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Vier Wochen auf Gotland

Karl Brodowsky 1998-07-03 bis 1998-08-02, geschrieben 1998

Erste Woche

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(5) 1998-07-03

Weil Bernhard in die Schule geht, haben wir uns an die Sommerferien gehalten. Ich habe schon den letzten Schultag freigenommen. Gleich nach Bernhards Schule sind wir dann auch so um 16:33 losgefahren. Von Schaffhausen bis Basel hatten wir einen Eilzug. Von Basel bis Kopenhagen gab es dann einen Nachtzug, der über Flensburg und den neuen Belttunnel fuhr. Die Nachtfahrt war lang genug um gut zu schlafen. Wir hatten ein Liegewagenabteil, wo wir gut alle zusammen hereinpaßten und auch das ganze Gepäck mitsamt den beiden Kinderwagen unterbringen konnten. Heidrun konnte ja schon gut laufen, aber für längere Strecken erschien es uns doch noch angemessen, einen Kinderwagen mitzunehmen. Das war so ein Jogger, also eine dreirädrige Konstruktion mit Fahrradrädern. Das läßt sich viel leichter schieben als die üblichen sauteuren Design-Kinderwagen, bei denen man nicht einmal Kugellager für 1.20 DM pro Stück spendiert hat. Der Kinderwagen wurde dann auch gleich von den schwedischen Kindern als "cykel" (Fahrrad) bezeichnet. Das Gepäck ließ sich einigermaßen gut handhaben. Die Kinderwagen sind ja rollbar, ebenso der Koffer, den wir mitgenommen hatten. Der Rest waren Rucksäcke, je einer für Karin, Bernhard, Ulrich und mich und noch einer, der unten in Christinas Kinderwagen kam. Natürlich war Ulrichs Rucksack noch nicht so schwer, aber er war doch stolz darauf, auch etwas zu tragen. Heidrun wollte dann auch einen Rucksack haben, den sie gleich nach den Ferien auch bekommen hat. Unterwegs war das nicht so wichtig, weil sie doch noch oft im Jogger saß.

(6) 1998-07-04

Von Kopenhagen nach Hässleholm hatten wir einen D-Zug, der noch recht lange brachte, weil die Fähre über den Öresund zeitraubend ist. In Hässleholm mußten wir umsteigen und sollten dann einen X 2000 bekommen. Wir hatten dort genug Zeit, um die ganzen schwedischen Fahrkarten zu kaufen. Die sind nämlich dort eine ganze Menge billiger zu bekommen als in Deutschland oder in der Schweiz. Nun stellte sich aber heraus, daß der X 2000 doch nicht kam, weil es eine Störung bei dem Zug gab. So kam stattdessen ein normaler Zug, der immerhin auch genug Plätze hatte, um alle Leute unterzubringen. Aber es dauerte halt ein bißchen länger. Trotzdem kamen wir abends in Stockholm an und natürlich fuhr der Vorortzug nach Nynäshamn genau nach Fahrplan, so daß wir letztlich genau eine Stunde später als geplant dort ankamen. Nun hätten wir gleich das Schiff nach Visby nehmen können, aber das wäre ungünstig gewesen, da die Nachtfahrt nur sechs Stunden Zeit zum Schlafen gelassen hätte. So gingen wir lieber in die Jugendherberge von Nynäshamn, um normal lange zu schlafen. Die war vom Bahnhof und Hafen gut zu Fuß zu erreichen. Ich bin abends nochmal kurz zum Hafen gegangen, um die Fahrkarten zu kaufen. Da mußte ich allerdings warten. Bis das Nachtschiff weggefahren war, wollte man mich noch nicht bedienen.

(7) 1998-07-05

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Katamaran nach Visby. Dort besorgte ich erst einmal ein Fahrrad mit Anhänger. Das war kein Problem, denn direkt gegenüber war ein Fahrradverleih. Man sieht auf den gotländischen Straßen unheimlich viele Fahrräder, davon hat vielleicht ein Drittel einen Anhänger. Und Tandems sind auch sehr häufig vertreten. Die Miete für das Fahrrad und den Kinderanhänger war dann doch für vier Wochen eine ganze Menge, aber was soll man sagen. Christina konnte noch nicht so gut sitzen, deshalb planten wir, uns auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu stützen. Aber erstmal war ganz lange kein Bus in Sicht und so fuhr Karin mit den Kindern mit einem sehr großen, aber doch engen Taxi nach Lummelunda und ich mit dem Fahrrad und dem ersten Großeinkauf im Anhänger hinterher. Dort hatten wir für zwei Wochen so ein kleines Häuschen gemietet.

Ich fuhr also auf der N 149 nach Norden und sah dabei auch gleich, daß es noch ein paar Dinge zwischen Visby und Lummelunda gab. Ganz typisch für Gotland war die N 149 die ersten paar Kilometer hinter Visby ganz großzügig ausgebaut, zweispurig mit sehr breiten Randstreifen. Sie wurde danach schmaler, vielleicht so wie eine Nationalstraße (Bundesstraße) in Deutschland. Die Fahrt war recht schön, hauptsächlich durch Wald. Auch wenn die Höhenunterschiede und die Steigungen sich auf der N 149 in Grenzen hielten, kann man die Strecke doch als leicht hügelig bezeichnen. Obwohl ich nur eine etwas zu kleine Dreiganggurke gemietet hatte und noch einen Anhänger zu ziehen hatte, hab' ich wohl ein Tandem überholt. Die Strecke war recht verkehrsarm, aber immerhin waren fast ein Drittel der Fahrzeuge Fahrräder, wobei Tandems besonders häufig vorkamen und natürlich Anhänger keineswegs selten waren.

Das Häuschen in Lummelunda war nicht weit weg von der Bushaltestelle, aber auch nicht von der N 149. Deshalb mußten wir darauf achten, daß Heidrun immer im Garten blieb. Für Ulrich und Bernhard war das kein Problem und Christina konnte noch nicht einmal krabbeln. Aber im Garten gab es ja auch einen Hasen, so daß auch Heidrun drinnen blieb.

Erstmal machten wir aber einen kleinen Spaziergang durch den Wald. Der Weg beginnt direkt neben dem Haus.

(1) 1998-07-06

Morgens machte ich einen kleinen Einkauf in Stenkirka, das vielleicht 5 km nördlich von Lummelunda einen kleinen Laden zu bieten hat. Der hatte inzwischen abends recht großzügige Öffnungszeiten und nebenbei habe ich dort auch noch einen aktuellen Busfahrplan aufgetrieben. Die Webseite habe ich leider erst auf Gotland gefunden und der Fahrplan, den man mir auf telefonische Bitte geschickt hatte, war halt der zum Anrufzeitpunkt gültige Winterfahrplan. Da konnte es ja nur besser werden und tatsächlich fuhren an Werktagen auch vielleicht vier Busse pro Richtung. Einen davon nahmen wir, um etwas nördlich von Visby ein Flugzeugmuseum anzusehen. Zurück kamen wir auch noch.

(2) 1998-07-07

So ungefähr dachten wir uns, vielleicht jeden zweiten Tag etwas weiter weg zu fahren und sonst auch in der näheren Umgebung den einen oder anderen Spaziergang zu machen. Das führte uns diesmal bis zur Küste. Die ist hier eine Steilküste mit Kalkfelsen und man muß schon ein bißchen suchen, um eine Stelle zu finden, wo man mit oder ohne Treppen halbwegs vernünftig nach unten kommt.

Abends, als alle Kinder im Bett waren, machte ich noch eine kleine Runde mit dem Fahrrad. Die führte mich, wie die meisten dieser Runden, nach Tingstäde, das regelrecht zum Fixpunkt der ganzen Reise werden sollte. Dort gibt es nämlich einen herrlichen See mit einer schönen Badestelle. Und man konnte abends noch ganz gut dorthin fahren, das waren vielleicht 12 oder 13 Kilometer pro Richtung, wenn man den kürzesten Weg über Martebo nimmt. Das war mir natürlich für den Rückweg zu langweilig und so fuhr ich über die N 148 bis zur Straße von Lokrume nach Martebo und auf dieser nach Lummelunda. Das war ein paar Kilometer weiter, aber eine sehr schöne Strecke am Rande eines großen Moorgebiets und fast ohne Autos, ich habe jedenfalls keine gesehen.

(3) 1998-07-08

Lummelunda ist bekannt für seine 8000 Jahre junge Tropfsteinhöhle und genau die wollten wir uns auch einmal ansehen. Wenn auch schon alles zur Gemeinde Gotland gehörte, so war doch auch der "Ortsteil" Lummelunda nicht so klein und der Weg dorthin war auch schon so ungefähr 5 Kilometer. Da fuhr ich mit Ulrich und Heidrun im Anhänger, während Karin mit Bernhard und Christina im Bus unterwegs waren. Bei der Entfernung waren wir ungefähr gleichzeitig dort, auch wenn der Überlandbus auf Gotland normalerweise etwas schneller als das Fahrrad ist. Die Grotten waren auch ganz eindrucksvoll, vielleicht noch ein kleines bißchen besser als die Eisläden daneben. Schweden ist ja das Land mit dem höchsten Eiskonsum in Europa. Ein kleines Labyrinth aus Steinen gab es auch, das allerdings zum Verirren wohl weniger geeignet war als die Höhle, da die Steine nur ein paar Zentimeter aus dem Boden ragten und die Struktur eine Doppelschnecke war. Aber diese Doppelschnecke zum Durchlaufen gibt es auf Gotland seit uralten Zeiten. Natürlich machten wir noch einen schönen Spaziergang an der Küste entlang, sicher nicht ohne dabei auch ein bißchen zu baden.

Diesmal war Karin abends noch ein wenig unterwegs, dabei weihte sie endlich ihre zwei Jahre alten Joggingschuhe ein, die noch so manchen Abend benutzt wurden. Ich war nicht so gut zu Fuß und mußte immer das Fahrrad nehmen.

(4) 1998-07-09

Heute war eine kleine Einkaufsfahrt mit Heidrun nach Visby angesagt, weil ich unter anderem Geld besorgen mußte. Das erforderte zwar bei der Bank einige Abklärungen, weil Reiseschecks auf Schweizer Franken anscheinend immer noch als recht exotisch empfunden wurden, aber es war dann doch möglich, sogar mit einer kürzeren Schlange als beim Geldautomaten. In der Bank gab es für die Kinder Lego, deshalb fand Heidrun die Schlange viel zu kurz. Daß man in der Schlange nicht stehen mußte, sondern mittels Nummern im Sitzen warten konnte, ist in Schweden fast selbstverständlich. Diesmal gab es sogar Zeitungen für die Leute, die in der Schlange saßen.

Auf dem Hinweg versuchte ich, für ein paar Kilometer zwischen der Nationalstraße und der Küste dem "Gotlandsleden" zu folgen. Das ging auch ganz gut, denn die Straße war auch gut asphaltiert. Aber durch den Verlauf in der Nähe einer alten Abbruchkante war sie doch so steigungsreich, daß es mit dem Fahrrad und Anhänger letztlich günstiger ist, normalerweise auch auf diesem Abschnitt die N 149 zu nehmen. Für den Rückweg vom Hafen in Visby nach Lummelunda war es dagegen eine gute Idee, zunächst Visby auf einer Straße direkt an der Küste zu verlassen und erst hinter dem Stadtrand über die Kante hochzufahren.

Ein kleiner Spaziergang war natürlich jetzt auch noch fällig. Wir gingen diesmal durch das Naturschutzgebiet, das gar nicht so weit weg von dem Haus zu finden war.

Abends war wieder eine kleine Badefahrt nach Tingstäde fällig, diesmal auf einem noch kürzeren Weg, der einer ehemaligen Bahnlinie verläuft. Dieser Feldweg ist gar nicht so leicht zu finden, aber Mountainbiken ist wohl sowieso nur etwas für harte Jungs und Mädels... Als ich ihn einmal gefunden hatte, ging es fast wie ein Lineal durch ein Moorgebiet und dann durch Wald bis nach Tingstäde. Nur war der Weg natürlich etwas rumpelig. Für den Rückweg nahm ich wieder die Straße, die trotz des kleinen Umwegs doch sicher schneller ist.

(5) 1998-07-10

Heute wollten wir einmal nach Ire fahren, gut 10 km nördlich von Lummelunda. Das war nämlich zwei Jahre davor besonders interessant gewesen, weil man da ein kleines Rinnsal am Strand ein bißchen stauen und umleiten konnte. Ire ließ sich auch erreichen, Karin fuhr mit Bernhard und Christina mit dem Bus, ich fuhr mit Heidrun und Ulrich mit dem Velo. Das Rinnsal gab es nicht mehr, weil das Wetter zu gut und zu trocken war, aber baden konnte man natürlich sehr gut. Vor allem Heidrun ist dafür ja schnell zu begeistern, Bernhard auch schon ein bißchen, seit er schwimmen kann. Am abend war wieder eine kleine Fahrradfahrt fällig, selbstverständlich nach Tingstäde. Diesmal fuhr ich aber einen kleinen Umweg, nämlich erst nach Kappelshamn und dann über Lärbro zu dem Tingstäder See. Der Rückweg war dann ein Umweg über Stenkirka. Das habe ich mir gleich als Ausflugsziel gemerkt.

(6) 1998-07-11

In irgendeinem Prospekt wurde ein Kräutergarten zwischen Lummelunda und Visby als einer der größten Knalleffekte angepriesen. Mit Heidrun und Ulrich im Anhänger fuhr ich dorthin, Karin mit den beiden äußeren Kindern im Bus. Der Bus ist auf der Strecke zwar etwas schneller als das Fahrrad, aber so kurz vor dem Kräutergarten, der ja nicht direkt neben der Bushaltestelle ist, haben wir uns dann doch wiedergetroffen. Es gab dort gutes Essen, einen schönen Spielplatz, aber der Kräutergarten erwies sich als weniger spannend. Dafür gab es direkt daneben einen schönen Strand. Auf dem Rückweg wollte Bernhard auch einmal mit dem Anhänger mitfahren.

(7) 1998-07-12

Wir hatten von 1996 noch in Erinnerung, daß es in der Nähe des Häuschens ein sehr schönes Naturschutzgebiet geben müßte. Das wollten wir heute finden. So bogen wir von dem Waldweg schon bald nach rechts ab und liefen parallel zur Nationalstraße durch den Wald. Der Weg wurde dann aber immer enger und rumpeliger, kaum noch für Kinderwagen passierbar, bis er sich schließlich irgendwie mit der N 149 vereinigte. Wenig später kam dann der Waldweg in das Naturschutzgebiet, auf dem wir noch bis zur Steilküste liefen. Der Kinderwagen blieb oben stehen, den wollten wir nicht über die Steigung an der Küste schieben. Auf dem Rückweg fanden wir einen besseren Weg. Abends ging Karin eine recht große Runde im Wald laufen.

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