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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Schweden und Norwegen

Karl Brodowsky, gefahren 1999-07-11 bis 1999-08-13, geschrieben 1999

Teil 2

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Nach Sunne war es für den nächsten Tag nicht mehr so furchtbar weit. Eigentlich wäre die Straße einfach daran vorbeigegangen, aber wir machten doch noch einen kleinen Abstecher in die Stadt, um ein wenig einzukaufen. Das war dann so ein typischer Platz, mit kleinem Springbrunnen, ein paar Läden drumherum. Es gab sogar Bänke, auf denen wir für die Pause sitzen konnten. Sonst fanden wir Sunne nicht so spannend. Dafür gab es aber nörlich davon eine sehr schöne Fahrt.

Von Sunne nach Torsby war sicher einer der schönsten Abschnitte. Wir fuhren nahe am Seeufer des Fryken entlang, aber trotzdem nicht flach. Dafür war die Aussicht grandios. Natürlich gab es wieder einige Affen am Steuer, sogar einer aus dem Ruhrgebiet, die meinten, da herumhupen zu müssen, nur weil die Straße zu schmal war, um bei Gegenverkehr zu überholen. In Torsby war merkwürdigerweise in unserem Zeltplatzverzeichnis von 1999 nichts eingetragen. Ein Anruf bei der Touristeninformation gab aber Entwarnung. Dieser kleine Fehler war offenbar ein Mangel der deutschen Übersetzung. Im schwedischsprachigen Campingführer war der Zeltplatz drin. So konnten wir endlich einmal wieder zwei Nächte bleiben. Es schien sich ja schon wieder abzuzeichnen, daß wir immer gleich zwei Nächte hintereinander im Wald waren, wenn es schon einmal überhaupt dazu kam.

Die Bademöglichkeit war wirklich toll und das Wasser auch sehr warm. Außerdem gab es gutes Eis und eine Waschmaschine. Der Trockener funktionierte nicht so gut. Mein Hinterrad schien ein bißchen zu eiern und ich hatte in Sunne auch versucht, es ein wenig zu zentrieren. Da war nicht viel zu machen, vielleicht bin ich auch zu ungeschickt. In Torsby sollte es ja einen Fahrradhändler geben. Genaugenommen sogar zwei oder drei: Ein älterer Mann, der das noch machte, war der erste, den wir aufsuchten. Er hatte aber seine Arbeitszeiten von 6:00 bis 12:00 und da wollte er um 11:30 nichts mehr annehmen. Vielleicht, wenn wir am nächsten Tag vor 7:00 vorbeikämen. Der andere sollte angeblich im Urlaub sein, aber das erwies sich als Irrtum. Er meinte, daß es nur am Reifen liege und verkaufte einen neuen Hinterreifen. Der alte Hinterreifen war in der Tat abgefahren und es wurde wirklich besser. Trotzdem ließ ich ihn die Felge dann doch noch zentrieren, vielleicht hatte ich da ja in Sunne eine Acht reinzentriert.

Von Torsby folgten wir weiter der N 45. Ein bißchen Regen gehörte diesmal wieder dazu, aber der hörte dann im Laufe des Tages auch wieder auf. Bald verließen wir die Seenkette und es ging über eine Hochebene, die natürlich eher hoch als eben war. Plötzlich kam dann die Stelle, wo in Vägsjöfors die Straße als Hauptstraße weiter in der Hochebene verlief. Aber die N 45 zweigte als ganz kleine Straße nach rechts ab und ging steil bergauf. Die Hochebene wurde da noch etwas höher und noch etwas unebener. Es folgte eine Strecke mit vielen kürzeren und teilweise auch etwas längeren Steigungen und Gefällestrecken, aber durch eine sehr schöne Landschaft mit Mooren, Wäldern und vielen kleinen Flüssen. Die nächste Pause machten wir bei einem kleinen Waldweg. Da war ein kleiner Bagger abgestellt, den man an Traktoren befestigen kann und an dem wir unsere Fahrräder anlehnen konnten. So gingen wir zur Abwechslung einmal ein gutes Stück zu Fuß in den Waldweg hinein. An einem Flüßchen stand ein Silo. Anscheinend wurde nach einem automatischen Dosierungsverfahren gelegentlich eine Menge Kalk in den Fluß gekippt. Soll das den sauren Regen ausgleichen?

Irgendwann kamen wir dann über den Bergkamm und konnten das Tal des Klarälven sehen. Die alte Nationalstraße ging steil in Serpentinen nach rechts ab, wir konnten jetzt aber die Ecke abschneiden und geradeaus bis nach Stöllet fahren. Bei dem ordentlichen Gefälle war das nur noch eine Kleinigkeit. In Stöllet suchten wir auf dem Zeltplatz ein bißchen nach einer passenden Stelle, aber wir entschlossen uns letztlich, nah am Servicehaus zu campieren. Mit vier Kindern haben wir doch viele Wege, die dadurch verkürzt wurden und es erleichtert auch die Abfahrt, wenn alles nahe beieinander ist. Auf diesem Zeltplatz waren wir ja fünf Jahre früher schon gewesen und wir erinnerten uns auch noch daran. Weil es damals so schön gewesen war, dachten wir auch daran, zwei Nächte zu bleiben. Als es aber am nächsten Morgen wie wild regnete, änderten wir unsere Pläne und beschlossen weiterzufahren. Bei Regen zu fahren ist mit ein bißchen Regenkleidung ja ganz gut zu machen, aber ein Ruhetag bei Regen ist doch eher traurig.

Nun kam die Strecke, vor der uns immer alle gewarnt hatten. Schon 1994 wollten wir ja ursprünglich direkt von Stöllet nach Mora fahren, aber wir entschieden uns damals anders, wofür ich eine Welle zustimmender Mails erhielt. Auch diesmal warnten uns alle, daß das eine sehr öde, langweilige, ätzende und anstrengende Strecke werden würde. Außerdem war uns klar, daß wir hier die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee zu überqueren hatten, die auch 1994 in einer ansonsten etwas flacheren Gegend noch stark bemerkbar gewesen war. Was sollte das also werden, wenn schon die Strecke von Torsby nach Stöllet so steigungsreich war. Wir waren ja schon ganz eingeschüchtert und nahmen uns deshalb auch wirklich nicht vor, weiter als bis Malung zu fahren. Am Anfang ging es tatsächlich sehr steil bergauf. Mit unseren Untersetzungen fuhren wir aber einfach ganz langsam hoch. Es stellte sich heraus, daß die Strecke gar nicht so öde war, sondern im Gegenteil mit den vielen Bergen, Flüssen, Wäldern und Mooren landschaftlich ganz reizvoll. Das Wetter wurde auch langsam besser. Als es noch regnerisch war, machten wir ein kleines Feuer bei einer Raststelle und löschten das auch wieder mit viel Wasser. Da trafen wir noch einen anderen Radfahrer aus Deutschland. Die zweite Pause machten wir, als es schon wieder eher bergab ging und abends kamen wir dann auch nach Malung. Auf den letzten 10 Kilometern gab es noch eine Baustelle, weil die N 45 hier neu trassiert wird, aber das war nicht so schlimm wie es sich anhörte, denn es wurde ja auf der neuen Trasse gebaut und wir konnten solange noch auf der alten fahren.

In Malung blieben wir wieder zwei Nächte. Der Zeltplatz war extrem voll, weil in Malung ein Tanzfest stattfand, das sehr viele Leute anzog. Wir zogen es vor, ein bißchen zu baden und abends einen kleinen Ausflug mit unseren Fahrrädern zu machen. Auf dem Westufer des Västerdalsälven gab es eine schöne Strecke. Da hätte man bis Malungsfors fahren können, aber dazu war es schon etwas spät. Stattdessen fuhren wir nochmal kurz in den Ort, der nicht so furchtbar interessant war, und versuchten eine andere Brücke über den Fluß zu benutzen. Die war dann aber für Tandems und Anhänger nicht geeignet, nur für kleine Fahrräder.

Von Malung nach Mora sollte es nun ja ein etwas längeres Stück von etwas 70 Kilometern werden und außerdem waren da auch Baustellen zu erwarten. Darüber muß man sich unbedingt gut informieren, denn ein paar Wochen früher war die Strecke bei den Bauarbeiten so extrem aufgerissen worden, daß sie für Fahrräder absolut unpassierbar war. Der Umweg über Ewertsberg oder über Vansbro wäre nicht gerade eine Kleinigkeit gewesen. Am schlimmsten wäre es gewesen, in Unkenntnis der Baustelle einfach 20 Kilometer in die Straße reinzufahren und sich dann noch einmal etliche Kilometer durch die Baustelle durchzuquälen. Aber da hätten wir vielleicht doch die Idee gehabt, jemanden zu fragen, der gerade die Baustelle hinter sich hat, wie das so weitergeht. Das blieb uns aber alles erspart. Wir hatten im Gegenteil ein recht frisches Asphaltband, das noch nicht einmal durch Fahrbahnmarkierungen verschmutzt war. So fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Rückenwind fröhlich drauf los. Die erste Pause machten wir dann kurz hinter der Vereinigung mit der N 64 von Vansbro und Filipstad. Da gab es einen kleinen Zeltplatz mit einer Badestelle, die ausdrücklich nur für Gäste des Zeltplatzes reserviert war. Das waren wir nachher ja auch. Wir haben uns nämlich nach dem Baden jeder ein Eis gekauft. Das erwies sich nachher als recht viel, weil die Kinder diese Riesenportionen nicht aufessen konnten, so daß Karin und ich noch eine Menge "Nachschlag" bekamen.

Kanus hätte man dort auch mieten können, aber nun war es doch langsam Zeit, weiter zu fahren. Diese paar Kilometer in der Nähe von Mora, auf denen die N 45 und die N 64 gebündelt sind, waren eigentlich ungefähr die Hälfte unseres Weges. Es war auch eine weitere kleine Wasserscheide zwischen Vanån und Österdalsälven zu überwinden, aber an diesem Tag war das alles nicht so schwierig. Bernhard war begeistert, weil er irgendwie Mora als das eigentliche Ziel der Reise empfand und wir fuhren ja nun schon durch Mora Kommun und kamen auch dem eigentlichen Ort Mora immer näher. So kamen wir tatsächlich mit nur einer Pause nach Mora und zu dem dortigen Zeltplatz. Das Zelt bauten wir wieder etwa an derselben Stelle wir fünf Jahr zuvor auf.

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