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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Schweden und Norwegen

Karl Brodowsky, gefahren 1999-07-11 bis 1999-08-13, geschrieben 1999

Teil 5

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foto foto foto Diese neue N 61 haben wir uns dann für den nächsten Tag gemerkt. Wir wollten ja in Richtung Grums fahren und dann irgendwo übernachten. Ein Stück auf der noch nicht freigegebenen N 61 und dann auf einer Hauptstraße nach Süden bis nach Edsvalla. Der Ort schien irgendwie von allen jüngeren Leuten verlassen zu sein. Einen Spielplatz gab es noch, aber der war zufällig ziemlich leer. So machten auch wir uns dann bald nach unserer Mittagspause wieder auf den Weg. Wir fanden direkt neben Edsvalla die N 45, die wir schon auf dem Hinweg genommen hatten.

Diesmal umfuhren wir Grums auf der E 6 und nahmen kurz vor Segmon eine kleine Straße, die ja eigentlich sogar eine Ecke abschneiden sollte, in Richtung Liljedal. In Liljedal kreuzten wir eine Bucht des Vänersees und dachten, daß man da gut schwimmen gehen könnte. Eine Einheimische empfahl uns dann auch eine Badestelle, die ganz nah dran sein sollte. Es war dann doch ein ganz schöner Abstecher, den wir auf einem Waldweg ohne unsere Fahrräder machten. Aber die Badestelle lohnte den Weg. Nur mühsam konnten wir uns wieder losreißen. Bald mußten wir eine Stelle für die Nacht finden. Es war klar, daß ein Zeltplatz nicht mehr in Reichweite war. Der wäre nämlich in Säffle gewesen und dann auch noch ein Stück weit weg von der Straße. Endlich fanden wir eine schöne Stelle, aber da waren so viele Ameisen, daß uns dann doch gewisse Zweifel kamen. Also ging es wieder weiter, ein bißchen hoch und runter und irgendwann fanden wir dann doch einen kleinen Waldweg, der parallel zur Straße ein bißchen auf die Böschung heraufführte und oben gab es dann einen Platz im Wald, richtig wild und ein Stück weit weg vom Weg. Die Fahrräder ließen sich nahe des Weges irgendwo verstecken und die Zelte und ein bißchen vom Gepäck mußten wir ein Stück zu der Stelle tragen, wo nachher die Zelte standen.

Am nächsten Morgen fuhren wir auf dem wunderbaren Sträßchen weiter bis nach Vansbro und von dort dann durch Säffle nach Åmål, jenem Ort, nach dem ein gerade jetzt laufender Kinofilm benannt worden ist. Åmål nahmen wir allerdings auch nicht als den attraktivsten Ort kennen und so machten wir uns recht schnell wieder auf den Weg, nachdem wir in einem kleinen Einkaufszentrum das allernötigste besorgt hatten. Dort konnte man wirklich nicht rasten, denn alles war voll mit Parkplätzen, Straßen, Tankstellen. Und auf der Rückseite waren ein paar Grasflecken, aber die waren auch voll mit Müll. Die kleine Fahrt hat sich gelohnt. Wir wollten nun doch nicht einfach so nach Mellerud und Trollhättan zurück und wählten lieber die N 164 in Richtung Billingsfors und Bengtfors. Bald fanden wir eine schöne Stelle an einem ganz kleinen alten Stausee. Das Rohr war noch aus Holz gemacht und unten war ein ganz kleines Kraftwerk.

Nun kamen wieder einige Berge, aber doch noch einmal eine recht schöne Strecke. In der Nähe der beiden Orte Bengtfors und Billingsfors kamen wir auf die N 172, die hier mit der N 164 für ein kurzes Stück gebündelt wurde. Die Straße nach Billingsfors war recht schmal, kurvig und steil. Mit ihrem Verlauf im Einschnitt erinnerte sie teilweise recht stark an gewisse Spiele. Jedenfalls schafften wir das diesmal ohne allzuviele Kollisionen, aber mit etwas mehr Zeit, endlich nach Billingsfors zu kommen. Kurz danach kam dann irgendwo in der Landschaft ein Zeltplatz, der an einem schönen See gelegen war und so nebenbei einen eigenen Bahnhof hatte. Das Zelt mußten wir zwar etwas außerhalb aufbauen, aber dafür hatten wir recht kurzen Zugang zu einer kleinen Bucht des Sees.

An dem Ruhetag mieteten wir uns ein Kanu und paddelten eine ganze Weile auf dem See herum. Karin machte noch ein paar Einkäufe und ich machte mit den Kinder einen Spaziergang am Seeufer entlang, was sich als eine gewisse Kletterei erwies.

Am nächsten Tag trafen wir noch andere Tandemfahrer. Ein älteres Ehepaar, die eine ähnliche Radtour wie wir machten, sogar in fast dieselbe Gegend. Allerdings hatten sie kein Zelt dabei und suchten sich immer wieder Quartiere für die Nacht. Das scheint auch möglich zu sein. Wir suchten uns aber wieder eine Stelle im Wald. Diesmal wollten wir es besonders effizient machen und an einer Stelle, wo es Waldwege in beide Richtungen gab, suchte ich mit Bernhard und Heidrun auf der linken Straßenseite und Karin mit Ulrich und Christina auf der rechten Straßenseite. Das war nachher die bessere Wahl. Irgendwo teilte sich der Weg und beide Fortsetzungen waren durch Schranken versperrt. Wir überlegten eine Weile, ob wir für die Nacht die Fahrräder einfach an die Schranken anlehnen sollten, stellten sie aber dann doch woanders hin. Tatsächlich kam aus dem einen Waldweg nachher ein Auto heraus, womit wir nicht so richtig gerechnet hatten.

Morgens gab es etwas Regenwetter. Bald kamen wir nach Uddevalla. Dort hatten wir Glück, daß wir direkt bei den berühmten Muschelbänken vorbeikamen, was dann auch direkt unser Pausenort war.

Dafür hatten wir jetzt mit den Straßen etwas Pech. In der Gegend von Uddevalla war alles voll mit Motorstraßen (Autobahnen, Kraftfahrstraßen etc.) und es wurden sogar noch mehr davon gebaut. Entsprechend viel MIV wurde angezogen und die Straße war recht voll. Außerdem war die E 6 jetzt sehr schlecht zu finden, weil alle Wegweiser auf die A 6 wiesen und man praktisch raten mußte, wo denn der Verlauf der E 6 sein könnte. Irgendwie kamen wir durch Uddevalla durch. Südlich von Uddevalla machten sich dann die Folgen des übermäßigen Motorstraßenbaus bemerkbar, denn die E 6 war hier wirklich voll mit Autos. Total undurchsichtig war dann noch die Stelle, wo die E 6 unauffällig nach links abbog und wo es geradeaus zur Motorstraße A 6 und zu einer kleinen Nebenstraße ging.

Nach dieser kleinen Störung kamen wir dann aber auf der E 6 einigermaßen gut voran in Richtung Süden. Südlich von Ljungskile machten wir eine kleine Pause im Wald und bogen dann nach rechts in Richtung Stenungssund ab. Das war zwar so ausgeschildert, aber keineswegs optimal. Denn nach einer ziemlichen Runde durch diesen Ort erreichten wir den Zeltplatz ganz im Süden. Wären wir auf der E 6 weitergefahren, und dann geradeaus, wo sie schon wieder abbog, dann hätten wir den Zeltplatz schneller erreicht.

Auf jeden Fall war auch in dieser südlichen Gegend der Zeltplatz noch einmal schön gelegen. Wir trafen andere Familien aus Deutschland, nicht nur eine. Es war sogar eine Familie dabei, die auch mit einem Kind eine Fahrradtour machte. So gab es Gelegenheit, abends ein bißchen Fußball zu spielen und natürlich im Meer zu baden und überhaupt erst einmal für drei Nächte zu bleiben. An dem einen Ruhetag sah ich mir ein bißchen die Möglichkeit zur Weiterfahrt in Richtung Göteborg und für einen Tagesausflug auf die Inseln an.

foto foto foto foto Das war die Idee für den zweiten Ruhetag, an dem die berühmte Sonnenfinsternis leider hinter den Wolken verborgen blieb. Wir fuhren auf der N 160 über ein paar Brücken auf die Inseln vor der Küste und dort bis nach Rönnäng. Mit einem kleinen Schiffchen ließ sich da eine kleine Rundfahrt auf die noch kleineren Inselchen organisieren, bevor wir auf einer anderen Strecke den Rückweg antraten.

Die letzte Strecke bis nach Göteborg war noch einmal eine Herausforderung, weil die E 6 (die Straße, die für den Radverkehr die E 6 ist) in dem Gewirr von Motorstraßen verborgen war und obendrein sogar noch einmal Leute, die man nach dem Weg fragte, absichtlich falsche Informationen gaben. Irgendwie fanden wir aber doch ohne allzugroße Umwege bis nach Kungälv, wo sich ein Seitenwechsel auf die N 45 auf der anderen Seite des Götaälv anbot. Die verließen wir bei Gamlastan wieder, in der Hoffnung, den Zeltplatz zu finden. Das war dann doch nicht so einfach, aber als wir endlich dort ankamen, war dann doch schon alles voll und man empfahl uns zum Delsjö-Camping auszuweichen. Das hörte sich ja ganz toll an. In Wirklichkeit war das eine alte Pferderennbahn oder ein Sportplatz oder so etwas, und für den Sommer als Zeltplatz umfunktioniert. Der See war auch nicht direkt daneben, aber man konnte den schon erreichen und noch ein letztes Mal lange schwimmen. Andere Radfahrer zelteten auch direkt am See.

foto Am nächsten Morgen mußten wir schnell alles zusammenpacken und danach beschlossen wir, eine kleine Bootsrundfahrt zu einer vorgelagerten Insel zu machen, auf der sich einmal eine Festung befunden hatte. Das war tatsächlich sehr schön, zumal wir phantastisches Wetter hatten.

Abends fuhr dann die Fähre nach Kiel los, wo wir noch einen Tag verbringen konnten, bevor am folgenden Abend der Zug nach Hamburg fuhr. Da der Talgo-Nachtzug nicht so unbedingt Tandems mitnimmt, beschlossen wir, nach Hamburg-Altona zu fahren und ihn gleich von Anfang an zu besteigen. Auf dem Weg von der S-Bahn zum Zug mußten wir ein paar Rolltreppen überwinden, die eigentlich keine Fahrräder mitnehmen und irgendwie alles auf den Bahnsteig bringen. Dann wurden die Fahrräder eingeladen, und bevor die sprachlosen Schaffner ein Wort über die Unmöglichkeit der Tandemmitnahme verlieren konnten, waren wir schon drin. Morgens in Stuttgart wurde der Zug von seiner ungewöhnlichen Überlast wieder befreit und wir kamen dann mit dem ICE bis nach Schaffhausen.

Hoffentlich gelingt uns das jetzt jedes Jahr, das Tandem mitzunehmen. In diesem Jahr hat es sich wirklich gelohnt.

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