Alpentour mit dem Tandem
von Alexander Altgelt und Sabine Ständer
Ein bißchen verspätet wollen wir doch noch einen kurzen
Bericht über unsere Alpentour mit dem Tandem schreiben. Wir
waren Anfang Juli insgesamt 11 Fahrtage auf der Strecke von
Basel nach Italien und von dort zurück nach Chur unterwegs
und sind dabei 800 km und sieben Pässe gefahren. Vorweg: Es
war toll!
Technical Dates: Tandem - Trek T100, straßentauglich mit
32er Reifen, Schutzblechen, Licht etc.,
Gepäckträger/Lowrider vorne/hinten, hinten Suntour XC-SE
Canti's, Hörnchen vorne/hinten, SPD-Pedale hinten, ansonsten
alles original;
Gepäck: Alles von Lebensmitteln über Zelt, Schlafsäcke,
Iso-Matten, Kocher (zwei!) bis Unterhosen (wenige). Ohne
Lebensmittel so etwa 20 kg insgesamt.
Wir: m 25, w 29, netto 125 kg, halbwegs trainiert, aber
keine zähen Kugelwaden.
Strecke im einzelnen:
- 1: Basel - Sissach - Aarau - Baldegger See - Sempacher See (105 km)
- 2: S. See - Luzern - Sarnen - noch so'n paar Seen - Brünigpaß -
Meiringen - Innertkirchen - Gadmen (= halb auf dem Susten) (95 km)
- 3: Gadmen - Sustenpaß - Wassen - Andermatt - Oberalppaß - Disentis (80
km)
- 4: Disentis - Lucmagnierpaß - Biasca - Bellinzona - Locarno (100 km)
- 5: Locarno - Cannero (35 km)
- 6: Cannero - Cannobio - Fähre nach Luino - Ponte Tresa - Lugano -
Menaggio am Comoer See (65 km)
- 7: Menaggio - Domaso (25 km)
- 8: Domaso - Chiavenna - Malojapaßhöhe (70 km)
- 9: Malojapaßhöhe - St. Moritz - Punt Muragl und ohne Gepäck:
Berninapaßhöhe - Poschiavo - mit der Bahn auf die Paßhöhe zurück -
Punt Muragl (100 km)
- 10: Punt Muragl - St. Moritz - Pontresina - Punt Muragl (an dem Tag waren
wir wandern...), immerhin: 30 km
- 11: Punt Muragl - La Punt - Albulapaß - Tiefencastel - Thusis - Chur (99
km).
Das Wetter war fast ausnahmslos traumhaft, in Italien um die Mittagszeit eher
zu warm zum Radfahren (aber dazu gibt es ja Seen...). Nur zwei Mal hat es
geregnet, einmal kurz vor der Oberalppaßhöhe und einmal abends auf dem
Zeltplatz.
Auch der Verkehr war insgesamt doch sehr erträglich. Das lag zum Teil sicher
auch daran, daß wir die Route auch nach diesem Gesichtspunkt hin geplant
hatten, also: Möglichst keine Pässe am Wochenende und überhaupt mehr
kleinere, unbefahrenere Pässe (vielen Dank an dieser Stelle auch für die
zahlreichen guten Tips vieler Newsgroup-Leser zur Strecke!). Zum Teil hatten
wir auch Glück, so am Maloja, da hatte Italien gerade ein WM-Spiel... Nicht
so gut waren die folgenden Abschnitte:
- Brünigpaß, war halt Wochenende und viel Ausflugsverkehr ins Berner
Oberland.
- Gotthardstraße von Wassen bis Andermatt: Da ist IMMER viel Verkehr,
das wußten wir auch. Tröstlich war, daß es nur 10 km waren.
- Tiefencastel - Thusis: Das war der Tiefpunkt unserer Planung: Eine
große, vielbefahrene Straße mit langen Tunneln und vielen LKW, die
auch im Tunnel überholen... Sehr lustig! Besser wäre es gewesen,
über Lenzerheide oder Davos nach Chur zu fahren, aber wir hatten keine
Zeit dafür.
Zu einigen Abschnitten im einzelnen:
- Jura via Sissach nach Aarau: Eine schöne Nebenroute, viel
empfehlenswerter als die über den Hauenstein. Ist dafür auch etwas
anstrengender, da die Straße zwischendurch auch abfällt. Der Name der
Paßhöhe fällt mir leider nicht mehr ein (etwas mit H?)...
- Brünigpaß: Ein fast vollwertiger Paß, und das mit nur 1007
Höhenmetern. Landschaftlich schön und mit anspruchsvoller Abfahrt
nach Meiringen - auf diesem Stück hatten wir auch unseren "Highspeed"
von 78km/h bei 13% Gefälle. Ferner stellten wir dort im Praxistest
fest, daß die Bremsklötze hinten nicht die richtigen waren (nach
einer festeren Bremsung quietschten sie nur noch und bremsten nicht
mehr richtig). Danach kamen XT-Klötze drauf, und mit denen hatten wir
Null Probleme.
- Sustenpaß: Der schönste Paß unserer Tour - oder war das doch der
Albula? Egal, auf jeden Fall ein Erlebnis. Toll sind im unteren Teil
die zahlreichen Waldpassagen, dazu gibt es auf beiden Seiten des Tals
schöne Berge zu sehen und einen Gletscher. Allein eine echte Paßhöhe
fehlt, stattdessen gibt es einen Tunnel. Die Abfahrtsseite ist auch
schön, da sind wir leider viel zu schnell runter. Episode am Rande:
Wegen Bauarbeiten wurde der Verkehr über die alte Straße einspurig
umgeleitet, mit Ampel und so. Wir vor den Autos da runter, und dann
stand eine Kuhherde auf der Straße. Nicht mal die Biker kamen da ohne
weiteres durch. Wir wohl. Bis Wassen hatten wir freie Fahrt und kein
Auto hinter uns. Ach ja: insgesamt war der Susten wohl auch der
schwerste Paß, auch wenn wir ihn durch Trennung in zwei Teile
entschärften.
- Wassen - Andermatt: Siehe oben; landschaftlich ist da alles sehr kahl
und unschön, nicht unbedingt zu empfehlen.
- Oberalppaß: Die Seite von Andermatt aus ist nicht sehr spannend:
Zuerst mit acht Kehren den Hausberg von Andermatt hoch, danach eine
lange Traverse und plötzlich ist man da. Die Landschaft auch hier eher
kahl. Die Abfahrtsseite war dagegen schön und auch vom Streckenverlauf
her viel abwechslungsreicher.
- Lucmagnier: Den sind wir wohl verkehrtherum gefahren. Die Abfahrtsseite
war toll, mit viel Wald, einem Bach und diversen schönen Orten, die
Auffahrt dagegen wurde nach gutem Anfang zusehens kahler und auch hier
reduzierte sich die Streckenführung auf eine Traverse mit Paßhöhe in
einer Galerie und Blick auf einen Stausee. Nicht sehr hübsch. Bei der
Abfahrt gibt es auch kleine Parallelstraßen, die gut zu fahren und
sehr verkehrsarm sind. Auch hier eine Abfahrtsepisode: Vor uns ein
Kadett, bayrisches Kennzeichen. Der fährt im flotten Stil runter und
wir hinterher. An einer Baustellenampel geht die Beifahrertür auf:
"Boh das waren 80 ey!"
- Lago Maggiore/Luganer See/Comoer See: Zum Relaxen bei schönem Wetter
genau das richtige. Auffällig war, daß wir in der Schweiz keine
öffentlichen Badestellen fanden, in Italien jedoch war in fast jedem
Dorf eine. Störend waren hier allein die abendlichen Mücken.
- Malojapaß: Auch ein sehr schöner Paß, auch wenn er normalerweise
(s.o.) stark befahren sein soll. Im letzten Abschnitt windet sich die
Straße mit 13 Kehren einen waldigen Steilhang hoch. Eine Abfahrtsseite
gibt es hier nicht; direkt an die Paßhöhe schließt sich die
Hochebene von St. Moritz an. Diese ist zumindest bis Sils kaum
erschlossen und traumhaft schön. St. Moritz ist auch wie ein Traum,
ein sehr schlechter Traum allerdings.
- Bernina: Der leichteste Paß unserer Tour, auch wenn man das fehlende
Gepäck berücksichtigt. Langgezogen geht es mit Bergen links und vor
allem rechts (Diavolezza, Bernina, Piz Palü) hoch und irgendwann ist
man oben. Die Abfahrt war sehr gut ausgebaut und daher fast zu schnell
(Kehren, die man locker mit 40km/h fahren konnte und so). Die Bahnfahrt
danach zurück zur Paßhöhe war ein einmaliges Erlebnis. Die
Bahnstrecke verlauft durch ein anderes, viel schöneres Tal und wir
beide waren wirklich völlig begeistert.
- Albulapaß: Die Auffahrt war erst sehr heftig, 5 km bei 12%, danach
flachte sie ab. Insgesamt auch eher kahl, dafür fast kein Verkehr und
eine gnadenlos schöne Abfahrt. Da die Straße klein und eher im
schlechten Zustand ist, muß man geradezu langsam fahren und die
Landschaft genießen. Toll auch die zahlreichen Viadukte der
rhätischen Bahn.
Für speziellere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
© Alexander Altgelt und Sabine Ständer
1998-02-22; 2010-02-21 [count: 1106] (http://www.velofahren.de/tandemalpentour.html [1977])