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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Schweden und Norwegen

Karl Brodowsky, gefahren 1999-07-11 bis 1999-08-13, geschrieben 1999

Teil 1

[Anfang] [Ende]

Nach einer Pause im Jahr 1998 war jetzt unsere jüngste Tochter Christina alt genug, daß wir wieder eine richtige Fahrradtour in Erwägung zogen. Eigentlich können Bernhard und Ulrich schon selber Fahrrad fahren, aber das wollten wir noch nicht so direkt ausnutzen. So wurde noch ein kleines Tandem (Santana Vision) angeschafft, auf dem ich mit Bernhard (8) als Stoker und mit Heidrun (3) und Christina (1) im Anhänger fuhr. Karin hatte Ulrich (6) auf dem Anhängerfahrrad als Begleiter. Das hatten wir schon auf der einen oder anderen Wochenendtour ausprobiert.

Irgendwie mußte das ganze Rollmaterial und noch diverser Kleinkram nach Kiel geschafft werden, wo wir am Samstag (1999-07-10) nach einer kleinen Fahrt im Nachtzug von Schaffhausen ankamen und abends an Bord der Stena-Fähre nach Göteborg gingen. Mit dem Gepäck und uns selbst wog das Tandemgespann ca. 280 kg und Karins Gespann ca. 170 kg, was natürlich je nach Wasser- und Lebensmittelvorräten immer wieder gewissen Schwankungen unterworfen war. Wer Lust hat, kann einmal mit bikepwr ein bißchen herumrechnen, was das für Steigungen bedeutet. Wir brauchten ja jetzt schon zwei Zelte, sechs Schlafsäcke, 12 Liter Wasser und eine ganze Menge anderes Gepäck. Aufgrund unserer vorher gesammelten Erfahrungen war uns natürlich die eine oder andere Reduzierung des Gepäcks gelungen, so daß sich auch diesmal wieder irgendwie alles verstauen ließ. Dabei hatten wir gegenüber der Radtour vor zwei Jahren nichts an Stauraum dazugewonnen, aber hatten trotzdem für eine Person mehr zu packen. Auch ein Tandem bietet nur zwei Gepäckträger.

Um durch unsere Sammlung von 10 Packtaschen, drei Ortliebsäcke, drei Rucksäcken durchzusteigen, wurden in bewährter Weise wieder die Packtaschen mit Buchstaben bezeichnet und die Säcke mit Tiernamen (Elch, Biber, Hamster, Bär,...). Die 8 großen Packtaschen konnten wir vorne und hinten bei unseren Fahrrädern unterbringen, die beiden kleinen noch am Anhängerfahrrad. Die kleineren und größeren Säcke wurden auf die verschiedenen Gepäckträger verteilt, wobei wir wieder auf meinem hinteren Gepäckträger einen kleinen Turm aus den beiden größten Säcken bauen mußten. Ein gewisser Aufwand für das Verstauen und Befestigen des Gepäcks mit Spanngummis blieb da nicht aus und wir hätten vermutlich bei ernsthaften Pannen einfach das Fahrrad mitsamt dem Gepäck umgedreht, um die Reparatur zu machen. Zum Glück reichte die Tragfähigkeit der Stena-Fähre aus, um uns noch mitzunehmen, obwohl mein Gespann irgendwas gewogen haben dürfte und Karins Gespann auch noch einmal etwas dazubrachte. Details darüber, wie sich diese Gewichte auf Fahrräder, Gepäck und Personen verteilte, lasse ich hier aus Platzgründen weg.

Nach so vielen Fahrten gewöhnt man sich doch an die Schiffsfahrt, jedenfalls schliefen wir einigermaßen gut und machten uns an einem sonnigen Sonntagmorgen auf den langen Weg vom Schiff auf die Straße. Abgesehen davon, daß wir uns noch an das Gepäck gewöhnen mußten, war es natürlich eine Kleinigkeit, einfach am Götaälv und auf der N 45/E 6 aus der Stadt herauszufahren. Wir hatten absichtlich einen Sonntag hierfür bevorzugt, denn die Hauptverkehrszeit an einem Werktag läßt einen doch schnell vergessen, daß man in einem etwas dünner besiedelten Land unterwegs ist. Tatsächlich ist die Bevölkerungsdichte von Schweden ja auch nicht so viel niedriger als die durchschnittliche Bevölkerungsdichte der gesamten Landfläche der Erde.

foto foto Jedenfalls fanden wir ohne nennenswerte Verzögerungen und ohne Sucherei den richtigen Weg und wir waren auch schon fast aus dem vierspurigen Abschnitt heraus, als sich eine einigermaßen gemütliche Stelle für eine Pause fand. Das sollte doch immer wieder gewisse Schwierigkeiten bereiten, weil die Fahrräder immer ein Geländer, eine Leitplanke, einen Baum oder so etwas zum Abstellen brauchten. Und zwischen der Straße und den Bäumen war fast immer ein unüberwindbarer Graben oder Geländestreifen. Aber bei dieser Pause gab es einen Radweg, der durch eine Leitplanke von der Fahrbahn abgetrennt war. Natürlich fuhren wir nachher auf der Fahrbahn und nicht auf dem Radweg weiter, denn diese unbekannten Radwege, insbesondere auch dieser, neigen halt stark dazu irgendwann in die falsche Richtung abzubiegen.

Die nächste Pause war beim Rastplatz von Lilla Edet, den wir schon bei den beiden Radtouren 1994 und 1997 benutzt hatten. Danach schafften wir es noch bis Trollhättan, wo wir unter Mißachtung von ein paar Schildern mit rot umkreisten Fahrrädern auch mühelos den Weg zum Zeltplatz fanden, ohne uns mit den für Tandems und Anhänger nicht geeigneten Radwegen herumärgern zu müssen. Mit zwei Kindern und auch mit drei Kindern hatte ein Zelt genügt, aber diesmal mußten wir ein zweites Zelt mitnehmen. Das war baugleich mit dem ersten Zelt. Zum Glück mußten wir mit etwas Verhandlung niemals wirklich doppelt zahlen. Meistens gab es für das zweite Zelt eine Ermäßgigung.

foto Natürlich bot es sich an, in Trollhättan noch ein bißchen länger zu bleiben. Am Montag machten wir einen Ausflug in Richtung Vänersnäs, wo es einen sehr schönen Strand gibt. Und am Dienstag sahen wir uns den Hunneberg von oben an. Hunneberg und Halleberg sind angeblich die Gegenden von Europa mit der höchsten Elchdichte und die Angestellte der Rezeption meinte noch, auf dem Hunneberg sei für sie die schönste Stelle der Welt. Die Auffahrt war wirklich recht steil, vielleicht noch ein bißchen zu steil für den Anfang. Aber oben gab es eine recht große Hochebene, wo wir einen längeren Spaziergang machten. In einem kleinen See konnte man baden und auch sonst gab es eine Menge zu sehen, nur die Elche hatten gerade eine etwas längere Mittagspause.

Am Mittwoch war ein kleiner Zeltplatzwechsel fällig. Zum Glück hatten wir herausgefunden, wie man vom Zeltplatz aus den Weg aus der Stadt heraus findet und wir fuhren ein Stück durch die Innenstadt und dann auf der N 45 über den Götaälv, den Båbergkreisel und in ziemlich großem Abstand an Vänersborg vorbei. Das Wetter war nicht so toll und so aßen wir ein warmes Mittagessen in dem Restaurant einer Tankstelle, als es gerade sowieso besonders stark regnete. Aber unsere Regenkleidung wurde jedenfalls gebraucht. Heidrun wollte natürlich trotzdem, daß wir das Verdeck vom Anhänger offen lassen, aber die beiden Mädchen schliefen auch oft im Anhänger und dann war das egal.

foto foto foto foto In Mellerud lag der Zeltplatz doch erstaunlich weit weg von der Straße. Wir kamen dann aber doch zum Viersterneplatz mit Viersternepersonal. Und die trugen natürlich auch T-Shirts mit den vier Sternen drauf. Unsere Parzelle war ganz weit hinten und wir mußten das Stück auch noch schieben, weil das ein Sandweg war. Aber die Parzelle hatte einen Stromanschluß, der sich dafür eignete, die Fahrräder abzustellen. Und sie bot genug Platz für unsere beiden Zelte. Eine Badestelle gab es auch. Und wir waren jetzt in Dalsland. Die tollste Sache in Dalsland ist ja der Aquädukt von Håverud. Der lag in Reichweite für einen kleinen Ausflug am Donnerstag. Der Dalslandkanal, der eher für Boote als für Schiffe geeignet ist, hat dort eine kleine Schleusentreppe, in deren Mitte er mit einer Brücke die Stromschnellen überquert, deren Höhenunterschied dort überwunden werden muß. Anders ließ sich das damals räumlich nicht unterbringen.

Als nächstes Ziel für den Freitag erschien uns Åmål ein bißchen zu nah, auch wenn wir zu dieser Zeit noch nicht aus dem Kino wußten, daß das angeblich die ödeste Stadt in Schweden sein soll. Aber Säffle hatte den Nachteil, daß sein Zeltplatz noch viel weiter außerhalb lag als der von Mellerud. Deshalb nahmen wir uns vor, gleich hinter Säffle einen schönen Platz im Wald zu suchen. Natürlich war da nichts zu finden und wir kamen schon durch den nächsten Ort, der wohl Värmlandsbro hieß. Kurz danach gab es noch eine kleine Ecke Wald und einen versteckten Platz, wo wir unsere beiden Zelte aufbauen konnten, ohne zu viele Besucher zu bekommen. Ein in der Nähe wohnender Bauer fand uns ja trotzdem, aber das Zelten im Wald ist doch noch ziemlich selbstverständlich akzeptiert, solange man die Spielregeln dabei einhält. Deshalb war das überhaupt kein Problem.

foto foto Ein Teil der Spielregeln ist natürlich, daß man nur eine Nacht im Wald zelten darf. Deshalb fuhren wir am Samstag gleich wieder weiter. Weil wir nun schon so weit nördlich von Säffle waren, machten wir uns starke Hoffnungen, eventuell bis Sunne zu kommen. Erst einmal folgten wir der N 45 noch ein kurzes Stück bis zur E 18 (Oslo - Stockholm). Da gab es wieder Verwirrung, die E 18/N 45 war schlecht ausgeschildert und es stand dort fälschlich "Segmon" statt "Stockholm". Irgendwie haben wir den Weg trotzdem gefunden und kamen nach Grums, wo wir einen kleinen Einkauf erledigen mußten. Vor allem mußte natürlich auch der Wasservorrat wieder aufgefüllt werden. Bald hinter Grums kamen wir dann wieder auf die N 45, die ja bis nach Finnland und mit ein bißchen Zickzack durch Norwegen, Finnland und Rußland sogar bis nach Murmansk ihre Fortsetzung findet. Obwohl wir nur bis Sunne wollten, erwies sich sogar das langsam als unrealistisch. Die Steigungen auf so einer vermeintlich flachen Strecke sind ja doch nicht von der Hand zu weisen. Und eine kleine Pause machten wir auch noch, diesmal auf einem abgeernteten Feld, wo die Kinder gut toben konnten. So mußten wir dann abends wieder eine passende Stelle im Wald suchen. Das war gar nicht so einfach, denn so mancher seitlich abzweigende Waldweg erwies sich als ungeeignet. Es dauerte eine Weile, bis wir schließlich eine schöne Stelle fanden, die genug Platz für unsere beiden Zelte bot und auch von der Straße aus nicht zu sehen war.

Teil 2

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Nach Sunne war es für den nächsten Tag nicht mehr so furchtbar weit. Eigentlich wäre die Straße einfach daran vorbeigegangen, aber wir machten doch noch einen kleinen Abstecher in die Stadt, um ein wenig einzukaufen. Das war dann so ein typischer Platz, mit kleinem Springbrunnen, ein paar Läden drumherum. Es gab sogar Bänke, auf denen wir für die Pause sitzen konnten. Sonst fanden wir Sunne nicht so spannend. Dafür gab es aber nörlich davon eine sehr schöne Fahrt.

Von Sunne nach Torsby war sicher einer der schönsten Abschnitte. Wir fuhren nahe am Seeufer des Fryken entlang, aber trotzdem nicht flach. Dafür war die Aussicht grandios. Natürlich gab es wieder einige Affen am Steuer, sogar einer aus dem Ruhrgebiet, die meinten, da herumhupen zu müssen, nur weil die Straße zu schmal war, um bei Gegenverkehr zu überholen. In Torsby war merkwürdigerweise in unserem Zeltplatzverzeichnis von 1999 nichts eingetragen. Ein Anruf bei der Touristeninformation gab aber Entwarnung. Dieser kleine Fehler war offenbar ein Mangel der deutschen Übersetzung. Im schwedischsprachigen Campingführer war der Zeltplatz drin. So konnten wir endlich einmal wieder zwei Nächte bleiben. Es schien sich ja schon wieder abzuzeichnen, daß wir immer gleich zwei Nächte hintereinander im Wald waren, wenn es schon einmal überhaupt dazu kam.

Die Bademöglichkeit war wirklich toll und das Wasser auch sehr warm. Außerdem gab es gutes Eis und eine Waschmaschine. Der Trockener funktionierte nicht so gut. Mein Hinterrad schien ein bißchen zu eiern und ich hatte in Sunne auch versucht, es ein wenig zu zentrieren. Da war nicht viel zu machen, vielleicht bin ich auch zu ungeschickt. In Torsby sollte es ja einen Fahrradhändler geben. Genaugenommen sogar zwei oder drei: Ein älterer Mann, der das noch machte, war der erste, den wir aufsuchten. Er hatte aber seine Arbeitszeiten von 6:00 bis 12:00 und da wollte er um 11:30 nichts mehr annehmen. Vielleicht, wenn wir am nächsten Tag vor 7:00 vorbeikämen. Der andere sollte angeblich im Urlaub sein, aber das erwies sich als Irrtum. Er meinte, daß es nur am Reifen liege und verkaufte einen neuen Hinterreifen. Der alte Hinterreifen war in der Tat abgefahren und es wurde wirklich besser. Trotzdem ließ ich ihn die Felge dann doch noch zentrieren, vielleicht hatte ich da ja in Sunne eine Acht reinzentriert.

Von Torsby folgten wir weiter der N 45. Ein bißchen Regen gehörte diesmal wieder dazu, aber der hörte dann im Laufe des Tages auch wieder auf. Bald verließen wir die Seenkette und es ging über eine Hochebene, die natürlich eher hoch als eben war. Plötzlich kam dann die Stelle, wo in Vägsjöfors die Straße als Hauptstraße weiter in der Hochebene verlief. Aber die N 45 zweigte als ganz kleine Straße nach rechts ab und ging steil bergauf. Die Hochebene wurde da noch etwas höher und noch etwas unebener. Es folgte eine Strecke mit vielen kürzeren und teilweise auch etwas längeren Steigungen und Gefällestrecken, aber durch eine sehr schöne Landschaft mit Mooren, Wäldern und vielen kleinen Flüssen. Die nächste Pause machten wir bei einem kleinen Waldweg. Da war ein kleiner Bagger abgestellt, den man an Traktoren befestigen kann und an dem wir unsere Fahrräder anlehnen konnten. So gingen wir zur Abwechslung einmal ein gutes Stück zu Fuß in den Waldweg hinein. An einem Flüßchen stand ein Silo. Anscheinend wurde nach einem automatischen Dosierungsverfahren gelegentlich eine Menge Kalk in den Fluß gekippt. Soll das den sauren Regen ausgleichen?

Irgendwann kamen wir dann über den Bergkamm und konnten das Tal des Klarälven sehen. Die alte Nationalstraße ging steil in Serpentinen nach rechts ab, wir konnten jetzt aber die Ecke abschneiden und geradeaus bis nach Stöllet fahren. Bei dem ordentlichen Gefälle war das nur noch eine Kleinigkeit. In Stöllet suchten wir auf dem Zeltplatz ein bißchen nach einer passenden Stelle, aber wir entschlossen uns letztlich, nah am Servicehaus zu campieren. Mit vier Kindern haben wir doch viele Wege, die dadurch verkürzt wurden und es erleichtert auch die Abfahrt, wenn alles nahe beieinander ist. Auf diesem Zeltplatz waren wir ja fünf Jahre früher schon gewesen und wir erinnerten uns auch noch daran. Weil es damals so schön gewesen war, dachten wir auch daran, zwei Nächte zu bleiben. Als es aber am nächsten Morgen wie wild regnete, änderten wir unsere Pläne und beschlossen weiterzufahren. Bei Regen zu fahren ist mit ein bißchen Regenkleidung ja ganz gut zu machen, aber ein Ruhetag bei Regen ist doch eher traurig.

Nun kam die Strecke, vor der uns immer alle gewarnt hatten. Schon 1994 wollten wir ja ursprünglich direkt von Stöllet nach Mora fahren, aber wir entschieden uns damals anders, wofür ich eine Welle zustimmender Mails erhielt. Auch diesmal warnten uns alle, daß das eine sehr öde, langweilige, ätzende und anstrengende Strecke werden würde. Außerdem war uns klar, daß wir hier die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee zu überqueren hatten, die auch 1994 in einer ansonsten etwas flacheren Gegend noch stark bemerkbar gewesen war. Was sollte das also werden, wenn schon die Strecke von Torsby nach Stöllet so steigungsreich war. Wir waren ja schon ganz eingeschüchtert und nahmen uns deshalb auch wirklich nicht vor, weiter als bis Malung zu fahren. Am Anfang ging es tatsächlich sehr steil bergauf. Mit unseren Untersetzungen fuhren wir aber einfach ganz langsam hoch. Es stellte sich heraus, daß die Strecke gar nicht so öde war, sondern im Gegenteil mit den vielen Bergen, Flüssen, Wäldern und Mooren landschaftlich ganz reizvoll. Das Wetter wurde auch langsam besser. Als es noch regnerisch war, machten wir ein kleines Feuer bei einer Raststelle und löschten das auch wieder mit viel Wasser. Da trafen wir noch einen anderen Radfahrer aus Deutschland. Die zweite Pause machten wir, als es schon wieder eher bergab ging und abends kamen wir dann auch nach Malung. Auf den letzten 10 Kilometern gab es noch eine Baustelle, weil die N 45 hier neu trassiert wird, aber das war nicht so schlimm wie es sich anhörte, denn es wurde ja auf der neuen Trasse gebaut und wir konnten solange noch auf der alten fahren.

In Malung blieben wir wieder zwei Nächte. Der Zeltplatz war extrem voll, weil in Malung ein Tanzfest stattfand, das sehr viele Leute anzog. Wir zogen es vor, ein bißchen zu baden und abends einen kleinen Ausflug mit unseren Fahrrädern zu machen. Auf dem Westufer des Västerdalsälven gab es eine schöne Strecke. Da hätte man bis Malungsfors fahren können, aber dazu war es schon etwas spät. Stattdessen fuhren wir nochmal kurz in den Ort, der nicht so furchtbar interessant war, und versuchten eine andere Brücke über den Fluß zu benutzen. Die war dann aber für Tandems und Anhänger nicht geeignet, nur für kleine Fahrräder.

Von Malung nach Mora sollte es nun ja ein etwas längeres Stück von etwas 70 Kilometern werden und außerdem waren da auch Baustellen zu erwarten. Darüber muß man sich unbedingt gut informieren, denn ein paar Wochen früher war die Strecke bei den Bauarbeiten so extrem aufgerissen worden, daß sie für Fahrräder absolut unpassierbar war. Der Umweg über Ewertsberg oder über Vansbro wäre nicht gerade eine Kleinigkeit gewesen. Am schlimmsten wäre es gewesen, in Unkenntnis der Baustelle einfach 20 Kilometer in die Straße reinzufahren und sich dann noch einmal etliche Kilometer durch die Baustelle durchzuquälen. Aber da hätten wir vielleicht doch die Idee gehabt, jemanden zu fragen, der gerade die Baustelle hinter sich hat, wie das so weitergeht. Das blieb uns aber alles erspart. Wir hatten im Gegenteil ein recht frisches Asphaltband, das noch nicht einmal durch Fahrbahnmarkierungen verschmutzt war. So fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Rückenwind fröhlich drauf los. Die erste Pause machten wir dann kurz hinter der Vereinigung mit der N 64 von Vansbro und Filipstad. Da gab es einen kleinen Zeltplatz mit einer Badestelle, die ausdrücklich nur für Gäste des Zeltplatzes reserviert war. Das waren wir nachher ja auch. Wir haben uns nämlich nach dem Baden jeder ein Eis gekauft. Das erwies sich nachher als recht viel, weil die Kinder diese Riesenportionen nicht aufessen konnten, so daß Karin und ich noch eine Menge "Nachschlag" bekamen.

Kanus hätte man dort auch mieten können, aber nun war es doch langsam Zeit, weiter zu fahren. Diese paar Kilometer in der Nähe von Mora, auf denen die N 45 und die N 64 gebündelt sind, waren eigentlich ungefähr die Hälfte unseres Weges. Es war auch eine weitere kleine Wasserscheide zwischen Vanån und Österdalsälven zu überwinden, aber an diesem Tag war das alles nicht so schwierig. Bernhard war begeistert, weil er irgendwie Mora als das eigentliche Ziel der Reise empfand und wir fuhren ja nun schon durch Mora Kommun und kamen auch dem eigentlichen Ort Mora immer näher. So kamen wir tatsächlich mit nur einer Pause nach Mora und zu dem dortigen Zeltplatz. Das Zelt bauten wir wieder etwa an derselben Stelle wir fünf Jahr zuvor auf.

Teil 3

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Natürlich war jetzt wieder ein Ruhetag angesagt, mindestens einer. Die unvermeidbaren Einkäufe schlossen diesmal wieder einen Besuch beim Fahrradhändler ein, denn diesmal eierte das Vorderrad, was sich allein durch einen Reifentausch ohne weiteres beheben ließ. Der hintere Gepäckträger war auch etwas gebrochen, aber das mußte mit Kabelbindern und Drähten repariert werden. Alle Angestellten des Fahrradladens kamen nacheinander heraus, um sich das Fahrrad anzusehen.

Auf dem Zeltplatz hatten sich vor allem Bernhard und Heidrun mit anderen Kindern angefreundet. Bernhard versuchte dabei etwas Schwedisch zu lernen und Heidrun hatte überhaupt keine Probleme mit einer zweisprachigen Unterhaltung: Jeder benutzte seine Sprache.

Auch sonst hatte dieser Zeltplatz einiges zu bieten. Die Hütten waren alte Häuschen, die eigentlich auch in ein Freilichtmuseum gepaßt hätten. Auf der einen Seite gab es eine schöne Badestelle mit Strand und auf der anderen Seite gab es ein kleines Flüßchen mit Kanuverleih. Da konnten wir eine kleine Runde paddeln. Das war wunderbar, denn auf dem Flüßchen waren wir ganz schnell in der Natur. Nach einer halben Stunde wurde es aber auch enger und wir mußten umkehren.

foto foto foto Für den nächsten Ruhetag hatten wir uns einen kleinen Ausflug zum Bärenpark in Grönklitt nördlich von Orsa vorgenommen. Nach Orsa kamen wir schnell, aber von dort war es doch noch ein ziemlich langes Stückchen bis zum Bärenpark. Die Strecke war sehr schön, durch Wald und auch einigermaßen leer. Aber es ging doch recht lange und recht steil bergauf. Kurz vor dem Bärenpark mußten wir noch einmal nach rechts abbiegen und durch ein kleines Tal durch, dann hatten wir es irgendwann gefunden. In diesem Park war eine Besonderheit, daß die Tiere wirklich sehr viel Platz hatten und sich fast wie in ihrer natürlichen Umgebung bewegen konnten. Er lag am Hang eines kleinen Berges, von dem man auch noch eine gute Aussicht hatte. Der Rückweg nach Mora ging dann ganz schnell, jedenfalls das erste Stückchen bis Orsa.

foto foto foto Jetzt wollten wir irgendwie in Richtung Norwegen fahren. Da gab es am Anfang recht schöne Pläne, z.B. von Mora nach Drevsjö und dann über Trysil und Hamar, aber östlich an Oslo vorbei, nach Göteborg zurück. Nun entschieden wir uns für den kürzesten Weg nach Trysil. Wir folgten dem "Vasaloppsleden", auf dem Westufer des Österdalsälven. Das war zunächst eine vielversprechende Hauptstraße. Nicht zu steil, gut asphaltiert und ziemlich leer. Witzigerweise fuhren wir doch gelegentlich etwas größere Höhenunterschiede bergauf und kaum wieder bergab und befanden uns dann doch direkt ein paar Meter oberhalb des Wassers. Das Gefälle des Österdalsälven, das man durch Dämme teilweise nutzt, scheint doch erheblich zu sein.

So um die Mittagszeit kamen wir in den Ort Oxberg, der zu unserer bitteren Enttäuschung keinen Laden hatte. Dafür gab es eine kleine Schafherde, die über die Straße geführt wurde. Und wir trafen einen Vater, der mit seiner Tochter eine Fahrradtour machte. Jedenfalls sollte im nächsten Ort, in Evertsberg, ein Laden sein. Bis 18:00 dorthin zu fahren, erschien zunächst gar nicht so abwegig, aber der Höhenunterschied war jetzt doch noch größer. Bergauf mußte Bernhard gelegentlich absteigen, dann ging es etwas leichter. Und tatsächlich trafen wir um kurz vor 18:00 bei dem Laden ein und konnten unseren Einkauf erledigen.

Ein bißchen höher schien es ja schon noch zu gehen, aber dann kamen wir wieder in ein Tal herunter. Wir hatten eine schöne Aussicht und suchten uns diesmal eine ganz berühmte Stelle. Da, wo heute die Straße ist, gab es früher ein Haus. In dem Haus hat Gustaf Vasa übernachtet, als er den Weg zurücklegte, der heute nach diesem Ereignis als Vasaloppsleden benannt wird. Und wir fuhren auf der Straße und übernachteten auf dem uralten Weg. Kein König stolperte nachts über unsere Zelte und die Fahrräder waren am nächsten Morgen auch noch da. Die Aussicht war natürlich herrlich, auch wenn es am Abend ganz schön kalt wurde und eine kleine Suppe auf dem Esbitkocher gut ankam.

Von diesem tollen Rastplatz aus schien es nun nur noch bergab zu gehen, jedenfalls bis zu dem Vanån-Tal. Danach kam dann schon noch eine ordentliche Steigung. Merkwürdigerweise hatten wir von unserer Radtour 1994 diese Teilstrecke als ziemlich flach in Erinnerung, nur Norwegen war damals bergig. Aber das lag ja noch vor uns. Erstmal lag noch der kleine Bergrücken zwischen Vanån und Västerdalsälven vor uns. Irgendwo auf der Hochebene fanden wir eine wunderbare Stelle zum Rasten. Es gab eine kleine Feuerstelle und einen kleinen See und auch noch genug Brennmaterial. Da kochten wir uns auf dem Feuer ein schönes Mittagessen. Mit dem Baden war es doch nicht so einfach, denn das Ufer des Sees war ein Moorboden, der doch stark nachgab, wenn man drauftrat. Und dem Wasser konnte man auch nicht so recht ansehen, ob es einen festen Grund oder einen Morast unten gab und wie tief das so war. Aber irgendwie gelang es mir, ein Brett an das Ufer zu legen und ein bißchen zu schwimmen und auch wieder herauszusteigen.

Am Abend kamen wir im Tal des Västerdalsälven und bogen diesmal nach Süden, in Richtung Malung ab. Da sollte dann irgendwo eine Brücke über den Fluß kommen und auf der anderen Seite eine asphaltierte Verbindungsstraße nach Østby in Norwegen zu finden sein. Zunächst fanden wir tatsächlich noch irgendwo eine kleine Einkaufsmöglichkeit. Die besagte Brücke ließ sich dann auch finden und dann ging es ein Stück weit parallel zum Fluß wieder nach Norden, bevor wir in ein wunderbares Tal einbogen. Dem folgten wir noch ein Stück, aber dann stellte es sich als sehr schwierig heraus, eine geeignete Stelle zum Übernachten zu finden. So mußten wir neben einem Waldweg die Zelte aufbauen, aber die Fahrräder ließen sich dort nirgendwo richtig abstellen und mußten mit Seilen und Häringen fixiert werden.

Von dieser Stelle im Wald war es nicht mehr so furchtbar weit bis nach Rörbäcksnes, jedenfalls in Kilometern gerechnet. In Stunden und Höhenmetern schon eher. Da gab es schon wieder eine Einkaufsmöglichkeit und danach ging es auf dem ganz kleinen Sträßchen weiter in Richtung Trysil. Immerhin hat ja Rörbäcksnes vier kleine, aber asphaltierte und sogar zweispurig markierte Straßen, nach Sälen (Nordosten), Østby (Nordwesten), Langflån (Südwesten) und Malung (Südosten, da sind wir gekommen). Wir wählten den Weg nach Østby, das übrigens bis zur norwegischen Grenze noch als "Östby" auf den Wegweisern erwähnt wird. Das war jetzt wohl die schönste, aber auch schwierigste Strecke. Bald kam die norwegische Grenze und wir fuhren durch ein Hochland mit dünnen Wald, Mooren, Flüßchen und der einen oder anderen Steigung.

foto foto foto Irgendwann kamen wir auf die N 25, die nach rechts praktisch nirgendwo hinführt, nur nach Fulunäs, einer Ansammlung von drei oder vier Häusern jenseits der Schwedischen Grenze. Nach links führte sie immerhin nach Oslo, Trysil und Elverum und vor allem auch zu einem wunderbaren kleinen See, wo wir eine längere Nachmittagspause einlegten. Das Wasser war garantiert sauber, denn der See bildete eine kleine natürliche Stauung eines sprudelnden Bergbachs, die groß genug war, um bequem ein bißchen zu schwimmen. Der Ort Østby war natürlich winzig klein und wir fuhren auch einfach dran vorbei. Jetzt folgten wir immer wieder kleinen Flußtälern und Hochebenen mit Mooren, aber gelegentliche Wasserscheiden mußten überquert werden. Dann ging es irgendwann für etliche Kilometer steil bergab und wir waren im Tal des Trysilelva. Nach rechts waren es ein paar Kilometer zu fahren, bis wir den Zeltplatz erreichten, wo wir uns für zwei Nächte einquartierten.

In Trysil konnten wir eine ganze Menge machen. Vor allem konnte man natürlich im Fluß baden. Neben ein paar kleinen Einkaufsfahrten machte ich noch eine kleine Extratour in Form eines Abstechers in Richtung Elverum. Am Abend mieteten wir für eine Stunde ein Kanu und paddelten ein wenig auf dem Fluß herum. Den Jungen machte es dabei ganz besonderen Spaß, die Enten zu jagen. Und die neueste Errungenschaft der Zeltplätze, ein Trampolin, gab es auch hier. Wir führten als Spielregel ein, daß jedes Kind eine bestimmte Anzahl von Sprüngen machen durfte. Auch die anderen Kinder machten das mit und Bernhard zählte auf Schwedisch. Norwegisch konnte er ja noch nicht genug. Eine andere Besonderheit war ein riesiges Indianerzelt. Und für das Mittag konnten wir Fisch grillen. Die restlichen Holzkohlen verschenkten wir, anstatt sie im Anhänger mitzunehmen, obwohl sich Heidrun und Christina sich sicher gerne unterwegs damit beschäftigt hätten.

Teil 4

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foto Von Trysil aus fuhren wir wieder am Ostufer des Trysilelva entlang über Nybergsund nach Süden. Wir hatten diesmal schönes Wetter, Sonnenschein und nicht zu viel Wind. Unsere Mittagspause legten wir zufällig an einer Stelle ein, wo wir auch schon 1994 gerastet hatten. Am frühen Abend kamen wir dann zur schwedischen Grenze. Natürlich hatten wir uns noch in Norwegen gut mit Lyng-Honig eingedeckt, der sonst ja kaum erhältlich ist. Da wollten wir doch im Stausee noch ein bißchen baden. Die Straße führte über verschiedene Rippen immer wieder am Wasser entlang, aber als wir endlich dachten, daß es jetzt wirklich Zeit zum Rasten wäre, war die letzte Gelegenheit an dem See schon vorbei. Es fand sich dann aber eine andere Gelegenheit an einem kleinen See, der durch die Höljå durchflossen wurde. Eigentlich war das noch eine schönere Stelle als an dem großen Stausee.

Wir fuhren dann noch kurz bis nach Höljes durch, wo wir den dortigen Zeltplatz aufsuchten. Nach einer Weile erinnerte sich der Zeltplatzbesitzer noch an uns, weil wir fünf Jahre zuvor bei ihm gewesen waren. Die Kinder bekamen deshalb eine große Dose Weingummis geschenkt, die wir zum Glück noch unterbringen konnten. Die unbeliebten Stücke daraus ließen sich auf den folgenden Zeltplätzen noch bei anderen Kindern gegen wohlschmeckendere Ware als Kinderwährung zum Einsatz bringen. Der Zeltplatzbesitzer wollte gerne, daß wir zwei Nächte bleiben, aber leider haben die Ferien ja den Nachteil, begrenzt zu sein. Abends war noch eine kleine Runde mit Bernhard und Ulrich fällig. Auf dem Hinweg war Ulrich im Anhänger und Bernhard und ich auf dem Tandem. Auf dem Rückweg tauschten wir. Ja, ratet einmal, ob Bernhard und Ulrich mit dem Tandem mich gezogen haben... Oder Ulrich alleine Bernhard und mich.

foto foto Die nächste Station war schon wieder Stöllet. Wir folgten dem Klarälven wieder auf der N 62, die wir ja nun schon ein wenig kannten. Diesmal war das Wetter in Stöllet viel besser und wir blieben für zwei Nächte. Ein Kanu mieteten wir diesmal nicht, denn das war auch eine größere Aktion, weil die üblicherweise nur stromab gefahren werden. Man muß für den Rücktransport des Bootes ein paar Kronen extra bezahlen. Aber Karin und ich machten nacheinander die kleine Runde zum Ort Stöllet und von dort über die alte Nationalstraße zur N 45 hoch und wieder zurück. Die Kinder waren inzwischen auf dem Zeltplatz am Strand. Und wir machten zusammen auch noch einen kleinen Spaziergang auf einem schönen Wanderweg. Das Baden war an dieser Stelle schon gar nicht mehr so einfach, weil die Strömung recht stark war. Außerdem war die ganze Strandfläche überflutet, während man vor fünf Jahren weniger Wasser und eine große Strandfläche vorfand. Schöne und große Sandburgen ließen sich natürlich immer noch bauen, denn der Flußsand ist wirklich ein hervorragendes Baumaterial.

foto Für die weitere Fahrt nahmen wir uns vor, auf dem Ostufer des Flusses zu bleiben, obwohl die N 62 ja kurz vor Ekshärad auf das Westufer wechselt. Ganz unauffällig fand sich auch eine ganze Weile vor der Brücke die Abzweigung. Auch diese Hauptstraße war vor Jahren einmal ausgebaut worden und man konnte dem alten Straßenverlauf an einem Rastplatz zu Fuß folgen und eine schöne Schlucht mit einem Wasserfall sehen. Geologisch war das eine sehr interessante Stelle, aber für uns war es einfach eine schöne Stelle.

Natürlich wollten uns die Wegweiser immer wieder auf das andere Ufer schicken, aber das hatte erst einmal noch etwas Zeit. Etwas hinter Ekshärad mußten wir dann die Straße verlassen, die auf direktem Weg nach Hagfors führte, und dafür konnten wir ganz nah am Flußufer entlang fahren. Der Klarälven war hier richtig breit, aber hatte doch trotzdem noch seine Strömung. Irgendwo fanden wir dann auch eine schöne Stelle am Ufer für unsere Pause, wo ich auch nacheinander mit allen Kindern baden ging. Abends fuhren wir dann noch weiter und kamen nach kurzer Fahrt wieder auf die N 62. Hier in der Gegend hatten wir 1994 schon im Wald gezeltet. Diesmal reichte es für einen Zeltplatz in Råda. Der war eigentlich ganz schön gelegen, aber langsam kamen wir doch in den Bereich der Großzeltplätze und außerdem konnten wir hier auch nur eine Nacht bleiben. Immerhin gab es eine sehr schöne Badestelle und wir trafen auch einige andere Radfahrer, "natürlich" aus Deutschland.

foto foto Auch in dieser südlicheren und etwas dichter besiedelten Gegend gab es noch schöne Streckenabschnitte, aber die größeren Ortschaften gab es jetzt auch so langsam wieder. In Munkfors, das wohl in diese Gruppe gehört, machten wir eine kleine Pause. Etwas südlich davon kam dann eine Abzweigung über eine kleinere Straße in Richtung Kil. Wir kamen über einen ziemlich dicken Bergrücken und erreichten am Abend die Gegend des Ortes Kil. Der Zeltplatz von Kil war eigentlich sehr schön am Seeufer gelegen und zum Glück konnten wir auch zwei Nächte bleiben. Es gab einen schönen Strand und vor allem die Mädchen waren kaum aus dem Wasser zu bekommen. Karin machte sich zuerst auf den Weg, um eine kleine Runde mit Einkauf zu fahren. Danach fuhr ich dann eine kleine Runde, vor allem im Hinblick auf die Erkundigung unserer Strecke für den nächsten Tag. Die N 61 führte ja in Richtung Norwegen und kreuzte sich in der Nähe von Kil bei Fågelås mit der N 45. Da bot es sich an, einmal dorthin zu fahren. Tatsächlich landete ich noch auf der alten N 61, die einen komischen Bogen über Gunnita machte und dann dem Flußtal des Norsälven ein Stück folgte. Für den Rückweg fand ich dann die gerade fertiggestellte, aber noch nicht freigegebene neue N 61 vor. Das war natürlich toll, weil die ganzen Autos noch nicht da waren.

Teil 5

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foto foto foto Diese neue N 61 haben wir uns dann für den nächsten Tag gemerkt. Wir wollten ja in Richtung Grums fahren und dann irgendwo übernachten. Ein Stück auf der noch nicht freigegebenen N 61 und dann auf einer Hauptstraße nach Süden bis nach Edsvalla. Der Ort schien irgendwie von allen jüngeren Leuten verlassen zu sein. Einen Spielplatz gab es noch, aber der war zufällig ziemlich leer. So machten auch wir uns dann bald nach unserer Mittagspause wieder auf den Weg. Wir fanden direkt neben Edsvalla die N 45, die wir schon auf dem Hinweg genommen hatten.

Diesmal umfuhren wir Grums auf der E 6 und nahmen kurz vor Segmon eine kleine Straße, die ja eigentlich sogar eine Ecke abschneiden sollte, in Richtung Liljedal. In Liljedal kreuzten wir eine Bucht des Vänersees und dachten, daß man da gut schwimmen gehen könnte. Eine Einheimische empfahl uns dann auch eine Badestelle, die ganz nah dran sein sollte. Es war dann doch ein ganz schöner Abstecher, den wir auf einem Waldweg ohne unsere Fahrräder machten. Aber die Badestelle lohnte den Weg. Nur mühsam konnten wir uns wieder losreißen. Bald mußten wir eine Stelle für die Nacht finden. Es war klar, daß ein Zeltplatz nicht mehr in Reichweite war. Der wäre nämlich in Säffle gewesen und dann auch noch ein Stück weit weg von der Straße. Endlich fanden wir eine schöne Stelle, aber da waren so viele Ameisen, daß uns dann doch gewisse Zweifel kamen. Also ging es wieder weiter, ein bißchen hoch und runter und irgendwann fanden wir dann doch einen kleinen Waldweg, der parallel zur Straße ein bißchen auf die Böschung heraufführte und oben gab es dann einen Platz im Wald, richtig wild und ein Stück weit weg vom Weg. Die Fahrräder ließen sich nahe des Weges irgendwo verstecken und die Zelte und ein bißchen vom Gepäck mußten wir ein Stück zu der Stelle tragen, wo nachher die Zelte standen.

Am nächsten Morgen fuhren wir auf dem wunderbaren Sträßchen weiter bis nach Vansbro und von dort dann durch Säffle nach Åmål, jenem Ort, nach dem ein gerade jetzt laufender Kinofilm benannt worden ist. Åmål nahmen wir allerdings auch nicht als den attraktivsten Ort kennen und so machten wir uns recht schnell wieder auf den Weg, nachdem wir in einem kleinen Einkaufszentrum das allernötigste besorgt hatten. Dort konnte man wirklich nicht rasten, denn alles war voll mit Parkplätzen, Straßen, Tankstellen. Und auf der Rückseite waren ein paar Grasflecken, aber die waren auch voll mit Müll. Die kleine Fahrt hat sich gelohnt. Wir wollten nun doch nicht einfach so nach Mellerud und Trollhättan zurück und wählten lieber die N 164 in Richtung Billingsfors und Bengtfors. Bald fanden wir eine schöne Stelle an einem ganz kleinen alten Stausee. Das Rohr war noch aus Holz gemacht und unten war ein ganz kleines Kraftwerk.

Nun kamen wieder einige Berge, aber doch noch einmal eine recht schöne Strecke. In der Nähe der beiden Orte Bengtfors und Billingsfors kamen wir auf die N 172, die hier mit der N 164 für ein kurzes Stück gebündelt wurde. Die Straße nach Billingsfors war recht schmal, kurvig und steil. Mit ihrem Verlauf im Einschnitt erinnerte sie teilweise recht stark an gewisse Spiele. Jedenfalls schafften wir das diesmal ohne allzuviele Kollisionen, aber mit etwas mehr Zeit, endlich nach Billingsfors zu kommen. Kurz danach kam dann irgendwo in der Landschaft ein Zeltplatz, der an einem schönen See gelegen war und so nebenbei einen eigenen Bahnhof hatte. Das Zelt mußten wir zwar etwas außerhalb aufbauen, aber dafür hatten wir recht kurzen Zugang zu einer kleinen Bucht des Sees.

An dem Ruhetag mieteten wir uns ein Kanu und paddelten eine ganze Weile auf dem See herum. Karin machte noch ein paar Einkäufe und ich machte mit den Kinder einen Spaziergang am Seeufer entlang, was sich als eine gewisse Kletterei erwies.

Am nächsten Tag trafen wir noch andere Tandemfahrer. Ein älteres Ehepaar, die eine ähnliche Radtour wie wir machten, sogar in fast dieselbe Gegend. Allerdings hatten sie kein Zelt dabei und suchten sich immer wieder Quartiere für die Nacht. Das scheint auch möglich zu sein. Wir suchten uns aber wieder eine Stelle im Wald. Diesmal wollten wir es besonders effizient machen und an einer Stelle, wo es Waldwege in beide Richtungen gab, suchte ich mit Bernhard und Heidrun auf der linken Straßenseite und Karin mit Ulrich und Christina auf der rechten Straßenseite. Das war nachher die bessere Wahl. Irgendwo teilte sich der Weg und beide Fortsetzungen waren durch Schranken versperrt. Wir überlegten eine Weile, ob wir für die Nacht die Fahrräder einfach an die Schranken anlehnen sollten, stellten sie aber dann doch woanders hin. Tatsächlich kam aus dem einen Waldweg nachher ein Auto heraus, womit wir nicht so richtig gerechnet hatten.

Morgens gab es etwas Regenwetter. Bald kamen wir nach Uddevalla. Dort hatten wir Glück, daß wir direkt bei den berühmten Muschelbänken vorbeikamen, was dann auch direkt unser Pausenort war.

Dafür hatten wir jetzt mit den Straßen etwas Pech. In der Gegend von Uddevalla war alles voll mit Motorstraßen (Autobahnen, Kraftfahrstraßen etc.) und es wurden sogar noch mehr davon gebaut. Entsprechend viel MIV wurde angezogen und die Straße war recht voll. Außerdem war die E 6 jetzt sehr schlecht zu finden, weil alle Wegweiser auf die A 6 wiesen und man praktisch raten mußte, wo denn der Verlauf der E 6 sein könnte. Irgendwie kamen wir durch Uddevalla durch. Südlich von Uddevalla machten sich dann die Folgen des übermäßigen Motorstraßenbaus bemerkbar, denn die E 6 war hier wirklich voll mit Autos. Total undurchsichtig war dann noch die Stelle, wo die E 6 unauffällig nach links abbog und wo es geradeaus zur Motorstraße A 6 und zu einer kleinen Nebenstraße ging.

Nach dieser kleinen Störung kamen wir dann aber auf der E 6 einigermaßen gut voran in Richtung Süden. Südlich von Ljungskile machten wir eine kleine Pause im Wald und bogen dann nach rechts in Richtung Stenungssund ab. Das war zwar so ausgeschildert, aber keineswegs optimal. Denn nach einer ziemlichen Runde durch diesen Ort erreichten wir den Zeltplatz ganz im Süden. Wären wir auf der E 6 weitergefahren, und dann geradeaus, wo sie schon wieder abbog, dann hätten wir den Zeltplatz schneller erreicht.

Auf jeden Fall war auch in dieser südlichen Gegend der Zeltplatz noch einmal schön gelegen. Wir trafen andere Familien aus Deutschland, nicht nur eine. Es war sogar eine Familie dabei, die auch mit einem Kind eine Fahrradtour machte. So gab es Gelegenheit, abends ein bißchen Fußball zu spielen und natürlich im Meer zu baden und überhaupt erst einmal für drei Nächte zu bleiben. An dem einen Ruhetag sah ich mir ein bißchen die Möglichkeit zur Weiterfahrt in Richtung Göteborg und für einen Tagesausflug auf die Inseln an.

foto foto foto foto Das war die Idee für den zweiten Ruhetag, an dem die berühmte Sonnenfinsternis leider hinter den Wolken verborgen blieb. Wir fuhren auf der N 160 über ein paar Brücken auf die Inseln vor der Küste und dort bis nach Rönnäng. Mit einem kleinen Schiffchen ließ sich da eine kleine Rundfahrt auf die noch kleineren Inselchen organisieren, bevor wir auf einer anderen Strecke den Rückweg antraten.

Die letzte Strecke bis nach Göteborg war noch einmal eine Herausforderung, weil die E 6 (die Straße, die für den Radverkehr die E 6 ist) in dem Gewirr von Motorstraßen verborgen war und obendrein sogar noch einmal Leute, die man nach dem Weg fragte, absichtlich falsche Informationen gaben. Irgendwie fanden wir aber doch ohne allzugroße Umwege bis nach Kungälv, wo sich ein Seitenwechsel auf die N 45 auf der anderen Seite des Götaälv anbot. Die verließen wir bei Gamlastan wieder, in der Hoffnung, den Zeltplatz zu finden. Das war dann doch nicht so einfach, aber als wir endlich dort ankamen, war dann doch schon alles voll und man empfahl uns zum Delsjö-Camping auszuweichen. Das hörte sich ja ganz toll an. In Wirklichkeit war das eine alte Pferderennbahn oder ein Sportplatz oder so etwas, und für den Sommer als Zeltplatz umfunktioniert. Der See war auch nicht direkt daneben, aber man konnte den schon erreichen und noch ein letztes Mal lange schwimmen. Andere Radfahrer zelteten auch direkt am See.

foto Am nächsten Morgen mußten wir schnell alles zusammenpacken und danach beschlossen wir, eine kleine Bootsrundfahrt zu einer vorgelagerten Insel zu machen, auf der sich einmal eine Festung befunden hatte. Das war tatsächlich sehr schön, zumal wir phantastisches Wetter hatten.

Abends fuhr dann die Fähre nach Kiel los, wo wir noch einen Tag verbringen konnten, bevor am folgenden Abend der Zug nach Hamburg fuhr. Da der Talgo-Nachtzug nicht so unbedingt Tandems mitnimmt, beschlossen wir, nach Hamburg-Altona zu fahren und ihn gleich von Anfang an zu besteigen. Auf dem Weg von der S-Bahn zum Zug mußten wir ein paar Rolltreppen überwinden, die eigentlich keine Fahrräder mitnehmen und irgendwie alles auf den Bahnsteig bringen. Dann wurden die Fahrräder eingeladen, und bevor die sprachlosen Schaffner ein Wort über die Unmöglichkeit der Tandemmitnahme verlieren konnten, waren wir schon drin. Morgens in Stuttgart wurde der Zug von seiner ungewöhnlichen Überlast wieder befreit und wir kamen dann mit dem ICE bis nach Schaffhausen.

Hoffentlich gelingt uns das jetzt jedes Jahr, das Tandem mitzunehmen. In diesem Jahr hat es sich wirklich gelohnt.

Tabelle

[Anfang] [Ende]

Diese Tabelle enthält noch ein paar Informationen über die Kilometer, die Straßen u.s.w. von der Tandemtour vom Sommer 1999.

Datum Weg Ziel Tages-
strecke
Durch-
schnitt
Netto-
fahrzeit
Maximum
1999-07-09 (5)SchaffhausenNachtzugca. 5---
1999-07-10 (6)KielStena Fähreca. 7---
1999-07-11 (7)N 45/E 6 - N 45Trollhättan81.95/82.6612.44/12.436:55:59/6:38:5029.0/27.1
1999-07-12 (1)N 45 - N - X - N - N 45Vänersnäs/Trollhättan40.3/43.1513.70/12.792:56:34/3:22:2636.4/38.0
1999-07-13 (2)X - N - N 45Hunneberg/Trollhättan24.94/23.7112.22/12.492:02:28/1:54:0333.2/30.4
1999-07-14 (3)N 45 - XMellerud60.51/61.0113.01/12.824:39:00/4:45:2531.1/28.1
1999-07-15 (4)X - N 45 - X u.z.Håverud/Mellerud39.35/44.2313.73/13.532:52:00/3:16:0737.2/37.1
1999-07-16 (5)N 45Wald (nördl. Värmlandsbro)77.04/77.8413.97/13.355:30:44/5:49:4037.0/34.1
1999-07-17 (6)N 45 - N 45/E 18 - N 45Wald (südl. Sunne)65.97/67.2712.25/11.955:23:02/5:27:3334.5/35.1
1999-07-18 (7)N 45Torsby49.51/49.8412.87/12.993:50:42/3:50:1932.9/32.5
1999-07-19 (1)N 45Torsby [Stadt]13.91/13.6912.45/14.751:07:02/0:55:4129.6/30.4
1999-07-20 (2)N 45Stöllet46.38/46.8811.28/11.234:06:31/4:10:3038.4/37.3
1999-07-21 (3)N 45Malung47.37/47.4610.67/11.034:23:17/4:16:0637.8/38.9
1999-07-22 (4)XMalung [Stadt]19.70/27.5512.65/13.511:33:28/2:02:3125.4/28.1
1999-07-23 (5)N 45Mora72.03/72.6914.63/14.794:36:05/4:54:4534.0/35.5
1999-07-24 (6)XMora [Stadt]4.92/2.269.38/8.730:31:33/0:15:3221.4/28.2
1999-07-25 (7)N 45 - XOrsa-Grönklitt/Mora68.01/65.6013.41/13.935:04:06/4:42:2140.9/41.2
1999-07-26 (1)XWald (zwischen Evertsberg und Sälen)53.58/53.409.99/10.745:21:40/4:58:1230.7/31.0
1999-07-27 (2)XWald (östl. Rörbäcksnes)54.22/53.8910.46/10.025:11:01/5:22:3536.3/35.9
1999-07-28 (3)X - N 25 - XTrysil58.83/58.7411.52/12.405:06:13/4:44:0634.8/35.1
1999-07-29 (4)X - N 25 - N 25/N 26 - XTrysil [Umgebung]28.81/7.6116.94/10.571:42:05/0:43:1241.9/22.8
1999-07-30 (5)X - N 25 - N 26 - N 62Höljes69.62/65.7713.29/13.755:14/18/4:46:5634.8/31.1
1999-07-31 (6)N 62Stöllet67.94/70.1012.67/13.875:21:35/5:03:0933.3/33.6
1999-08-01 (7)N 62 - X - N 45Stöllet [Umgebung]11.06/11.5016.97/13.260:39:05/0:52:0540.4/33.8
1999-08-02 (1)N 62 - X - N 62Råda58.96/60.4013.14/13.234:28:51/4:33/4134.1/34.9
1999-08-03 (2)N 62 - XKil72.08/71.0312.53/13.505:44:58/5:15:3137.7/36.3
1999-08-04 (3)X - N 61 - N 45 - N 61neu - XKil [Umgebung]30.95/18.7220.37/14.461:31:11/1:17:4039.3/39.7
1999-08-05 (4)X - N 61neu - X - N 45 - N 45/E 18 - XWald (zw. Liljedal und Värmlandsbro)58.28/54.3310.93/11.174:52:29/4:51:3537.8/38.9
1999-08-06 (5)X - N 45 - N 164 - N 164/N 172Billingsfors75.79/76.2811.15/11.986:47:44/6:22:0738.6/36.7
1999-08-07 (6)-Billingsfors-/10.62-/16.08-/0:39:38-/34.3
1999-08-08 (7)N 172/N 164 - N 172Wald (nördl. Uddevalla)61.77/61.9411.25/12.535:29:14/4:56:3136.8/35.9
1999-08-09 (1)N 172 - E 6 - N 170 - X - N 160Stenungssund75.13/75.7913.03/13.025:47:47/5:49:1737.9/36.9
1999-08-10 (2)X - N 170 - E 6 - N 160Stenungsund [Umgebung]44.93/4.7116.14/10.282:47:03/0:27:2942.8/-
1999-08-11 (3)N 160 - N 169 - X - N 169 - N 160Rönnäng/Stenungsund59.45/59.9313.02/13.294:37:06/4:30:2039.3/36.3
1999-08-12 (4)N 160 - E 6 - N 45/E 6Göteborg54.50/55.5713.30/13.084:05:53/4:14:5942.3/38.0
1999-08-13 (5)GöteborgStena Fähre11.46/11.4712.30/12.270:55:37/0:56:0627.7/28.7
1999-08-14 (6)KielNachtzug7.46/7.629.11/8.760:49:07/0:52:1325.1/22.3
1999-08-15 (7)SchaffhausenSchaffhausen2.26/2.256.26/6.440:21:45/0:21:0212.1/13.8