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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Schweden und Norwegen

Karl Brodowsky, gefahren 1999-07-11 bis 1999-08-13, geschrieben 1999

Teil 3

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Natürlich war jetzt wieder ein Ruhetag angesagt, mindestens einer. Die unvermeidbaren Einkäufe schlossen diesmal wieder einen Besuch beim Fahrradhändler ein, denn diesmal eierte das Vorderrad, was sich allein durch einen Reifentausch ohne weiteres beheben ließ. Der hintere Gepäckträger war auch etwas gebrochen, aber das mußte mit Kabelbindern und Drähten repariert werden. Alle Angestellten des Fahrradladens kamen nacheinander heraus, um sich das Fahrrad anzusehen.

Auf dem Zeltplatz hatten sich vor allem Bernhard und Heidrun mit anderen Kindern angefreundet. Bernhard versuchte dabei etwas Schwedisch zu lernen und Heidrun hatte überhaupt keine Probleme mit einer zweisprachigen Unterhaltung: Jeder benutzte seine Sprache.

Auch sonst hatte dieser Zeltplatz einiges zu bieten. Die Hütten waren alte Häuschen, die eigentlich auch in ein Freilichtmuseum gepaßt hätten. Auf der einen Seite gab es eine schöne Badestelle mit Strand und auf der anderen Seite gab es ein kleines Flüßchen mit Kanuverleih. Da konnten wir eine kleine Runde paddeln. Das war wunderbar, denn auf dem Flüßchen waren wir ganz schnell in der Natur. Nach einer halben Stunde wurde es aber auch enger und wir mußten umkehren.

foto foto foto Für den nächsten Ruhetag hatten wir uns einen kleinen Ausflug zum Bärenpark in Grönklitt nördlich von Orsa vorgenommen. Nach Orsa kamen wir schnell, aber von dort war es doch noch ein ziemlich langes Stückchen bis zum Bärenpark. Die Strecke war sehr schön, durch Wald und auch einigermaßen leer. Aber es ging doch recht lange und recht steil bergauf. Kurz vor dem Bärenpark mußten wir noch einmal nach rechts abbiegen und durch ein kleines Tal durch, dann hatten wir es irgendwann gefunden. In diesem Park war eine Besonderheit, daß die Tiere wirklich sehr viel Platz hatten und sich fast wie in ihrer natürlichen Umgebung bewegen konnten. Er lag am Hang eines kleinen Berges, von dem man auch noch eine gute Aussicht hatte. Der Rückweg nach Mora ging dann ganz schnell, jedenfalls das erste Stückchen bis Orsa.

foto foto foto Jetzt wollten wir irgendwie in Richtung Norwegen fahren. Da gab es am Anfang recht schöne Pläne, z.B. von Mora nach Drevsjö und dann über Trysil und Hamar, aber östlich an Oslo vorbei, nach Göteborg zurück. Nun entschieden wir uns für den kürzesten Weg nach Trysil. Wir folgten dem "Vasaloppsleden", auf dem Westufer des Österdalsälven. Das war zunächst eine vielversprechende Hauptstraße. Nicht zu steil, gut asphaltiert und ziemlich leer. Witzigerweise fuhren wir doch gelegentlich etwas größere Höhenunterschiede bergauf und kaum wieder bergab und befanden uns dann doch direkt ein paar Meter oberhalb des Wassers. Das Gefälle des Österdalsälven, das man durch Dämme teilweise nutzt, scheint doch erheblich zu sein.

So um die Mittagszeit kamen wir in den Ort Oxberg, der zu unserer bitteren Enttäuschung keinen Laden hatte. Dafür gab es eine kleine Schafherde, die über die Straße geführt wurde. Und wir trafen einen Vater, der mit seiner Tochter eine Fahrradtour machte. Jedenfalls sollte im nächsten Ort, in Evertsberg, ein Laden sein. Bis 18:00 dorthin zu fahren, erschien zunächst gar nicht so abwegig, aber der Höhenunterschied war jetzt doch noch größer. Bergauf mußte Bernhard gelegentlich absteigen, dann ging es etwas leichter. Und tatsächlich trafen wir um kurz vor 18:00 bei dem Laden ein und konnten unseren Einkauf erledigen.

Ein bißchen höher schien es ja schon noch zu gehen, aber dann kamen wir wieder in ein Tal herunter. Wir hatten eine schöne Aussicht und suchten uns diesmal eine ganz berühmte Stelle. Da, wo heute die Straße ist, gab es früher ein Haus. In dem Haus hat Gustaf Vasa übernachtet, als er den Weg zurücklegte, der heute nach diesem Ereignis als Vasaloppsleden benannt wird. Und wir fuhren auf der Straße und übernachteten auf dem uralten Weg. Kein König stolperte nachts über unsere Zelte und die Fahrräder waren am nächsten Morgen auch noch da. Die Aussicht war natürlich herrlich, auch wenn es am Abend ganz schön kalt wurde und eine kleine Suppe auf dem Esbitkocher gut ankam.

Von diesem tollen Rastplatz aus schien es nun nur noch bergab zu gehen, jedenfalls bis zu dem Vanån-Tal. Danach kam dann schon noch eine ordentliche Steigung. Merkwürdigerweise hatten wir von unserer Radtour 1994 diese Teilstrecke als ziemlich flach in Erinnerung, nur Norwegen war damals bergig. Aber das lag ja noch vor uns. Erstmal lag noch der kleine Bergrücken zwischen Vanån und Västerdalsälven vor uns. Irgendwo auf der Hochebene fanden wir eine wunderbare Stelle zum Rasten. Es gab eine kleine Feuerstelle und einen kleinen See und auch noch genug Brennmaterial. Da kochten wir uns auf dem Feuer ein schönes Mittagessen. Mit dem Baden war es doch nicht so einfach, denn das Ufer des Sees war ein Moorboden, der doch stark nachgab, wenn man drauftrat. Und dem Wasser konnte man auch nicht so recht ansehen, ob es einen festen Grund oder einen Morast unten gab und wie tief das so war. Aber irgendwie gelang es mir, ein Brett an das Ufer zu legen und ein bißchen zu schwimmen und auch wieder herauszusteigen.

Am Abend kamen wir im Tal des Västerdalsälven und bogen diesmal nach Süden, in Richtung Malung ab. Da sollte dann irgendwo eine Brücke über den Fluß kommen und auf der anderen Seite eine asphaltierte Verbindungsstraße nach Østby in Norwegen zu finden sein. Zunächst fanden wir tatsächlich noch irgendwo eine kleine Einkaufsmöglichkeit. Die besagte Brücke ließ sich dann auch finden und dann ging es ein Stück weit parallel zum Fluß wieder nach Norden, bevor wir in ein wunderbares Tal einbogen. Dem folgten wir noch ein Stück, aber dann stellte es sich als sehr schwierig heraus, eine geeignete Stelle zum Übernachten zu finden. So mußten wir neben einem Waldweg die Zelte aufbauen, aber die Fahrräder ließen sich dort nirgendwo richtig abstellen und mußten mit Seilen und Häringen fixiert werden.

Von dieser Stelle im Wald war es nicht mehr so furchtbar weit bis nach Rörbäcksnes, jedenfalls in Kilometern gerechnet. In Stunden und Höhenmetern schon eher. Da gab es schon wieder eine Einkaufsmöglichkeit und danach ging es auf dem ganz kleinen Sträßchen weiter in Richtung Trysil. Immerhin hat ja Rörbäcksnes vier kleine, aber asphaltierte und sogar zweispurig markierte Straßen, nach Sälen (Nordosten), Østby (Nordwesten), Langflån (Südwesten) und Malung (Südosten, da sind wir gekommen). Wir wählten den Weg nach Østby, das übrigens bis zur norwegischen Grenze noch als "Östby" auf den Wegweisern erwähnt wird. Das war jetzt wohl die schönste, aber auch schwierigste Strecke. Bald kam die norwegische Grenze und wir fuhren durch ein Hochland mit dünnen Wald, Mooren, Flüßchen und der einen oder anderen Steigung.

foto foto foto Irgendwann kamen wir auf die N 25, die nach rechts praktisch nirgendwo hinführt, nur nach Fulunäs, einer Ansammlung von drei oder vier Häusern jenseits der Schwedischen Grenze. Nach links führte sie immerhin nach Oslo, Trysil und Elverum und vor allem auch zu einem wunderbaren kleinen See, wo wir eine längere Nachmittagspause einlegten. Das Wasser war garantiert sauber, denn der See bildete eine kleine natürliche Stauung eines sprudelnden Bergbachs, die groß genug war, um bequem ein bißchen zu schwimmen. Der Ort Østby war natürlich winzig klein und wir fuhren auch einfach dran vorbei. Jetzt folgten wir immer wieder kleinen Flußtälern und Hochebenen mit Mooren, aber gelegentliche Wasserscheiden mußten überquert werden. Dann ging es irgendwann für etliche Kilometer steil bergab und wir waren im Tal des Trysilelva. Nach rechts waren es ein paar Kilometer zu fahren, bis wir den Zeltplatz erreichten, wo wir uns für zwei Nächte einquartierten.

In Trysil konnten wir eine ganze Menge machen. Vor allem konnte man natürlich im Fluß baden. Neben ein paar kleinen Einkaufsfahrten machte ich noch eine kleine Extratour in Form eines Abstechers in Richtung Elverum. Am Abend mieteten wir für eine Stunde ein Kanu und paddelten ein wenig auf dem Fluß herum. Den Jungen machte es dabei ganz besonderen Spaß, die Enten zu jagen. Und die neueste Errungenschaft der Zeltplätze, ein Trampolin, gab es auch hier. Wir führten als Spielregel ein, daß jedes Kind eine bestimmte Anzahl von Sprüngen machen durfte. Auch die anderen Kinder machten das mit und Bernhard zählte auf Schwedisch. Norwegisch konnte er ja noch nicht genug. Eine andere Besonderheit war ein riesiges Indianerzelt. Und für das Mittag konnten wir Fisch grillen. Die restlichen Holzkohlen verschenkten wir, anstatt sie im Anhänger mitzunehmen, obwohl sich Heidrun und Christina sich sicher gerne unterwegs damit beschäftigt hätten.

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