut von anderen Badegästen besucht, fast so wie einer der Karlsruher Baggerseen an Tagen, an denen es in Stuttgart und Calw früh Feierabend gab.

Nun wollten wir doch noch ein wenig die Stadt kennenlernen, denn auf diesem Zeltplatz waren wir ja nun wieder für zwei Nächte. Der Donnerstag wurde also für eine kleine Grachtenrundfahrt am Vormittag genutzt. Zwar haben nur Hamburg und Berlin mehr Brücken als Amsterdam und Venedig, aber auch Göteborg ist von etlichen kleinen Kanälen durchzogen.

Am nachmittag sahen wir uns ein Schiffsmuseum an. Diesmal gab es nicht kleine Pappmodelle zu sehen, wie man sie sich einmal eben in fünf Minuten auf den Bildschirm malen könnte, sondern echte Schiffe, die in echtem Wasser lagen. Davon gab es sogar so viele, daß wir nur einen kleinen Teil sehen konnten. Aber das ist natürlich schon interessant, wie so ein Schiffchen von innen aussieht, wenn es ein Schlepper, ein Frachter, ein U-Boot oder sonst etwas ist.

Den folgenden Tag, vielleicht war das ein Freitag, hatten wir auch noch in Göteborg, was wir für einen Besuch im Zoo ausnutzten. Der lag in einem großen Park auf einem Hügel, den wir nicht hochfahren konnten, dafür war der Eintritt auch frei. Bis zu dem Hügel konnten wir durch den Park fahren und zum Glück hatte niemand uns noch ein Fahrrad dazugestellt, denn wie hätten wir das mitnehmen sollen. Weil auch kein Fahrrad fehlte, war es kein Problem, zum Fähranleger zu fahren. Eine letzte Pause gab es noch ganz in der Nähe des Hafens, aber dann kam doch der Moment, wo man eine gewisse Zeit vor dem Ablegen an Bord fahren sollte.

Die Schiffsfahrt gehört ja auch noch zum Vergnügen, jedenfalls für die Kinder. Es gibt nämlich eine Spielecke, mit einer Rutschbahn und ganz vielen Bällen, in denen man regelrecht baden kann. Natürlich gingen wir irgendwann doch schlafen und am nächsten Morgen waren wir schon in Kiel. Viel schneller als auf dem Hinweg schafften wir den Weg von der Fähre zurück und es gab einen echten Ruhetag in Kiel. Abends fuhr unser Zug los, erst von Kiel nach Hamburg. In Hamburg mußte ich die Fahrräder einladen, Karin ging mit den Kindern und dem Gepäck in den Schlafwagen. Man muß ja nicht alles auf einmal einladen und kann sich dabei auch helfen lassen. Morgens war das in Stuttgart etwas gemütlicher, denn diesmal waren wir bei der Endstation und die Anschlüsse nach Singen und von dort nach Schaffhausen schien es auch irgendwie zu geben. Der Sonntag, an dem wir ankamen, war schon wieder ein Ruhetag, aber am Montag fing der Alltag wieder an.

Tabelle

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Für die Fans von Kilometerstatistiken habe ich hier noch eine kleine Tabelle gebastelt. Wer das langweilig findet, kann die Tabelle einfach überspringen. Wenn Karin und ich verschiedenen viel oder verschieden schnell gefahren sind, gebe ich beide Werte an. Das kam vor allem deshalb vor, weil ich Fotos gemacht habe und Karin danach wieder einholen mußte. Manchmal haben wir das auch nicht so genau aufgeschrieben, deshalb sind einige Felder leer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Zug und Schiff haben wir sogar nicht einmal gemessen. Weil der Tacho manchmal vorübergehend eine falsche und zu hohe Geschwindigkeit mißt, sind auch deshalb einige Felder leer geblieben. Den Weg habe ich jeweils so ungefähr angegeben. X steht meistens für Hauptstraßen, also Straßen mit blauen Wegweisern und ohne Nationalstraßennummer. Für Insider haben diese irgendwelche hohen Nummern, die man sowieso nur in speziellen amtlichen Landkarten findet. Wenn die Tabelle nicht auf Euren Bildschirm paßt, könnt Ihr vielleicht eine kleinere Schrift einstellen oder durch Scrollen auf dem Balken am unteren Bildschirmrand alles sehen. Ich habe die meiner Meinung nach unwichtigste Spalte ganz rechts eingeordnet.

Datum Weg Ziel Tages-
strecke
Durch-
schnitt
Netto-
fahrzeit
Maximum
1997-07-04 (5)SchaffhausenNachtzugca. 5---
1997-07-05 (6)KielStena Fähreca. 7---
1997-07-06 (7)E 20Lerum29.21/27.6510.11/9.462:53:18/2:55:27-
1997-07-07 (1)UmgebungLerum10.37/2.6711.18/5.870:53:37/0:27:1831.4/25.0
1997-07-08 (2)E 20 - X - N 40Sandared (Borås)49.05/48.329.63/8.185:05:15/5:54:1937.8/-
1997-07-09 (3)N 40Sandared [Zoo]27.38/27.2612.33/11.172:13:13/2:26:1939.4/23.7
1997-07-10 (4)N 40Sandared [Zoo]26.46/26.7611.65/12.342:16:11/2:10:0539.2/35.3
1997-07-11 (5)N 40Ulricehamn48.00/47.2310.78/10.744:27:01/4:50:5935.5/24.2
1997-07-12 (6)UlricehamnUlricehamn [Stadt]3.93/3.819.32/8.330:25:20/0:27:2224.8/20.4
1997-07-13 (7)N 40Axamo (Jönköping)45.78/45.8312.26/10.923:44:06/4:11:4539.2/26.8
1997-07-14 (1)FußwegAxamo [Moor]0/10.910/11.560/56:120/25.1
1997-07-15 (2)-Axamo [Ruhetag]0/13.390/13.190/1:00:550/32.9
1997-07-16 (3)N 40 - XAxamo [Moor]35.66/15.8513.61/10.532:37:12/1:30:1636.5/29.4
1997-07-17 (4)N 40 - XAxamo [Taberg]33.21/32.6914.99/14.682:12:48/2:13:3039.7/33.9
1997-07-18 (5)N 195Wald (Habo)38.56/37.4011.39/10.683:23:06/3:30:0232.7/28.7
1997-07-19 (6)N 195Hjo42.35/42.3012.37/11.203:25:28/3:46:5532.4/23.8
1997-07-20 (7)-Hjo [Stadt]0/5.070/-0/0:43:000/-
1997-07-21 (1)N 195 - N 49Karlsborg34.96/33.9214.23/12.192:26:12/2:46:5838.2/35.7
1997-07-22 (2)-Karlsborg [Stadt]0/00/00/00/0
1997-07-23 (3)N 49Askersund51.12/51.1314.09/12.123:37:30/4:03:0036.9/29.9
1997-07-24 (4)N 50Askersund [Stadt]23.23/5.7517.25/8.341:20:48/0:41:2241.2/29.4
1997-07-25 (5)N 205 - XTived32.09/32.3411.77/11.042:43:27/2:55:4038.9/-
1997-07-26 (6)XTived [Park]23.07/22.0712.5/11.871:50:36/1:51:3139.4/-
1997-07-27 (7)X - N 202 - XGötakanal (Töreboda)52.15/45.4411.94/11.914:21:56/4:03:4637.6/-
1997-07-28 (1)X - N 202Mariestad36.36/37.9312.25/11.432:58:06/3:19:0429.4/28.2
1997-07-29 (2)E 20 - XMariestad [Torsö]52.66/52.1414.52/13.923.37:35/3:44:4441.2/36.3
1997-07-30 (3)E 20 - N 44Lidköping50.43/50.3014.16/13.283:33:32/3:47:0429.4/27.4
1997-07-31 (4)N 44Lidköping [Stadt]19.71/12.7411.26/13.091:45:39/0:58:2323.7/22.2
1997-08-01 (5)N 44 - XGrästorp59.34/43.4616.04/13.493:41:55/3:13:1038.0/31.3
1997-08-02 (6)N 47 - N 44 - N 42Vänersborg64.01/42.2416.12/12.793:38:11/3:18:0535.0/29.6
1997-08-03 (7)N 44 - XVänersborg [Strand]33.10/32.9013.06/13.932:20:14/2:31:0338.9/38.5
1997-08-04 (1)N 44 - XVänersborg [Strand]33.79/34.5113.93/13.142:25:27/2:48:1241.2/29.2
1997-08-05 (2)N 45Wald (nördl. Göteborg)57.93/56.6615.00/13.024:00:02/4:21:0941.2/32.4
1997-08-06 (3)N 45 - N 45/E 6Göteborg45.52/44.5115.09/12.883:00:55/3:27:1642.0/28.2
1997-08-07 (4)GöteborgGöteborg [Stadt]59.63/18.6516.17/9.543:41:17/1:46:0041.5/26.0
1997-08-08 (5)GöteborgStena Fähre14.72/18.7910.69/10.511:22:34/1:24:2526.7/-
1997-08-09 (6)KielNachtzugca. 7ca. 110:38:2725.6
1997-08-10 (7)SchaffhausenSchaffhausenca. 5---

Was sieht man an diese Zahlen besonderes? Vielleicht ist es für viele enttäuschend, wie klein bei dieser Radtour immer die Tagesstrecken und auch die Durchschnittsgeschwindigkeiten ausgefallen sind, wo doch die Höchstgeschwindigkeiten nach einer gewissen Eingewöhnungszeit gar nicht mehr so niedrig waren. Die niedrige Geschwindigkeit liegt sicher in der Natur der Sache. Ich konnte bergauf nicht besonders schnell fahren und Karin erst recht nicht. Aber ein paar Steigungen hat man jeden Tag. Die Fahrzeit wurde natürlich dadurch beschränkt, daß man wegen der Kinder morgens und abends eine Menge Zeit braucht und auch unterwegs mehr Pausen einlegt. Aber dafür muß ich sagen, daß wir in Gegenden, durch die ich bei früheren Radtouren oft durchgefahren bin, Dinge gesehen haben, die ich damals überhaupt nicht wahrgenommen habe. Und vor allem hatten wir die Kinder dabei.