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Von Årnes nach Trondheim

Karl Brodowsky, gefahren 2008-07-12 bis 2008-08-10, geschrieben 2010

Teil 1

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Auf unserer Reise vom Sommer 2000 war Östersund einer der Orte, die uns gut gefallen haben. Bernhard war wahrscheinlich das letzte Mal dabei und da konnte er sich wünschen, daß wir durch Östersund kommen. Also wollten wir in diesem Jahr da vorbeikommen und auch den einen oder anderen Ruhetag einplanen. So überlegten wir uns, von Oslo aus dorthin zu fahren. Ideal wäre es wohl gewesen, von Göteborg nach Östersund zu fahren, aber dafür waren doch unsere Sommerferien etwas kurz, also planten wir Oslo.

Die Anreise bewältigten wir auch diesmal wieder mit Zug und Schiff. Der Nachtzug war wieder CityNightLine und das Schiff von Kiel nach Oslo Color Magic von der Color Line. Das brachte uns nach Oslo. Eigentlich wollten wir auf dem Rückweg über Jütland fahren und hatten bei derselben Reederei eine Fahrt von Oslo nach Hirtshals gebucht. Die wurde uns aber auf Oslo - Kiel umgebucht, da die Verbindung nach Hirtshals kurzfristig eingestellt wurde. Diese Schiffsfahrt ist immer ein bißchen teuer, aber sie ist auch für sich schon ein kleines Erlebnis. So bekamen wir die Fahrt Oslo - Kiel zum Preis der Fahrt Oslo - Hirtshals und konnten uns die dänische Bahn sparen.

In Oslo hatten wir keine Lust, die Fahrt aus der Stadt heraus selber zu bewältigen. Von unseren Reisen in den Jahren 2002 und 2007 kannten wir diese Teilstrecke auch schon. Da Oslo und vor allem die nordöstlichen Vororte nicht so radfahrerfreundlich sind, waren das nicht einmal die schönsten Teilstrecken der Reise gewesen. So fuhren wir nur bis zum Bahnhof und konnten dort gleich in einen Zug nach Årnes einsteigen. Das ist ungefähr 60 km nordöstlich von Oslo im Glåmmatal. Ab dort hatten wir wirklich nur noch eine ziemlich wenig befahrene Nationalstraße auf dem Südufer des Glåmma und erst kurz vor Kongsvinger nahm der Verkehr zu.

Eigentlich wollten wir nach Torsby, aber die Abzweigung von der N 20 auf die N 200 nach Torsby ignorierten wir, da wir diese Strecke schon 2002 gefahren waren. Etwas weiter nördlich kam die N 205, die auch in diese Richtung führen sollte. Und tatsächlich kam so gegen Abend ein Wegweiser auf die N 202, der wieder in Richtung Torsby führte, praktisch gleich weit wie wenn wir dem ersten Wegweiser gefolgt wären. Dort war es für uns aber schon Zeit, eine Stelle im Wald für die kommende Nacht zu suchen.

Am nächsten Tag fuhren wir durch eine Gegend, die Finnskoga heißt, was auf Deutsch übersetzt etwa "Finnenwald" wäre. Das heißt so, weil sich dort auf beiden Seiten der Grenze vor langer Zeit Leute aus Finnland angesiedelt haben. Heute spricht fast niemand mehr Finnisch und die Namen mußte man auch in typisch schwedische Namen ändern, als noch härtere Sitten in Schweden herrschten. Aber der alte finnische Name der Vorfahren ist wohl noch den meisten bekannt. Am frühen Nachmittag kamen wir nach Torsby. Die Strecke kam uns diesmal gar nicht so schwierig vor wie noch 2002. Der Zeltplatz von Torsby liegt etwa 5 km südlich der Stadt und dort waren wir schon 1999 und 2002 sehr gerne gewesen.

Wir blieben zwei Nächte und die Kinder wollten eine echten Ruhetag haben und maximal bis nach Torsby zum Einkaufen mitfahren. So fuhr ich mit Ulrichs Fahrrad nach Ekshärad und dann über die Brücke über den Klarälven. Auf der anderen Seite führte die Straße nach Hagfors, wo es sogar ein bißchen hügelig, aber nicht wirklich bergig war. Hier sollte es eine alte Bahnlinie geben, die heute asphaltiert ist und mit Fahrrädern befahren werden kann. Die Bahnlinie ging zwar mindestens bis Hagfors, aber erst in Uddeholm fing die Asphaltierung an. Leider ist diese schöne Strecke ein wenig entwertet, weil jeder noch so kleine querende Waldweg Vorfahrt hatte und weil in Munkfors dann noch Gitter im Weg waren, die man mit dem Tandem oder mit Anhänger nicht passieren könnte. Auch mit dem Solofahrrad verhinderte sie ein flüssiges Fahren. So würde ich doch empfehlen, auf der N 62 und nicht auf dieser eigentlich schönen ehemaligen Bahntrasse zu fahren. In Munkfors waren auch die Verknüpfungen zum restlichen Straßennetz, insbesondere zur parallel verlaufenden N 62 nicht so gut, aber es gelang mir doch, auf die Nationalstraße zu kommen und dann auch schon bald wieder abzubiegen in Richtung Sunne. Von dort folgte ich der E 45 auf dem Westufer und war abends um 21:00 oder so nach etwa 170 km wieder auf dem Zeltplatz.

Von Torsby waren wir 1999 an zwei Tagen bis Malung gefahren und die Tagesetappen waren nicht einmal einfach. Diesmal wollten wir das an einem Tag schaffen. Das erste Stück kamen wir durch ein breites Tal an ein paar Seen vorbei. Die N 45 war seit unserem letzten Aufenthalt in dieser Gegend inzwischen zur Europastraße geworden, wir fuhren also auf der E 45. Das Tal ging mehr und mehr in eine hochgelegenes Hügelland über, ab Vitsand war die Europastraße ein ganz kleines Sträßchen und es waren dann immer wieder steile Anstiege und Abfahrten zu bewältigen. Dafür konnte man sehr schöne Pausenstellen an den vielen kleinen Seen und Flüssen finden. Es kam wieder eine großzügig ausgebaute Abfahrt nach Stöllet, wo wir den Klarälven überquerten und diesmal bei dem Zeltplatz nur eine kurze Pause machten.

Auf der anderen Seite stieg die Straße wieder steil an und überquerte die nächste Hochebene. Das war eine sehr einsame und schöne Gegend mit sehr wenig Verkehr, auch wenn dort die E 45 sie seit 1999 sehr großzügig ausgebaut worden ist. Ein bißchen Regen gab es da oben auch noch, das muß wohl unser Schicksal auf diesem Straßenabschnitt sein. In Malung war irgendein Tanzfestival oder so etwas. Der Zeltplatz war jedenfalls sehr voll, aber wir fanden trotzdem noch problemlos Platz und wollten gleich zwei Nächte bleiben.

Ich durfte an dem Ruhetag Heidruns MTB ausleihen und eine kleine Runde nach Norden fahren. Auf der östlichen Seite des Västerdalsälven war eine Nationalstraße. Man konnte immer wieder den Fluß in der Nähe der Straße sehen. Es gab einige Brücken, aber die wurden nach Norden hin mit der dünneren Besiedlung auch weniger. In Lima hatten wir 1999 auf dem Weg von Mora nach Trysil den Fluß überquert und mußten wegen der Brücke einen ziemlich großen Umweg nach Süden machen. Dort überquerte ich auch diesmal den Västerdalsälven. Auf der anderen Seite wollte ich zurückfahren. Das waren größtenteils Sandwege, ungefähr wie ein normaler mitteleuropäischer Forstweg. Bei jeder Brücke wiesen die Wegweiser nach Malung auf die andere Seite. Dadurch hatte ich die Straße fast für mich alleine, es war nur nicht immer so leicht, den Weg zu finden. Der Westuferweg hatte natürlich viele Verzweigungen, wo man oft abbiegen mußte. Manchmal stieg er weit den Hang hinauf und so bot er eine etwas längere Fahrt als die Straße auf dem Ostufer, aber es war eine sehr schöne Strecke. Irgendwie fand ich immer die richtigen Wege und kam abends so gegen 18:00 wieder zum Zeltplatz zurück.

Die Fahrt von Malung nach Mora ließ sich recht zügig bewältigen. Es gab zwar zwei Wasserscheiden zu überwinden, erst vom Västerdalsälven zur Venån und dann weiter zum Österdalsälven. Aber die sind auf der E 45 nicht sonderlich hoch und wir hatten einen guten Tag, gutes Wetter und überhaupt war die Welt in Ordnung, weil es nach Mora ging, das ja immer noch eine gewisse Beliebtheit hatte. So kamen wir auf Durchschnittsgeschwindigkeiten, die auf dem Rest der Reise nie wieder mit Gepäck erreicht wurden. So waren wir schon ungefähr um 19:00 beim Zeltplatz.

Die Strecke ist sehr schön, man fährt durch große Wälder mit vielen Seen und Flüssen und Mooren dazwischen und es gab bis in die Nähe von Mora nur wenige Orte. Den Zeltplatz kannten wir schon gut und wir suchten uns wieder ungefähr dieselbe Stelle für unsere Zelte aus, wo wir 2000, 2002 und 2006 gewesen waren.

Teil 2

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Der erste Ruhetag in Mora war fast ein Unruhetag. Wir wollten zum Bärenpark fahren und fanden es eine lustige Idee, den kleinen Umweg über das Westufer des Orsasees zu wählen, wo man durch viele Dörfer mit sehr schönen dunkelroten Holzhäusern kommt, wie sie sonst im Freilichtmuseum oder auf dem Zeltplatz von Mora stehen. Wir nahmen auch kurz vor Orsa die normale ausgeschilderte Straße nach Grönklitt und Fryksås, aber verließen diese dann bald bei einem Waldweg nach rechts, der eine kleine Abkürzung versprach. Diese Waldwege sind in Schweden und Norwegen nur selten durchgehend. Normalerweise sind es Sackgassen, die bei einer großen Wendeschleife enden. Man hat mir einmal erklärt, daß man damit Holzdieben das Handwerk erschweren wolle. Dieser Waldweg führte aber, wenn man ein paar Male richtig abbog, wieder auf die Straße nach Grönklitt, sogar mit einer kleinen Abkürzung, wie wir meinten.

Der Bärenpark war inzwischen stark vergrößert worden, insbesondere war das frühere Eingangsgebäude jetzt mittendrin. Neu gab es einen Bereich für Tiger und es wurde auch schon ein Bereich für Eisbären gebaut. Leider war an diesem Tag das Wetter nicht ganz so gut, wir hatten viel Regen und viel Wind, aber es war ja trotzdem gut. Auf dem Rückweg hatten wir natürlich erst einmal für etwa 12 km eine Abfahrt, die wir diesmal natürlich auf der gut asphaltierten normalen Straße fuhren und unten kurz vor Orsa nahmen wir diesmal lieber wieder den Weg auf dem Westufer des Sees. Normalerweise sind wir 1999, 2002 und 2006 auf dem Rückweg über die E 45 (damals natürlich noch N 45) gefahren.

An unseren zweiten Ruhetag blieben die Kinder alle auf dem Zeltplatz und Karin und ich machten jeder eine Runde. Ich fuhr mit Heidruns MTB ein Stück am Österdalsälven stromaufwärts und dann über Waldwege nach Venjan. Mora hat eine sehr interessante Lage am Rande des skandinavischen Hochgebirges. Man kann also einerseits auf 100 m oder weniger über Meershöhe durch die östliche Hälfte von Schweden zur Ostsee kommen, andererseits rücken dort die Ausläufer des Gebirges im Westen zusammen und es gibt auch östlich von Mora noch recht bergige Gebiete, die aber nicht mehr so stark zusammenhängen. Auf diesem Weg nach Venjan kommt man also auch immer wieder über noch relativ flache Abschnitte mit Seen, dann aber doch auch schon über einige kleine Berge. Sehr schöne Seen gab es auf dieser Strecke. Für den Rückweg gibt es sogar eine asphaltierte Straße mit blauen Wegweisern. Die anderen Straßen von Venjan sollten zumindest 2008 noch bald in Sandwege übergehen, auch wenn sie Hauptstraßen mit blauen Wegweisern waren. Aber nach Mora gab es auch eine zweite, kürzere und sandigere Strecke, die ich jetzt nahm. Sie war etwas südlicher als die Strecke auf dem Hinweg und führte doch über einige Berge, mit schöner Aussicht. Am Schluß der Fahrt bog ich ungefähr 6 km vor Mora nach Süden ab und kam auf die Insel Sollerön, wo Karin unterwegs war. Aber es reichte nicht mehr, um sie einzuholen. Sollerön ist eine uralte Kulturlandschaft und man findet überall Reste von alten Besiedlungen.

Für die Weiterfahrt nach Norden wählten wir diesmal nicht die E 45, sondern eine Verbindung über Älvdalen und Lillhärdal. Wir nahmen diesmal wieder die kleine Asphaltstraße am Westufer des Österdalsälven über Gopshus und Oxberg. Parallel zur Straße verlief auch noch eine alte Bahnstrecke von Mora nach Älvdalen, die wahrscheinlich sporadisch für Güterverkehr verwendet wurde. In dieser Gegend hat der Fluß dauernd Staustufen und Stauseen. In einem See verläuft die Bahnstrecke auf einem Damm durch eine Bucht und schneidet diese bis auf ein paar Durchlässe vom Rest des Stausees ab.

Im Norden von Älvdalen fanden wir unsere Straße nach Lillhärdal. Nach ein paar Kilometern hatten wir die fast für uns alleine, es gab auf 100 Kilometern kaum Häuser und schon gar nicht Orte, erst Lillhärdal war wieder mit einer gewissen Anzahl Einwohnern vertreten. Das erste Stück des Weges fuhren wir in einem schmalen Tal neben einem kleinen Fluß. Mit der Zeit kamen wir höher und das Tal wurde breiter und der Fluß kleiner. Am Abend fanden wir eine sehr schöne Zeltstelle im Wald. Ein Waldweg zweigte von unserer Straße ab und führte den Hang hinauf. Wo wir die Zelte aufbauten, hatten wir schon eine sehr schöne Aussicht.

Am Dienstag kamen wir dann bald über den höchsten Punkt. Die Berge waren hier schon höher als auf der E 45, die zwischen Mora und Östersund zweimal weit nach Osten in flachere Gegenden ausweicht. Aber es war noch gut zu bewerkstelligen und die Aussicht war schön. Wir fanden eine schöne Pausenstelle bei einem Rastplatz mit einem Wasserfall unter einer Brücke. Am späten Nachmittag kamen wir nach Lillhärdal. Die Strecke war jetzt immer noch schön und wenig befahren, aber den fast autofreien Teil zwischen Älvdalen und Lillhärdal hatten wir jetzt hinter uns gelassen. Abends kamen wir nach Sveg.

Einen Ruhetag in Sveg wollten wir uns unbedingt vornehmen. Wir mußten einen Fahrradladen für ein paar Reifen, Schläuche oder so etwas finden, was erstaunlicherweise in dem kleinen Ort irgendwie gelang. Wir fanden heraus, daß Henning Mankell in Sveg aufgewachsen ist, worauf der kleine Ort natürlich sehr stolz ist.

Diesmal war ein bißchen Kanufahren dran und wir mieteten uns zwei Boote und paddelten die Ljusån, die direkt am Zeltplatz vorbeifließt, stromabwärts. Stromaufwärts kann man relativ gut bis zu einem Staudamm paddeln, der ein paar Kilometer vom Zeltplatz entfernt liegt. Stromabwärts machte sich die nächste Staustufe bald bemerkbar und wir hatten kaum noch Strömung. Man konnte in einige kleine Buchten fahren, die so warmes Wasser hatten, daß man es durch das Kanu hindurch spüren konnte. Überhaupt wirkten die Ufer hier ziemlich naturbelassen, so daß man das Gefühl hatte, sich in einem Urwaldfluß zu bewegen. Dabei war ja das ganze Gewässer in seiner heutigen Form doch Teil einer ziemlich künstlichen Staustufe.

Für den Nachmittag wollte ich den Stausee oberhalb von Höljes umrunden, wofür mir Heidrun netterweise ihr MTB auslieh. Durch Sveg durch kam ich zum Bahnhof und dann über die gemeinsame Straßen- und Eisenbahnbrücke auf die Straße nach Lillhärdal. Der Zug der Inlandsbahn, der nur einmal pro Tag in jeder Richtung fährt, kam genau in diesem Moment vorbei. Bei diesen Gelegenheiten wird die ganze Brücke wie ein Bahnübergang für den Straßenverkehr gesperrt und gehört ganz dem Zug, der wie eine Straßenbahn über die Brücke fährt.

Irgendwann kam dann die Brücke nach Härrö, einer kleinen Halbinsel mit einem noch kleineren Ort in dem Stausee. Nach dem Ort wurde die Straße ein Sandweg und man konnte eine Weile nichts von dem See sehen, dafür war es eine schöne Strecke in der Art wie der Weg von Venjan nach Mora. Der nächste Abschnitt war aber eine kleine Asphaltstraße, die über lange Strecken am Seeufer entlangführt und dann mit einer Brücke über den noch aufgestauten Fluß bis zur N 84 führte. Ich fuhr hier noch einen kleinen Umweg nach Norden, wo man noch die Reste der Trasse einer alten Bahnstrecke sehen konnte, die früher einmal von Sveg nach Vemdalen geführt hat. Dann fand ich einen Umweg nach Süden zwischen der N 84 und dem Stausee, der über recht holperige Waldwege führte. Ich kam noch an der Staumauer vorbei und irgendwann wurde der Waldweg eine innerörtliche Straße von Sveg.

Für die Fahrt nach Östersund gibt es wieder eine westlichere Alternative zur E 45. Diese wurde an Rastplätzen offensiv empfohlen, da sie zu einem großen Teil für 110 km/h ausgebaut (und zugelassen) ist und auch noch kürzer als die Europastraße ist. Nur für Lastwagen wurde die E 45 empfohlen, weil sie zwei größere Steigungen vermeidet, die dieser Schleichweg haben sollte. Man muß das alles relativieren, in dieser Gegend ist das Verkehrsaufkommen sowieso nicht so hoch, außer in der Nähe von größeren Orten. Für uns wäre wahrscheinlich die Europastraße trotz der etwas größeren Entfernung schneller gewesen, aber wir wollten uns jetzt doch einmal diese Ausläufer des skandinavischen Gebirges anschauen.

Die ersten Kilometer auf der N 84 und dann auf der N 514 kamen wir sehr gut voran. Das Wetter war gut, die Straße war gut, uns ging es gut und wir hatten wenig Verkehr und auch noch keine von den angedrohten Steigungen. Die Gegend war wieder sehr schön, wie meistens in diesem dünn besiedelten Gebiet am Rande des Gebirges. In Vemdalen konnten wir eine Pause machen und auch etwas einkaufen. Danach kam bald der erste Anstieg. Die Straße führte genau auf einen Berg zu. Sie könnte links vorbei oder rechts vorbei führen, aber ein Tunnel war hier wohl nicht vorhanden. Wir fuhren auf einem Grat oder Kamm mit einer ordentlichen Steigung immer weiter hoch. Mal gab es eine Linkskurve und es sah so aus, als würden wir links vorbeifahren, dann wieder eine Rechtskurve und es sah so aus, als würden wir rechts vorbeifahren. Letztlich fuhren wir rechts, also südöstlich, an dem Berg vorbei, danach kam dann eine Linkskurve und auf der anderen Seite eine Abfahrt. Die nächste Auffahrt fing im Ort Klovsjö an und führte über einen bewaldeten Paß. Danach hatten wir eine sehr schöne und schnelle Abfahrt bis zur E 45 und fanden ein paar Kilometer nördlich in Åsarna einen Zeltplatz. Ein Radfahrer, der schon in Sveg neben uns gezeltet hatte, kam auch irgendwann an, er hatte aber lieber die E 45 genommen.

Am Freitag war es sehr warm und ein bißchen dunstig. Wir kamen an vielen Seen vorbei, vor allem östlich der Straße, aber bald kam in Svenstavik schon westlich von uns der Storsjön, einer der größten Seen in Schweden. Dessen Ufer sollten wir bis Östersund folgen. Wir fanden eine sehr schöne Badestelle, die bei dem Wetter natürlich viele Besucher anzog. Sie war aber witzigerweise bei einem kleinen See östlich der Straße und nicht beim Storsjön. Danach verließen wir die E 45, die hier mal wieder einen Bogen nach Osten macht, um den östlichen Arm des T-förmigen Sees zu umfahren und die große Halbinsel zwischen dem südlichen und östlichen Arm großzügig abzuschneiden. Den Umweg brauchten wir nicht zu wählen, weil die Seeuferstraße in Östersund Brücken hat, die von beiden Seiten auf eine Insel führen. So konnte wir die ganze Zeit in der Nähe des Seeufers fahren und nach dem Seeungeheuer Ausschau halten, das es ähnlich wie in Loch Ness ganz bestimmt hier geben sollte. Wir haben es nicht geglaubt, aber einige haben es sicher gesehen und fotografiert. In der Nähe von Östersund wurde der Verkehr wieder mehr und die zweite Brücke war wohl auch mit einem Fahrradverbot versehen, aber wir wollten jetzt auch nicht mehr die 80 km um den östlichen Seearm herum fahren. In Östersund war irgendein Fest, so daß die erste Abfahrt nach der Brücke gesperrt war, weil dort alles voll mit Jahrmarkt- und Bratwurstbuden war. Aber wir kamen irgendwann doch zu unserem Zeltplatz.

Teil 3

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In Östersund wollten wir zwei Ruhetage machen. Wir fuhren natürlich zum Jamtli. Das ist ein großes Museum, das wir gleich an zwei Tagen nacheinander besuchten. Natürlich mußten wir uns wieder das Tuch von Yttrehögdal ansehen. Das ist ein riesiger Wandteppich aus der Wikingerzeit. Niemand weiß genau, was die dort dargestellten Szenen für eine Geschichte darstellen wollen, aber das regt die Phantasie an. Eine Variante bezieht sich auf dir nordische Mythologie aus der vorchristlichen Zeit, als man glaubte, daß eines Tages der böse Fenriswolf die ganzen Götter und alles auf der Erde und auch gleich noch die Sterne auffressen würde. Das nennt man Ragnarök. Dafür konnten wir jetzt unseren Irrtum bezüglich des Seeungeheuers des Storsjön erkennen. Es gibt dieses doch und zwar in Form einer Rutschbahn zwischen verschiedenen Stockwerken des Museums.

Im Freileichtmuseum war es witzig, daß bei den einzelnen Häusergruppen jeweils eine Zeitperiode dargestellt wurde. Die Leute waren dann so gekleidet wie damals, versuchten so zu sprechen wie damals, die Sitten nachzubilden und man wurde auch eingebunden. So konnte man sich viel besser vorstellen, wie diese verschiedenen Zeiten wohl gewesen sein mögen. Besser als diese Führungen "u-u-u-n-d h-i-i-e-r [gähn] s-e-e-h-e-n s-i-i-e d-e-e-n A-a-n-b-a-a-u a-a-u-s d-e-e-e-m a-a-c-h-t-z-e-e-e-h-n-t-e-n J-a-h-r-h-u-u-n-d-e-e-r-t [gähn] ..."

Abends suchten wir uns am ersten Tag eine Badestelle in der Nähe des Zeltplatzes. Am Sonntag fanden wir noch eine schönere Badestelle in der Nähe des Jamtli. Ich fuhr am Sonntag abend noch eine Runde auf die Insel Frösön. Das ist eine Insel in einem See, auf der es natürlich wieder einen See gibt. Wahrscheinlich hat der auch wieder Inseln...

Östersund liegt ziemlich genau in der Mitte von Schweden, sowohl für die Nord-Süd-Ausdehnung als auch für die Ost-West-Ausdehnung. Östlich von Östersund wird es eher flach und die Täler zwischen den Gebirgsausläufern werden sehr breit, wie in Mora, westlich kommt die gebirgige Hälfte von Schweden. Wir wollten jetzt rüber nach Norwegen zum Nordatlantik. Da würden bestimmt einige Pässe zu bewältigen sein, aber sowas schaffen wir ja jetzt schon recht gut. Die Zeit erlaubte uns noch einen schönen Bogen nach Norden zu fahren und nicht direkt auf Trondheim zuzufahren. Aber wir fuhren am Montag doch erst einmal ein Stück in Richtung Trondheim auf der E 14. Die Kinder und ich nahmen die nächste Auffahrt nördlich des Zeltplatzes. Karin machte noch einen Besuch in der Innenstadt zum Einkaufen, weil wir jetzt nach Nordwesten fahren würden, durch Gegenden mit sehr eingeschränkten Einkaufsmöglichkeiten. Der Weg über Frösön und die dritte Brücke südlich von Krokum wäre eine interessante Möglichkeit gewesen, aber das war ein Umweg, der an diesem Tag nicht konsensfähig war. So nahmen wir lieber die E 14.

In der Nähe von Krokum trafen wir uns wieder. Dort gab es einen sehr schönen Rastplatz an einem See. Danach wollten wir wirklich nach Norden und wir kamen auf die gut ausgebaute N 340, die ziemlich konsequent nach Nordnordwesten führte und sehr wenig Verkehr aufwies. Es ließ sich jetzt sehr zügig fahren und wir kamen gut voran. Diese Straße hieß jetzt Fiskevägen, was wohl darauf anspielen sollte, daß die Angler hier viele Fischen fangen können oder zumindest gebeten werden, viel Geld für Angelscheine auszugeben. Mindestens gab es sehr schöne Stellen, wo man sicher wegen der Landschaft gerne eine kleine Pause macht und ein bißchen angelt, auch wenn nachher doch keine Fische beißen. Schöne Seen und Flüsse gefielen uns auch ohne Angelausrüstung.

Gegen Abend endete die großzügig ausgebaute Strecke, aber wir hatten immer noch eine normale zweispurige asphaltierte Straße. Es kamen jetzt Abschnitte, wo wir auf der Ostseite langgestreckte Seen hatten und von hochgelegenen Abschnitten der Straße eine sehr gute Aussicht genießen konnten. Wir fanden später in Rötviken einen Zeltplatz an einem See. Morgens mußten wir noch den Zeltplatzwart suchen, um zu bezahlen.

Am Dienstag fuhren wir erstmal weiter nach Norden. Die Straße wurde jetzt kurviger, der Asphalt schlechter und die Berge an beiden Seiten des Tals höher. Aber wir blieben immer noch im Flußtal und hatten noch keine richtig großen Steigungen zu überwinden gehabt. Bald kam die norwegische Grenze und erst der Ort Sørli. Bis zum nächsten Ort mußten wir die Wasserscheide überqueren, aber selbst das war nur ein mäßig hoher Anstieg. Auf der anderen Seite kam natürlich der Ort Nordli und wir fuhren im nächsten Flußtal jetzt westwärts in Richtung Atlantik. Ein paar Kilometer nach dem Ort fanden wir in Brattland einen Zeltplatz an einem großen See, wo wir wieder für zwei Nächte bleiben wollten.

Für den Mittwoch durfte ich wieder Heidruns MTB ausleihen und ich fuhr am Nachmittag zurück nach Nordli. In einer Tankstelle konnte ich sogar eine Batterie für unsere Kamera kaufen. In dem Ort traf ich einen anderen Radfahrer aus Deutschland, der wohl auch schon oft in Norwegen gewesen unterwegs war. Auf meiner Landkarte war auf der Südseite des Sandsjøen eine kleine Nebenstraße eingezeichnet. Norweger, die ich dort traf, fanden es sehr lustig, daß ich da durchfahren wollte und meinten, daß dieser kleine Waldweg nur ein Stichweg sei und ich auf der Nationalstraße auf dem Nordufer fahren müßte, um an die östliche Ecke des Sees zu kommen. Aber der Waldweg war so schön und ich war ja bald weit genug weg, so daß sie wieder ungestört ihrem Automotor lauschen konnten.

Der Weg wurde tatsächlich immer steiler und immer schmaler. Bald war es offensichtlich nur noch ein Fußweg, der eher sporadisch benutzt wurde. Irgendwie ließ es sich mit dem MTB aber noch befahren. Dann war aber Schluß. Ein kleiner Fuß mündete in den See und da gab es keine Brücke und keine echte Furt. Aber es war ein sehr trockener Sommer und der Fluß führte wenig Wasser. So konnte ich alle empfindlichen Sachen in die Ortliebtasche packen und die Schuhe ausziehen und das Fahrrad vielleicht 50 oder 60 Meter weit tragen. Das klappte. Auf der anderen Seite war ein schöner Strand, wo ich gleich baden gehen konnte. Vom Strand mußte ich nur den Spuren folgen. Der Fußweg war hier schon wieder ganz gut und auch viel benutzt, bald war es wieder ein Waldweg und es kamen sogar ein paar Häuser.

Irgendwann war ich beim östlichen Ende des Sees angekommen und kam wieder auf die Nationalstraße. Nach Westen zurück wäre schon eine Runde um den See gewesen, aber es sollte noch weiter gehen, fast bis zur schwedischen Grenze. Der Kvesjøen war der nächste See. Er lag etwas höher und entwässert schon in Richtung Schweden und zur Ostsee. Auch diese Wasserscheide war nicht sehr hoch. Man kann also regelrecht von einer Lücke im skandinavischen Hochgebirge östlich von Namsos sprechen, in der es nur ein Mittelgebirge ist. Im Norden und Süden wird es viel höher und man muß immer über Pässe, die nicht ganz vernachlässigbar sind. Hier nicht. Das Nordufer des Sees hatte wieder einen Sandweg, der zum Teil genau an der schwedischen Grenze verlief. Ich konnte also für eine Pause kurz nach Schweden rüber. Im Westen des Sees kam ich dann auf eine asphaltierte Nebenstraße, die aber diesmal doch einen etwas größeren Paß überwand, um nach Nordli zu kommen. Es ging sehr steil hoch, man hatte eine schöne Aussicht, aber es sah dann manchmal fast so aus, als könnte man runterfallen. Oben war wie so oft ein kleines Moorgebiet. Der Rest bis zum Zeltplatz ging dann schnell.

Nun hatten wir die Wasserscheide ja schon überwunden und es müßte bis Namsos nur noch bergab gehen. Die Straße hieß jetzt übrigens Fiskeveien und das sollte bis Namsos so bleiben. Danach gab es auch noch Angler am Wegesrand und auch eine Fortsetzung des Fiskeveien nach Westen, aber das war dann nicht mehr unserer Route. Der Fluß führte aber nach dieser Gruppe von Seen durch eine enge Schlucht, in der man für die Straße keinen Platz gefunden hatte. So mußten wir jetzt doch noch einen größeren Anstieg bewältigen um oberhalb der Schlucht am Übergang von deren Kante zur Hochebene zu fahren. In der Nähe von Grong kamen wir über eine große Talbrücke. 1987 war die E 6 über diese Brücke geführt worden und es hatte dort einen schönen Regenbogen gegeben. Nun hatte man die teure Brücke aber für die Europastraße nicht mehr gebraucht und sie diente nur noch der Anbindung des Ortes Grong und der kleinen Nationalstraße nach Nordli und Schweden. Die neue E 6 führte uns jetzt westlich des Flußtales weit oberhalb von Grong nach Norden und wir konnten sie irgendwann wieder in Richtung Westen verlassen. Ausgerechnet neben dieser E 6 sahen wir Elche, direkt am Straßenrand. Später waren dann nochmal welche im Wald hinter den ersten Bäumen zu sehen.

Kurz danach kamen wir an einigen sehr schönen Hügelgräbern vorbei, die man aus der Nähe anschauen konnte. Auf einer ziemlich kurvigen und hügeligen Straße kamen wir bis in die Nähe von Namsos. Das letzte Stück verlief parallel zu der Bahnstrecke nach Namsos und die wiederum parallel zum Fluß Namsen. Der Zeltplatz lag ein paar Kilometer vor Namsos in der Nähe des Flugplatzes. Der war noch nicht stillgelegt, aber die Bahnstrecke wurde nicht einmal mehr von Güterzügen befahren.

Teil 4

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Am Freitag hatten wir einen Ruhetag in Namsos geplant. Karin und ich sahen uns noch ein wenig die Stadt an, aber die tollste Sache war, daß wir die Bahnstrecke jetzt selber befahren konnten. Beim Zeltplatz konnte man Draisinen mieten, die wie Fahrräder auf den Gleisen fuhren. Es gab sogar Tandemdraisinen, auf die wir alle zusammen gepaßt hätten, aber die waren dann schon alle weg, als wir ernsthaft und mit Geld unterlegt nachfragten. So nahmen wir zwei normale Draisinen und banden sie zusammen. So konnten wir zusammen und nacheinander mehrmals die Strecke bis zu beiden Enden ausprobieren. Es war ein lustiges Gefühl, mit diesem ratternden Ding mit relativ wenig Kraftanstrengung dort zu fahren. Die Bahnübergänge waren etwas nervig, weil die mit Sand zugeschüttet waren, so daß man absteigen mußte oder nur langsam fahren konnte. Auch bei Gegenverkehr hatte eine Richtung Vorfahrt und die andere Richtung mußte die Draisinen von den Schienen heben. Notfalls halfen diejenigen, die entgegenkamen dabei. Wenn man sehr nett war, halfen sie einem auch, die Draisine wieder auf die Schienen zu setzen. Da immer nur maximal zwei Leute treten konnten, hatten die anderen Gelegenheit, zu fotografieren oder die Landschaft anzusehen oder über die Geschwindigkeit zu schimpfen oder so. Jedenfalls konnte man sich nicht über den richtigen Weg streiten.

Wir hatten jetzt eigentlich genug Zeit, um nach Trondheim zu kommen. Deshalb wollten wir eher in der Nähe der Küstenlinie fahren und dann auch noch auf den beiden letzten Zeltplätzen vor Trondheim und in Trondheim selbst je einen Ruhetag machen. So überquerten wir die Namsen-Mündung mit einer Brücke und fuhren wir von Namsos auf der N 17 in Richtung Süden. Mit einer Brücke überquerten wir ungefähr 25 km südlich von Namsosn die schmale Verbindung einer großen Bucht mit dem Meer. Unter der Brücke war ein reißender Gezeitenstrom. Wir konnten etwas weiter nördlich nach links abbiegen und zu einer schönen Stelle der Bucht zum Baden fahren. Wir waren auf einer Halbinsel und die Badestelle auf der nördlichen Seite und die Verbindung zum Meer auf der südlichen Seite der Halbinsel. Die Bucht war dort so breit und so flach, daß man von dem reißenden Gezeitenstrom nichts mehr spürte.

Am Nachmittag bogen wir irgendwann auf die N 715 nach Westen ab, um näher an die Küste zu kommen. Nun kam eine sehr steile Strecke, um aus dem Tal herauszukommen. Am Abend kamen wir dann nach Osen. Der Zeltplatz lag direkt an einem Fjord, der aber diesmal nicht besonders tief war. So konnte man schön Ebbe und Flut beobachten und es gab einen ganz schön breiten Streifen Wattenmeer, der bei Niedrigwasser nicht mehr unter Wasser stand. Das Watt bestand allerdings eher aus grobem Kies und Steinen, nicht wie an der deutschen Nordseeküste aus Schlick oder Sand. Zum Baden mußte man dann also recht weit gehen.

Leider hatten wir hier gleich drei Schäden auf einmal. Das vordere Tretlager des Tandems war kaputt. Die Anhängerkupplung war durchgerissen. Und Bernhards Schaltzug war gerissen und ließ sich nicht ersetzen oder reparieren. Wir fanden zwei nette Herren aus Deutschland, die früher Mechaniker waren und ihre ganze Werkzeugkiste dabei hatten. Ein Niederländer schenkte uns einen alten Zelthäring, den wir in zwei Teile sägen konnten. Ein Teil steckten wir in die beiden nicht mehr verbundenen Rohre, und je ein Teil durch das Loch, durch das die Feder und das Gummi früher festgeschraubt waren, als es noch funktionierte. Das wurde mit einer elastischen und stabilen Nylonschnur umwickelt und damit auf Zug verbunden. Dann kam noch eine Lage Klebeband drüber und die Kupplung sah jetzt lustig aus, war aber wieder stabil. Nur die Elastizität war sehr eingeschränkt. Das sollte aber kein Problem sein, wir waren beim Rangieren vorsichtig und beim normalen Fahren war die Auslenkung sowieso nicht so groß. Diese Konstruktion hat bis Trondheim gut gehalten und dann auch fast bis zum nächsten Sommer. Wir hatten aber dann doch sicherheitshalber neue Teile bestellt und einbauen lassen, bevor wir 2009 losfuhren. Die anderen beiden Schäden konnten wir nicht wirklich beheben. Bernhards Fahrrad fuhr nur noch in der Ebene und bergab und das Tandem machte es noch ein bißchen mit, aber der hintere Fahrer sollte doch kräftig sein, um es notfalls alleine antreiben zu können.

Wir versuchten es, die Fahrräder zu tauschen, also Christina auf Heidruns Fahrrad, Heidrun auf Ulrichs Fahrrad, Ulrich auf Bernhards Fahrrad und Bernhard hinten auf das Tandem. Aber das ging dann doch nicht so gut. Und in Osen gab es keinen Fahrradladen. Dafür sollte aber Åfjord, wo wir sowieso als nächstes hinwollten, einen Fahrradladen haben. Wir wollten also ohne Ruhetag dorthin und dann dort zwei Ruhetage machen, damit es mit der Reparatur auch klappt. Letztlich nahmen Karin und Christina einen Linienbus nach Åfjord und hatten Bernhards und Karins Fahrrad dabei. Mit einmal Umsteigen in der Mitte konnten sie vor uns ankommen und uns schon auf dem besseren der beiden Zeltplätze anmelden.

Wir fuhren dann zusammen nach Åfjord. Das Tandem (und der Anhänger sowieso) hielten noch so lange durch, obwohl die Strecke doch sehr bergig war und auch für den Tag recht lang, aber schön. Nach Umrundung des Fjords fuhren wir auf der Seite gegenüber des Zeltplatzes entlang und überquerten den Fjord letztlich mit einer Brücke. Danach ging es hauptsächlich etwas weiter durch das Landesinnere und erst in Åfjord kamen wir wieder ans Wasser.

Die Reparatur von Bernhards Fahrrad bereitete dem Fahrradmechaniker Schwierigkeiten, aber sie gelang. Beim Tandem fand er ein Tretlager, das nur so halb paßte, aber das gelang auch und hielt für den Rest der Reise gut. Hinterher habe ich mir dann ein passendes einsetzen lassen. Der Zeltplatz war jetzt zwar nicht mehr am Fiskeveien, aber es war die größte Angler-Ansammlung, die wir auf der ganzen Reise erlebt haben. Fast alle außer uns waren Angler mit riesigen Ausrüstungen, verschiedenen Angeln und was man sonst alles für ein liebgewonnenes Hobby so kauft. Im Fjord konnte man gratis Angeln, aber vor dem Zeltplatz zählte es trotz heftigen Gezeiten schon als Flußmündung und da gab es schon die besseren Fische. Und auch an verschiedenen Seen und Flüssen in der Umgebung. Hier waren viele Deutsche und ein paar Franzosen. Einige angelten so viel, daß sie die Fische einfrieren konnten und dann den Rest des Jahres immer wieder einen davon essen konnten.

Wir verwendeten die Gewässer lieber für so profane Dinge wie darin zu baden, daran spazieren zu gehen oder in der Nähe herumzufahren. Aber wir überlegten uns doch wirklich, für die Kinder einmal einen Angelkurs zu planen und bei der nächsten Radtour eine kleine Angel mitzunehmen, so groß war der Einfluß der anderen Zeltplatzgäste dann doch. Diese Ideen wurden dann aber doch wieder vergessen, bevor der nächste Sommer kam.

Ich machte einen kleinen Ausflug an dem Fluß entlang. Stromaufwärt auf dem Südufer kam bald ein schöner See, irgendwann hörte die Straße auch auf. Am nachmittag kam das Nordufer dran und da fuhr ich bis zum Ende. Erst war es eine breite Sandstraße und es kam der eine oder andere Ort. Dann wurde sie immer kleiner und verlor sich im Wald. Um den Rückweg etwas interessanter zu machen, überquerte ich irgendwo in einem kleinen Ort den Fluß und dann sollte es eine Querverbindung zu einer Hauptstraße von Åfjord nach Malm in der Nähe von Steinkjer geben. Diese Querstraße war ein ganz kleiner Waldweg und wirklich extrem steil, sicher über 20% und recht viele Höhenmeter. Oben war ein sehr schöner See und dann ging es wieder genauso steil herunter. Unten war dann diese lange Hauptstraße in diesem Abschnitt gut asphaltiert und wenig befahren und führte an langen Seen entlang durch ein breites Tal. Um zur Nationalstraße zu kommen, mußte ich noch einmal über einen Paß und dann noch ein ganzes Stück auf der N 215 nach Norden fahren. Karin machte an diesem Tag noch einen längeren Ausflug auf dem Nordufer des Fjords bis zum Ende der Straße. Das war auf einer Insel, die man noch einmal mit einer großen Wendeschleife umrunden konnte. Dort draußen war genau zu dieser Zeit der Gezeitenstrom ganz gewaltig.

Uns gefiel es ja an diesem Ort sehr gut und so entschieden wir uns, lieber in Åfjord noch eine dritte Nacht zu bleiben. Am Dienstag machten wir zusammen einen Ausflug. Diesmal fuhren wir eine Stichstraße zur Insel Stokkøya nach Westen. Das war so eine typische Küstenlandschaft. Erst fuhren wir in Åfjord in der Nähe des Wassers entlang, bogen dann ab und fuhren bergauf über eine breite Halbinsel. Auf der anderen Seite kamen wir zum nächsten Fjord (Skrafjord), wo wir erstmal auf dem Südufer ein paar Kilometer fuhren. Dann kamen wir in relativ flaches und sumpfiges Gelände, wo wir mit einer Haarnadelkurve die Spitze des des Fjordes umrundeten. Auf der Nordseite fuhren wir wieder ein paar Kilometer zurück, entfernten uns dann aber langsam vom Wasser und kamen zur Spitze des nächste Fjordes. Auch den verließen wir nach Norden und kamen auf ein höhergelegenes Gebiet, wo es einen sehr schönen See gab. Durch ein enges Tal kamen wir dann zum nächsten Fjord, dessen Nordostseite wir folgten, mit zum Teil guten Anstiegen über dem Wasser und guter Aussicht... Wieder weg vom Wasser kam wieder ein See in einer etwas höher gelegenen, aber flacheren Gegend, wir kamen nochmal an einem Fjord vorbei und mit ein bißchen Kurven zum Ort Stokksund. Dort nahmen wir noch die Brücken rüber auf die Inseln Brennholmen, Kjerkholmen und Stokkøya. Da hätte man noch weit fahren können, aber es wurde Abend und wir kehrten wieder um.

Nach dem Fjord mit der Haarnadelkurve fuhr ich noch über eine kleine Straße nach Südwesten zum Nordufer des Åfjords, wo Karin am Vortag unterwegs gewesen war. Bis zum Ende reichte es nicht, aber ich konnte dort, wo ich auf die Straße von Åfjord nach Lauvøya traf, bald eine ganz kleine Straße finden, die diagonal zum Wasser führte. Vielleicht konnte man auch da die Gezeiten sehen, aber es war wohl der falsche Zeitpunkt und die falsche Stelle. Ein paar Jugendliche wollten wohl dort ihre private Badeveranstaltung mit einigen Dosen Bier machen, aber das ließ ich ihnen gerne, ich wollte ja auch noch zurück zum Zelt kommen.

Am Mittwoch war unser letzter Tag mit einer größeren Fahrt. Wir fuhren erstmal auf der N 715 weiter nach Süden. Es gab nun mindestens vier Möglichkeiten, um nach Trondheim, also konkret zur Fähre Rørvik - Flakk, zu kommen. Die N 715 war ein bißchen länger, aber wohl nicht ganz so bergig. Man konnte stattdessen etwa 30 km vor Rørvik eine kleine Straße über den Berg nehmen, die etwas kürzer sein sollte. Nun ging die N 715 auch über den Berg, aber wohl nicht so hoch. Scheinbar hätte sich das auch noch vermeiden lassen, wenn man ab diesem Ort nach Südwesten weiterfährt und dann flach an der Küste von Rissa über Stadsbygda nach Rørvik fährt. Im Jahr 2009 haben wir diese Möglichkeit ausprobiert. Sie ist schön, aber länger und wohl auch bergiger als die anderen beiden Möglichkeiten. Norwegerflache Küstenstraßen kennen wir ja schon ein paar. Das Wort Norwegerflach spielt darauf an, daß bei Wegbeschreibungen die Norweger dazu neigen, eine Strecke als "flach" zu bezeichnen, die mit dem Tandemgespann mit einer Vierteltonne hinterher nicht wirklich als flach wargenommen wird. Aber man konnte auch ca. 30 km nach Åfjord auf der N 718 weiter an der Küste entlang fahren, statt der N 715 durch das Landesinnere zu folgen. Dann hätte man aber auch die norwegerflache Küstestraße von Rissa nach Rørvik gehabt. Es bleiben also noch mindestens zwei Varianten für spätere Jahre zum Ausprobieren.

Wir fuhren also erstmal in Richtung Süden. Über ein paar höhergelegene Halbinseln und dann wieder am nächsten Fjord entlang kamen wir bald zu einem Rastplatz an einem See (Raudsjøen). Unsere Straße bog nach links ab und weg vom Wasser. Also wurde es noch etwas bergiger, aber richtig hohe Pässe gab es so nah an der Küste natürlich nicht. Auch wenn wir uns Trondheim näherten, war noch nicht wirklich viel von höherer Besiedlungsdichte zu merken. Wir kamen in das breite Tal, daß den Beitstadfjord mit Rissa verbindet. Hier ist ein Streifen mit Landwirtschaft zwischen den Wäldern und wir fuhren ein Stück in Richtung Beitstadfjord. Wo sollte hier die Straße Rørvik sein? Es gab im Süden nur einen ziemlich steilen Hang. Aber bald kam die Straße und mit ein paar Serpentinen kamen wir auch gut auf die Hochebene, wo wir den letzten norwegischen See für eine Pause nutzen konnten. Die Abfahrt zur Fähre ging noch besser und die fuhr auch gerade.

Diese Fähre war für uns sogar gratis. Auf der anderen Seite war in Flakk direkt neben dem Hafen der Zeltplatz. Ein bißchen auf Massenabfertigung von Durchreisenden optimiert kam man bei der Einfahrt in den Zeltplatz an einem Schalterfenster auf Augenhöhe vorbei, um zu bezahlen. Aber wir konnten noch einmal schön nah am Meer zelten.

Am Donnerstag hatten wir nur noch ein paar Kilometer am Meer entlang zu fahren bis Trondheim. Hier war die Gegend schon dichter besiedelt. In Trondheim kam dann ein Kreisel, wo in alle Richtungen Tunnels mit Fahradverboten standen. Wir probierten erst den kürzesten aus, aber das brachte nichts, also kamen wir wieder zurück und nahmen den langen Tunnel, der uns direkt nach Trondheim brachte. Mitten im Tunnel war noch ein Kreisel, der aber noch nicht genutzt werden konnte, weil der andere Zufahrtstunnel noch fehlte.

Bis unser Nachtzug fuhr, hatten wir noch Zeit, uns Trondheim anzusehen. Das ist ja wirklich eine sehr schöne Stadt. Wir schauten uns den Dom und ein paar Museen an, solange die offen waren. Dort war auch so eine Art Jahrmarkt mit speziellen Ständen mit Bezug zum Mittelalter. Als dann alles zu war, konnten wir noch recht schön am Fluß entlanglaufen und die Stadt anschauen.

Abends fuhr dann unser Nachtzug nach Oslo. Eigentlich ein Witz für die kurze Strecke, aber es paßte uns diesmal ganz gut so. Morgens kamen wir in Oslo an und fuhren gleich zur Museumshalbinsel und zum Freilichtmuseum. Wir hatten nicht viel Zeit, weil das Schiff mittags fuhr, aber der Vormittag war doch noch etwas wert und die Museumshalbinsel ist zumindest mit dem Fahrrad recht nah am Anlegeplatz der Fähre nach Kiel.

Die Rückfahrt war wie wir es gut kannten. Einige Zeit waren wir in Kiel, dann fuhren wir mit dem Nachtzug nach Basel. Diesmal nahmen wir den Nachtzug von Kopenhagen und stiegen in Neumünster ein. Den Rest haben wir auch noch geschafft.

Aus Gründen der Vollständigkeit habe ich es schon seit einigen Jahren als sinnvoll angesehen, noch eine kleine Tabelle anzufügen. Da kommt das Nordkap aber auch nicht vor.

Außerdem gibt es noch eine Karte mit der Route.