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Vier Wochen auf Gotland

Karl Brodowsky 1998-07-03 bis 1998-08-02, geschrieben 1998

Dritte Woche

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(1) 1998-07-20

An diesem Tag war Christina leider ein bißchen krank. Ich machte mit den drei großen Kindern einen recht kleinen Spaziergang auf einem Steinwall, den man etwas nördlich von Slite ins Meer gebaut hatte. Da hatte man eine schöne Aussicht auf die Inselwelt und ein gegenüber von einer Bucht liegendes Ufer.

Karin machte danach noch alleine eine viel längere Joggrunde zu Fuß und ganz zum Schluß fuhr ich noch nach Vägume, zu der gegenüberliegenden Seite jener Bucht, die man von dem Steinwall aus gesehen hatte. Dort befand sich eine Kalkfabrik aus alten Zeiten. Daß der Hinweg wieder ein Umweg war, brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen, da war ich über die Straße in Richtung Tingstäde gefahren und dann von deren Kreuzung mit der N 148 über eine kleinere Straße nach Vägume. Auf dem Rückweg fuhr ich den Umweg über Lärbro.

(2) 1998-07-21

Bei ihren abendlichen Joggrunden hatte Karin einen vielversprechenden Waldweg entdeckt, der fast so gut wie unser Lieblingsweg in Lummelunda sein könnte. Das wollten wir einmal probieren. Tatsächlich kamen wir erst an der Küste und dann im Wald parallel zur N 147 bis kurz vor die Stelle, wo sich die N 147 mit der N 148 bei Lärbro vereinigt. Aber auf dem Rückweg krachte der Kinderwagen und irgendwas war nicht in Ordnung. Erst auf den zweiten Blick ließ sich erkennen, daß vielleicht eine Niete den Löffel abgegeben hatte, die das Gestänge zusammenhielt. Für den Weg zurück reichte es aber noch, man konnte das irgendwie zusammenbinden und Christina zur Entlastung des Kinderwagens in der Rückentrage haben. Ich machte mich sofort mit dem Kinderwagengestell im Anhänger auf den Weg zu den verschiedenen Tankstellen und Werkstätten. Die hatten zwar alle noch für Verkauf offen, aber die Werkstatt war nicht mehr erreichbar und man bat mich, am nächsten Tag wiederzukommen.

Eine kleine Abendrunde nach Tingstäde ließ sich trotz des Pechs mit dem Kinderwagen nicht vermeiden. Auf der Landkarte hatte ich einen Feldweg oder so etwas gesehen, der in die Richtung führen sollte und gegenüber der Straße noch eine Ecke abzuschneiden schien. Also bog ich in jeden Feldweg nach links ein. Der erste davon war ein Stichweg, der an einem Gitter endete. Dahinter war die breite Sandstraße und diesmal waren darauf auch Fahrzeuge unterwegs. Zweiachsige Industrielastwagen mit 85 Tonnen Zuladung fuhren Material zur Zementfabrik. Aus der Nähe sahen die sehr groß aus. Aber das war der falsche Weg. Der nächste Weg führte in der Nähe der Brücke über die Industriestraße vorbei und endete wieder. Aber auf der anderen Seite der Brücke gab es einen Feldweg parallel zur Industriestraße. Nicht ganz das, was die Karte versprach, aber immerhin. Irgendwo war dann vielleicht 5 Kilometer von Slite ein riesiger Steinbruch. Die Gegend von dem Steinbruch und überhaupt südlich des Sees nennt sich übrigens File Hajdar. Das ist eigentlich eine ganz tolle Landschaft, wo man auch kilometerweit keine Straße mehr außer dem rumpeligen Feldweg findet, wenn man einmal die Industriestraße mit dem großen Steinbruch hinter sich gelassen hat. Der Weg wurde schlechter und schlechter, das Licht auch. Ob das noch etwas wird? Ich kam noch bei einem kleinen Steinbruch aus alten Zeiten vorbei. Da kam dann das Schild, das vor einem militärischen Sicherheitsbereich warnte, in den die Straße hineinführte. Also fuhr ich etwas zurück bis zu dem kleinen Steinbruch und dann auf einem anderen Weg weiter. So umfuhr ich den See im Süden und dann im Westen und kam nach Tingstäde.

(3) 1998-07-22

Am nächsten Tag nahm dann die zweite Tankstelle den Auftrag zur Reparatur des Kinderwagens an und gab die Zusage, das so um 14:00 fertig zu haben. Das war auch zu einem fairen Preis erledigt. Irgendwie reichte es an diesem Tag nicht für eine größere Unternehmung, aber als der Kinderwagen in der Werkstatt war, ging ich mit Ulrich und Bernhard erstmal zu der ersten Stelle, von der man die Industrielaster sehen konnte. Wir fuhren dann noch über die Brücke, gingen ein bißchen herum und kamen schließlich auf dem anderen Weg nach Slite zurück.

Mit dem reparierten Kinderwagen sahen wir uns erstmal den Strand von Slite an. Der war ja echt schön. Übrigens war das früher einmal eine Besonderheit, daß an diesem Strand Männer und Frauen am selben Strand zur selben Zeit baden durften. Immerhin durften sie das immer noch, als wir dort waren.

Abends wollte ich dann wieder eine kleine Runde fahren und diesmal ging es auf der N 146 nach Gothem. Das war eine ganz tolle Strecke.

(4) 1998-07-23

Nun war auch einmal ein gemeinsamer Besuch in Tingstäde fällig. Von Lummelunda aus war das mit den Bussen nicht so gut zu schaffen, aber von Slite kein Problem, sogar ohne Umsteigen. Also fuhren wir erstmal los und kamen dann auch nach kurzer Fahrt dort an, zur Abwechslung einmal alle mit dem Bus. Aber irgendwie war das ohne Schwimmzeug doch nicht so toll, also machte ich mich zu Fuß auf den Weg nach Slite.

Da war es mir nun doch zu blöd, um das Militärgebiet herumzulaufen, und ich erfuhr auch, daß das gar nicht nötig sei und daß die Sperrung eigentlich nur für die Zeiten gelte, in denen dort herumgeballert wird. So hatte ich eine recht schöne Wanderung bis kurz vor Slite und den Rest schaffte ich auch noch. Inzwischen war mir klar, daß jener vermißte Feldweg doch die eigentlich gar nicht so unauffällige Industriestraße war. Mit dem Fahrrad bis Tingstäde war dann auch nicht die große Geschichte und dort konnten wir dann doch noch in dem See baden.

Abends machte Karin einen kleinen Ausflug mit dem Fahrrad in Richtung Gothem. Sie fuhr nicht ganz bis Gothem, aber dafür gab es unterwegs einige Dinge, die ich doch übersehen hatte. Insbesondere gab es eine ganz tolle Schiffsetzung aus der Bronzezeit, von der man sagt, daß sie das Grab des Entdeckers von Gotland sei. Außerdem gab es noch zwei alte Fluchtburgen aus diesen alten Zeiten und die Landschaft ist sowieso genauso toll gewesen wie auf meinem Ausflug. Besonders schön waren auch die Rauksteine, die direkt am Straßenrand lagen.

(5) 1998-07-24

Weil es sowieso ein Regentag war, dachten wir daran, einmal die Zementfabrik zu besichtigen. Es gab kostenlose Besichtigungstermine und auch ein kostenloses Zementmuseum, das allerdings die kleinere Attraktion war. Wegen des Wetters waren aber auch recht viele Leute auf die Idee gekommen, so daß es recht voll wurde. Ich kam mit dem Übersetzen für uns kaum hinterher, aber die Sache war schon sehr eindrucksvoll.

Abends machte ich einmal wieder eine kleine Runde. Erstmal fuhr ich auf dem direkten Weg über die N 147 und die N 148 nach Fårösund, dann auf dem Rückweg über kleinere Straßen südlich der Nationalstraße zurück. Das war eine ganz tolle Runde, sowohl der Hinweg als auch der Rückweg. Irgendwo gab es so eine Wand wie bei einer kleinen Steilküste mitten im Landesinnern, die sich für eine ganze Strecke neben der Straße entlangzog.

(6) 1998-07-25

Nach so vielen Tagen in Slite und Umgebung dachten wir wieder einmal an eine etwas weitere Fahrt. So nahmen wir den Bus von Slite nach Visby und von dort in Richtung Klintehamn. In der Gegend von Tofta gab es ein Wikingermuseum (Vikingaby), das besonders interessant war, weil man da nicht nur alte Dinge besichtigen konnte, sondern auch mitmachen durfte. In der Schmiede konnte man selber hämmern. Außerdem konnte man Körner mahlen, Brot backen, Baumstämme werfen u.s.w.

Natürlich stimmt nicht alles, was so über die Wikinger erzählt wird. Die Hörner am Helm wie bei Hägar (schwedisch Hagbard) wären zum Beispiel in der täglichen Kampfpraxis nicht sinnvoll gewesen und es soll sie zumindest bei den Wikingern auch nicht gegeben haben. So extrem war das mit der täglichen Kampfpraxis auch wieder nicht, die meisten Wikinger waren Bauern und haben ihr Land nie auf dem Seeweg verlassen. Nur wenige sind zur See gefahren oder besaßen sogar selber ein Schiff. Und diese Seefahrt diente zu einem großen Teil dem Handel. Der war zu diesen Zeiten recht lukrativ, denn das Vordringen des Islam versperrte die seit der Antike bedeutsamen Handelswege zwischen dem europäischen Mittelmeerraum und Asien. Dadurch wurden die viel aufwendigeren und teureren Handelswege über die Ostsee und die russischen Flüsse konkurrenzfähig und gaben den Wikingern, die diese Handelswege beherrschten, eine Einnahmequelle, die möglicherweise den Anstoß oder die Grundlage für umfangreiche Aktivitäten außerhalb der Heimat gegeben haben könnte. Zu dieser Zeit wurde jedenfalls eine erhebliche Aktivität und damit der Beginn der Wikingerzeit im übrigen Europa sichtbar. Aber die Wikinger sind natürlich ein langes und interessantes Thema.

Der Rückweg mit dem Bus klappte wieder ganz gut, nur fuhr der Bus zu der angegebenen Zeit einfach vorbei. Das lag daran, daß in der Nähe des Vikangabyn ein sehr schöner Strand ist und deshalb mußten drei Busse kurz hintereinander fahren, um alle Leute mitzunehmen. Der dritte hatte dann genug Platz für uns.

Abends war wieder eine kleine Fahrt nach Tingstäde angesagt, denn wenn man außerhalb der Ferien den ganzen Tag hinter irgendwelchen Schreibtischen und Computerbildschirmen sitzt, dann macht es sich doch recht gut, wenigstens in den Ferien fast täglich durch das Schwimmen ein bißchen Bewegung zu bekommen. Für den Rückweg wählte ich eine Strecke über Hejnum, die zwar ein bißchen länger war, aber doch einiges zu sehen bot, insbesondere die Fundamente eines alten Gutshofes aus der Bronzezeit.

(7) 1998-07-26

Für diesen Tag hatten wir uns wieder eine von den Nachbarinseln ins Auge gefaßt, die irgendwie noch zur Gemeinde und Provinz (Län) Gotland dazugehören. Das führte uns nach Fårö, von Slite aus mit dem Bus kein Problem. Bekannt ist Fårö ja eigentlich für die Rauksteine, aber die hatten wir ja schon in Lickershamn und an der N 146 in Richtung Gothem gesehen. So fuhren wir ein Stück weiter in Richtung Sudersand. Dort gab es ein riesiges Dünengebiet, in dem wir eine ausgedehnte Wanderung unternahmen. Der größte Knalleffekt war eine Rutschbahn aus Sand an einem Hang. Außerdem gingen wir noch am Strand schwimmen.

Abends machte Karin noch eine kleine Runde mit dem Fahrrad nach File Hajdar.

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