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Radtour bis in das Land der Fjorde

Karl Brodowsky, gefahren 1985-07-11 - 1985-08-17, geschrieben 1998

Da die Internetverbindungen heute schneller sind und mehr Leute Freude an bunten Bildern haben, gibt es jetzt auch in diesem Radtourenbericht sieben Bilder. Die sind dort entstanden, wo das Wetter einigermaßen gut war, so daß sie eigentlich weiter unten erst dran sind. Für die ganz eiligen gibt es die Bilder auch hier schon. Ich habe jeweils eine verkleinerte Version des Bildes als Link und das eigentliche Bild erscheint dann in einem speziellen Frame.

Die Webseiten, die früher Bilder erhalten haben, haben die Thumbnails mit 40 Pixeln und das eigentliche Bild mit 256 Pixeln auf der kürzeren Seite. Das ist auch hier so. Bei den neueren sind es 128 Pixel für die Thumbnails und 512 Pixel für das Bild.

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Der Weg ins Land der Fjorde

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Bedeutende Dinge haben oft die Eigenschaft, daß Ihr Anfang irgendwo in der Dunkelheit des Vergessens verschwunden ist. So ähnlich ist es wohl auch bei dieser Radtour, auf die ich so ungefähr im Jahre 1985 gefahren bin. Aber unabhängig von dem Startort, der vermutlich Kiel gewesen sein muß, da ich ja mit dem Zug von Karlsruhe aus angereist war, und den ersten paar Kilometern war es wohl doch so, daß ich in Schleswig-Holstein auf der N 202 auf Oldenburg/Holstein zufuhr. Dort verwendete ich die Umgehungsstraße, um dieses Städtchen zu umfahren und fuhr dann auf der Vogelfluglinie N 207/E 4 (alles gemäß der Numerierung von 1985) weiter nach Norden. Fehmarn ist so schön, daß ich dieser Insel in früheren Jahren schon zwei eigene Radtouren gewidmet habe. Aber diesmal fuhr ich einfach auf der Europastraße über die Fehmarnsundbrücke und direkt zur Fähre nach Puttgarden, mit der ich auch recht bald nach Rødby übersetzen konnte. Auf der dänischen Seite ist dann die Vogelfluglinie auf der Insel Lolland nicht so recht definiert, aber irgendwie kommt man dann halt doch weiter in Richtung Kopenhagen. Kurz hinter Maribo und immer noch auf Lolland ging ich dann in dem kleinen Städtchen Sakskøbing auf einen Zeltplatz.

Auch nach Dänemark habe ich schon sehr schöne Radtouren gemacht (z.B. 1983), auf denen ich mich ganz speziell für dieses Land interessiert habe, aber diesmal war es doch hauptsächlich Transitland. Weil ich Kopenhagen schon von der Transitradtour 1984 und der Dänemarkradtour 1983 kannte, konnte ich mich noch gut daran erinnern, daß Kopenhagen zusammen mit seinen zahlreichen Vororten damals einfach 100 Kilometer Stadtverkehr mit ganz vielen Ampeln bedeutete. Das wollte ich diesmal besser machen und in einem großen Bogen um die Stadt herumfahren. Dabei sollte das eigentlich noch nicht einmal ein großer Umweg sein. Aber die Abzweigung der N 6 ließ lange auf sich warten und die Nationalstraße nach Kopenhagen war schon längst vierspurig mit Ampeln, als ein ganzes Stück nördlich von Køge bei Jersi Strand endlich die Abzweigung kam. Nach ganz kurzer Zeit war ich in der offenen Landschaft und aus den Kopenhagener Vororten heraus. Auf einer ganz normalen Überlandstraße kam ich dann nach Roskilde, das sich wiederum teilweise umfahren ließ.

Nach einer längeren Überlandstrecke kam dann Hillerød, das ein bißchen chaotische Straßenkonstruktionen aufwies, aber ich kam dann doch auf der N 6 wieder aus der Stadt heraus in Richtung Helsingør. Kurz vor Helsingør vereinigte sich die N 6 wieder mit der E 4 und führte dann zum Hafen mit den Fähranlegern. Helsingør ist ein sehr hübsches kleines Städtchen mit einem sehr schönen Schloß. Das kann man gut sehen, wenn man mit dem Schiff schon ein Stück in Richtung Schweden gefahren ist und sich noch einmal umsieht. Die Verbindung über den Öresund (dänisch: Øresund) ist hier so kurz, daß man leicht das gegenüberliegende Ufer sehen kann. Drüben war es dann aber doch schon eine gute Zeit, nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu sehen und die fand sich auch direkt in Helsingborg. Dort gab es einen Zeltplatz, der eigentlich ein Fußballplatz war. Der Boden war entsprechend hart und man bekam keine Häringe in den Boden, aber irgendwann stand das Zelt dann doch und ich traf auch noch nette Leute, die auch dort übernachteten. Vor allem war es ein toller Abend mit warmem Wetter und strahlendem Sonnenschein. So wie man es sich in Schweden im Sommer eigentlich vorstellt.

Nun wollte ich natürlich einmal in Richtung Oslo weiterfahren oder jedenfalls in Richtung Göteborg, was in dieser Gegend so ungefähr auf dasselbe hinauslief. Schwierig wurde die Sache, dadurch, daß ich fast bis zur Übertreibung die legalen Wege dafür nehmen wollte. Die Nationalstraße nach Göteborg sollte ja irgendwo östlich von Helsingborg verlaufen, da mußte ich nur ein bißchen aus der Stadt herausfahren und würde schon hinkommen. Wegweiser gab es natürlich gar keine. So fand ich mich dann auch bald auf einer schönen und gut ausgebauten Straße nach Högenäs wieder. Das war offensichtlich die falsche Richtung, aber schon zu spät. Nach 20 Kilometern gab es ja eine Querverbindung, die mich in Ängelholm wieder auf die E 6 brachte. Nördlich von dort gab es zwei Straßen, die irgendwie neben der A 6 in die richtige Richtung zu führen schienen. Eines war eine Haupstraße und das andere die schlecht gekennzeichnete Europastraße. Natürlich erwischte ich wieder die falsche und es gab diesmal zwar keine so großen Umwege, aber doch erhebliche Steigungen. Mit der damals von mir verwendete Fünfgangnabe und einem recht kleinen, für den Flachlandverkehr optimierten Ritzel, war das keine so leichte Sache. So ging es weiter im Zickzackkurs, bald befand ich mich auf dem Weg ins Landesinnere, dann auf der N 24 wieder zur Küste, dann wieder ins Landesinnere und auf der N 117 nach Halmstad und so weiter. Wenn jemand den Verlauf der Europastraße in diesem Bereich kennt, würde mich das interessieren. Von Halmstad aus nach Norden erwischte ich wieder die falsche Straße, aber das war jetzt auch egal. Denn das war eigentlich ein ganz schöner Streckenabschnitt, fast direkt am Wasser entlang zwischen eigentümlichen Felsblöcken entlang, in einer Gegend, die eher durch Weidewirtschaft als durch Bewaldung geprägt ist. Kurz vor Falkenberg kam ich dann wieder auf die E 6 und es war klar, daß ich es an diesem Tag nicht mehr bis Oslo, nicht mehr bis Göteborg und überhaupt auch nicht mehr sehr weit schaffen würde. An Falkenberg fuhr ich zwar noch vorbei, aber dann suchte ich mir eine Übernachtungsgelegenheit, was sich in einem Wald in der Nähe der Straße auch fand. Ich hatte natürlich vorher gemerkt, daß es sinnvoll wäre, erst ein paar Kilometer von Falkenberg wegzufahren, damit der Fußweg neben dem Zelt nicht mehr ganz so frequentiert sein würde wie die E 6.

Am nächsten Tag kam ich bei Varberg vorbei und dann wurde es wieder recht chaotisch, so ungefähr wie am Tag zuvor. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Erstaunlicherweise erreichte ich an dem Tag doch irgendwie noch das Örtchen Kungsbacka. Ab da könnte man ja statt illegal auf der A 6 zu fahren oder statt stundenlang die nicht ausgeschilderte E 6 zu suchen, einfach auf der N 158 nach Göteborg fahren. Das schien sich regelrecht anzubieten. Natürlich ging die N 158 dann auch in eine Motorstraße (motorway) (A 158) über und der weitere Verlauf der Nationalstraße war schlecht zu finden. Irgendwie fand ich dann noch einen Weg an der Küste entlang, dem offenbar eine Eisenbahnstrecke hatte weichen müssen, um in die Nähe von Göteborg zu kommen. In der Stadt hielt ich mich gar nicht so lange auf. Ich weiß aber noch, daß es sehr schönes warmes Wetter gab und daß viele Straßenbahnen herumfuhren und irgendwo auch in der Stadt noch ein paar Bäume standen. Aber da unter einer Parkbank übernachten, das wollte ich mir trotzdem nicht antun, sondern lieber weiter in Richtung Oslo fahren. Um mir den Ärger mit dem ganzen Motorstraßenquatsch zu sparen, nahm ich mir vor, von vorneherein auf der "falschen" Straße aus Göteborg herauszufahren und dann einfach dort, wo das Motorstraßennetz (motorways) zur damaligen Zeit aufhörte, zur nördlichen Fortsetzung der E 6 rüberzufahren. Vielleicht auch früher, aber zumindest sah das nach einer Möglichkeit aus. Bei günstigen Wetterverhältnissen, also mindestens kein Gegenwind, vielleicht sogar leichter Rückenwind, fuhr es sich auf der N 45 so gut, daß ich einfach da weiterfuhr bis Lilla Edet. Dort ging es über einen Berg herüber und vorher war es dann doch einmal Zeit, das Zelt aufzustellen, wieder einmal im Wald.

Die N 167 war wirklich für mein Fahrrad ganz schön steil, aber es fuhr doch ohne zu stöhnen über den Berg hinüber und bis zur E 6. Auf dieser kam ich dann durch eine Landschaft, die immer mehr von Felsen und Wald und immer weniger von Landwirtschaft geprägt war. Natürlich mußte noch Uddevalla durchquert werden, das noch einmal etwas chaotische Straßenverhältnisse aufwies, aber danach wurde es eigentlich ganz schön. Immer wieder kam man in die Nähe der Küste und dann wieder ein Stück weg. Kurz vor Strömstad suchte ich mir dann wieder ein kleines Plätzchen im Wald, um mein Zelt aufzubauen. Da war der Grund diesmal so felsig, daß man oft nicht an der gewünschten Stelle einen Häring einschlagen konnte, sondern stattdessen mit Schnüren die Ecken vom Zelt an den etwas entfernter liegenden Häringen festbinden mußte. Wenigstens versank mein Zelt da nicht im Moor, ein gutes Fundament ist ja doch ein Vorteil. Und vom Winde verweht wurde ich auch wahrscheinlich nicht, denn am nächsten Tag konnte ich ja noch weiterfahren.

Die Grenze zu Norwegen war auf einer hohen Brücke in Svinesund. Plötzlich wurde die Straße wieder viel schmaler und kurviger und auch recht voll. Die Landschaft war eher von Landwirtschaft geprägt und es kam doch immer mehr zu einer Häufung verschiedener Ortschaften, wie Sarpsborg, Fredikstad und Moss. Leider auch zu einer Häufung von Motorstraßen (motorways), die einer legalen Befahrung dieses Abschnitts gar keinen Raum mehr ließ. Schon recht spät am Tag kurz vor Oslo vereinigte sich die Straße mit der E 18 von Stockholm und teilte sich dann nach einem kurzen vierspurigen Abschnitt wieder. Die Europastraße verlief jetzt ungefähr parallel zur A 6/A 18 an sehr schönen Seen vorbei durch ein fast unbewohnt erscheinendes Gebiet, ganz im Kontrast zu Moss, Sarpsborg und was es sonst noch alles so gegeben hatte. Dann fing die Stadt plötzlich an und ich mußte mich nach einem Zeltplatz umsehen. Das war natürlich noch nicht so einfach, ich war den ersten Tag überhaupt in Norwegen, hatte noch nicht besonders viel Ahnung von der Sprache und überhaupt so von dem ganzen Land, sondern war jetzt einfach einmal da. Bei einer Tankstelle zeigte man mir so ungefähr die Richtung und den Rest konnte ich so nach und nach durch ein paar Fragen herausbekommen. In Anlehnung an die Tradition deutscher Jugendherbergen war der Zeltplatz "Ekeberg Camping" natürlich auf einer recht erhöhten Lage errichtet worden. Vor allem war er schon voll. Bei der Rezeption riet man mir, erstmal zu sehen, ob ich überhaupt einen Platz finde, bevor ich bezahle. Wahrscheinlich war ich der letzte, dem das gelang. Man mußte nämlich drei Meter Abstand zum Nachbarzelt einhalten.

Nach dieser doch im Ergebnis letztlich recht erfolgreichen Fahrt von Deutschland nach Norwegen, soweit es ohne amphibische Fahrzeuge überhaupt möglich ist, gönnte ich mir erstmal mindestens einen Ruhetag. Den wollte ich eigentlich vor allem nutzen, um mir ein bißchen die Stadt anzusehen, was ich natürlich auch nicht versäumte. Dabei traf ich viele alte Seeleute, die früher einmal jeden Hafen der Welt kannten und nun ihr Leid klagten, daß der Alkohol in Oslo teurer als "an Bord" sei. Aber ich hatte auch so meine kleinen Sorgen. Mein hinterer Reifen sah nicht mehr so gut aus und ich wollte ihn dann lieber ersetzen. Ersatzreifen hatte ich ja dabei. Da wurde dann noch gleich das Ritzel durch ein größeres ersetzt, um die Berge auch hochzukommen. Und es stellte sich heraus, daß der Schaltzug ersetzt werden mußte. Leider wies auch noch die teure nichtrostende Felge ein paar kleine Andeutungen von Längsrissen auf. Zwei Jahre davor hatte ich mit einer rostenden Felge ja Querrisse gehabt. Ist das der Unterschied? So alt, daß das Rosten eine Rolle gespielt hätte, wurde die Felge ja sowieso dann nicht mehr. Und so groß, daß man damit angeben könnte, stand das auch nicht drauf, daß sie nichtrostend war. Es dauerte recht lange, bis ich das Fahrradgeschäft in Oslo gefunden hatte. Dort gab es die passende Felge und sogar den Schaltzug für die damals recht unübliche Sturmey-Archer-Fünfgangnabe. Schaltzüge für Pentasport oder für Shimano-Fünfgangnaben hatten damals (1985) noch nicht einmal die Firmen Fichtel & Sachs oder Shimano selber. Und Kettenschaltungen wie XT oder Positron oder Uniglide oder so etwas hatte ich noch nicht. Das gab es damals grundsätzlich nur für Fahrräder mit viel schmaleren Reifen.

Von Oslo zu den Fjorden

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So ganz genau stand ja sowieso auch noch nicht fest, wohin es nun weitergehen würde, aber irgendwie wollte ich jetzt, wo ich im Land der Fjorde angekommen war, auch einmal so ein Ding in Wirklichkeit zu sehen bekommen. Da bot es sich an, in Richtung Bergen zu fahren, wo ja anscheinend vier oder fünf verschiedene Straßen hinführten. Da kann ich auch heute, 13 Jahre später, noch von träumen, denn es gibt auch jetzt noch genug Möglichkeiten, neue Radtouren von Oslo nach Bergen zu planen. Ich komme kaum mit dem Fahren hinterher. Damals entschied ich mich recht willkürlich für die südlichste Route, die E 76 in Richtung Haugesund. Das stellte sich in der Tat als eine sehr glückliche Wahl heraus, denn Norwegen ist in dieser Gegend wirklich sehr schön. Wahrscheinlich hätte ich mich ähnlich geäußert, wenn die Wahl auf eine der anderen Route gefallen wäre. Überlegungen, mit dem Zug nach Bergen zu fahren, wurden dann doch auf dieser Radtour nicht verwirklicht, es blieb vielmehr bei einem kurzen Blick in den Bahnhof an dem Ruhetag in Oslo. Gelegenheit, die Bergenbahn zu benutzen, ergab sich dann noch auf dem Rückweg von den Radtouren 1988 und 1989.

Erstmal stand ich aber noch in Oslo, mit einem gerade abgebauten und verstauten Zelt und mit der Chance, mit viel Schwung den Berg hinunter in die Stadt zu fahren. Irgendwie fand ich ja auch den Weg durch die Stadt hindurch nach Drammen. Da regnete es die ganze Zeit, was ja das ist, was man von Norwegen so hört. Dabei ist die regenreiche Gegend ja nicht bei Oslo, sondern eher an der Westküste zu finden. Jedenfalls dachte ich mir, daß ein warmer Kaffee wäre doch ein feine Sache wäre. So sah ich mich in Drammen nach einer Brücke um, unter der man mit dem Esbitkocher vielleicht ein bißchen Kaffee brutzeln könnte. Dabei begegnete ich immer wieder Wegweisern zu einer Sehenswürdigkeit, die "spiralen" genannt wurde, so daß ich schließlich beschloß, in der Nähe davon eine Brücke zu suchen. Die fand sich aber nicht sofort, aber die Kassiererin der Sehenswürdigkeit könnte mir ja vielleicht Auskunft geben. Sie kannte dann zwar keine Brücke, aber ich konnte mich zu ihr in den Kiosk setzen und die Kaffeemaschine benutzen, um mir löslichen Kaffee zu kochen. Das war eine gute Sache, denn ich erfuhr bei der Gelegenheit sehr viele interessante und nützliche Dinge über das Land und seine Sehenswürdigkeiten, auch wenn ich dabei noch ihre Fremdsprachenkenntnisse in Anspruch nehmen mußte. Sie empfahl mir übrigens unbedingt die N 8 zu nehmen und nicht die E 76, denn die sei ja nun landschaftlich noch viel toller und außerdem käme ich dann beim Vøringfoss vorbei. Auf meiner Karte war aber die "Heddals Stavkirke" als gleichwertige Sehenswürdigkeit eingetragen und da wollte ich dann auf der E 76 dran vorbeikommen. Aber das Gespräch hatte doch eine prägende Wirkung auf mich, denn ich holte die Fahrt nach Bergen über die N 8 ein paar Jahre später noch nach und das war auch eine ganz tolle Radtour. Die Sehenswürdigkeit bei der jungen Norwegerin war übrigens ein spiralförmiger Tunnel, den man angelegt hatte, um nicht durch einen Steinbruch die ganze Landschaft zu verschandeln. Das sah ich mir nicht an, denn das war der erste für Radfahrer gesperrte Tunnel.

Irgendwann fuhr ich dann doch wieder weiter, und ich kam durch ein noch recht dicht besiedeltes Gebiet durch einige Orte hindurch nach Kongsberg (Königsberg in Norwegen). Ab da war es dünner besiedelt und ich hatte keine großen Probleme, kurz vor Notodden eine Gelegenheit zu finden, um mein Zelt im Wald aufzubauen. Das war zwar ein bißchen schwierig, das Fahrrad dorthin zu bekommen, denn der Platz war etwas erhöht gelegen und man mußte das Fahrrad mit dem schweren Gepäck durch das etwas rumpelige Gelände dort hoch tragen. So macht man das halt noch als Anfänger. Dafür hatte ich da oben meine Ruhe, denn ein Besoffener wäre auf dem Weg zu meinem Zelt so oft gestolpert und schließlich heruntergekullert. Und nüchterne Norweger sind sowieso ganz nette Menschen, mit denen man recht gut auskommen kann, wenn man ihnen das Zelt nicht direkt vor das Haus oder in den Garten stellt, sondern vielleicht 200 Meter Abstand hält.

Am nächsten Morgen gelang es mir tatsächlich irgendwie, das Fahrrad wieder in der richtigen Richtung auf die Straße zu stellen und dann auch noch weiterzufahren. Die Landschaft war hier in der Gegend eigentlich eher Mittelgebirge als Hochgebirge. Und die Steigungen waren natürlich vorhanden und sogar häufig, aber es ging doch immer so flach bergauf, daß ich das noch einigermaßen gut schaffen konnte. Da schien es ja gar nicht weiter schlimm zu sein, daß ich nun zufällig einen Weg gewählt hatte, bei dem es immer wieder runter in das Tal und dann auf den Berg herauf und wieder ins nächste Tal ging. Die Straße verlief eben quer zu den Flußtälern, die von dem großen Hochland nördlich der E 76 in Richtung der Südküste flossen. Sie war übrigens größtenteils zweispurig, aber es gab doch irgendwo einmal einen Abschnitt, der einspurig mit Ausweichstellen war. Die Stabkirche in Heddal war die erste Stabkirche, die ich überhaupt zu sehen bekam, die größte in Norwegen und wohl sogar die einzige auf dieser Radtour. Auf der N 8 hätte es mehr (kleine) gegeben.

Durch eine weiterhin recht mittelgebirgsartige Landschaft kam ich weiter in Richtung Westen, wenn man von den komischen Kurven der Straße absieht, die dann auch schon einmal ein Stück nach Südosten in einem Tal verlief, um sich dann hinter Selfjord mit der Abzweigung der N 36 nach Süden in Richtung Meer wieder nach Westen zu wenden. Da ging es dann wieder bergauf und zwischen Brunkeberg und Ofte fand ich auch schon wieder eine ganz tolle Stelle, um mein Zelt für die eine Nacht aufzubauen. Das war links neben der Straße ein Stück in einen Waldweg hinein, zwischen niedrigen Bäumen direkt neben einem schönen kleinen Bach.

Im Laufe des nächsten Tages wurde die Landschaft immer hochgebirgsähnlicher. Zunächst kam ich nach Ofte, dann Åmot und schließlich Vinje. Da verlief die Straße in einem breiten Tal und neben großen Seen, in denen man sogar schwimmen konnte, nach Haukeligrend. Auf diesem Abschnitt begegneten mir witzigerweise recht viele andere Radfahrer aus allen möglichen Ländern. Es ging ganz langsam immer ein bißchen bergauf.

Ab Haukeligrend wurde es etwas steiler und als ich anfing entfernt darüber nachzudenken, daß man ja vielleicht auch an diesem Tag abends irgendwo übernachten könnte, befand ich mich zum ersten Mal auf dieser Radtour in der Nähe der Baumgrenze. Das war mir damals noch nicht so klar, weil ich davon ausging, daß zunächst die Laubäume aufhören und ein Abschnitt kommt, wo nur Nadelbäume wachsen. Aber im Gegensatz zu den Alpen wird die Baumgrenze in Norwegen von Birken gebildet. Weil das damals verwendete Zelt nicht besonders windfest war, sondern mir im Gegenteil schon zweimal bei Wind den Dienst ein wenig verweigert hatte, war ich nicht besonders scharf darauf, oberhalb der Baumgrenze im nicht vorhandenen Wald völlig dem Wind ausgesetzt zu zelten.

Aber es ging nicht wieder bergab, sondern im Gegenteil weiter hoch bis die Baumgrenze echt überschritten war. Da ging es dann zwischen Seen und Flüssen und Wasserfällen mit ein paar Kurven herum und durch einen fast 7 Kilometer langen Tunnel, den man eigentlich nicht befahren dürfte. Aber ich habe mich einfach darüber hinweggesetzt und das war überhaupt kein Problem, denn es kamen fast keine Autos und beleuchtet war der Tunnel auch noch. Und weiterkommen wollte ich auch noch, wenigstens wieder bis ins Tal um das Zelt aufbauen zu können. Im Tunnel war es ja auch windgeschützt, aber das war es dann wohl doch nicht, um das Zelt aufzubauen, denn jedes Auto machte schon lange vorher einen riesigen Radau, ganz zu schweigen von den paar Lastwagen.

Der Tunnel ging noch ein bißchen bergauf, aber als ich dann am anderen Ende herauskam, ging es immer noch nicht bergab, sondern im Gegenteil weiter bergauf. Übrigens war direkt neben der Straße ein sehr schöner wild fließender Fluß mit vielen Stromschnellen und kleinen Wasserfällen. Und komischerweise floß der wiederum mir entgegen. Dann hätte ich doch im Tal des Flusses weiterfahren können, ohne Tunnel. Daß das zwei verschiedene Flüsse sind, die beide letztlich nach Süden fließen, habe ich erst später wahrgenommen. Damals kam dann jedenfalls erst einmal der nächste Tunnel, wiederum beleuchtet, gesperrt und mehr als 6 Kilometer lang und ganz leicht bergauf. Natürlich auch gebührenpflichtig, sozusagen eine gebührenpflichtige Motorstraße (motorway), die ich da befuhr. Als ich da durch war, fragte ich den Kassierer, der nur an einer Stelle seine Bude hatte und für die gesamte Straße kassierte, wie weit es nun noch bergauf ginge. Er meinte dann, daß es kurz hinter seiner Bude von 1100 Meter auf 400 Meter herunterginge und dann auch bald wieder auf 1100 Meter herauf. Aber in dem Tal sollte es den Ort Røldal geben und der hatte einen Zeltplatz. Einfach runterrauschen, teils durch Kehrtunnel, teils auch einfach so auf offener Strecke, das war kein großes Problem mehr. Und obwohl es schon recht spät war, gab es doch noch genug Licht, um das Zelt aufzubauen. Gut geschlafen habe ich wahrscheinlich auch noch.

Am nächsten Morgen war der Anstieg von 400 auf 1100 Meter recht schwierig, ganz im Gegensatz zu den Erfahrungen bis dorthin. Aber ich schaffte auch das noch. Die Abfahrt ging da schon besser und bald kam ich an die Stelle, wo sich die E 76 in Richtung Haugesund und die N 47 in Richtung Odda und Bergen teilten. Da bog ich nach rechts ab. Ich kam an einem schönen Wasserfall vorbei, Låtefossen hieß der wohl. Der ist so schön, daß alle Bustouristen dort kurz und dosiert für fünf Minuten ein Foto machen dürfen. Eine ganz besorgte Mutter fing mit mir ein Gespräch an. Sie war total schockiert, denn ihr Sohn plante ja eine Radtour durch Norwegen. Und das müßte ich doch am besten wissen, daß das viel zu abenteuerlich und zu schwierig sei. Sie war dann wohl noch schockierter, als ich ihr sagte, daß ich es eigentlich eine ganz gute Idee fände, in Norwegen eine Radtour zu machen, daß man aber einige gute Vorbereitungen und Planung und vor allem auch eine gute Ausrüstung bräuchte. Das fängt an damit, daß man herausbekommt, wie man mit langen Steigungen zurechtkommt, was in dem Fall durch einiges Radfahren im Sauerland zumindest schon angefangen worden war. Dann schien mir aber ein Hauptproblem der Ehrgeiz zu sein, die Radtour mit einer Plane statt mit einem Zelt zu machen. So etwas idiotisches, denn schon damals gab es sehr leichte und gute Zelte zu kaufen und die sind wenigstens mückendicht, vielleicht helfen sie sogar ein klein wenig gegen Wasser von unten oder von oben. Daß man mit Gegenden rechnen muß, wo es kaum Lebensmittel und schon gar nicht Fahrradgeschäfte oder Werkstätten gibt, das ist natürlich auch ein sehr wichtiger Punkt und auch das Klima ist ganz im Norden nicht ganz frei von Eigentümlichkeiten wie gelegentlichem Schneefall im Sommer. Deshalb empfehle ich vor so einer Tour bis zum Nordkap erst einmal mit kleineren Radtouren anzufangen und sich sozusagen über die Jahre einzuarbeiten. So habe ich es auch gemacht. Bis zum Nordkap bin ich immer noch nicht gekommen, auch nicht bis zum Nordkinn oder in die Gegend von Kirkenes. Aber das kommt alles noch. Bis Narvik und Kiruna habe ich es immerhin auch schon geschafft. Ich hoffe, der Sohn dieser Frau hat sich auch entsprechend gut vorbereitet und eine tolle Radtour gemacht. Immerhin sollte seine Radtour von Kristiansand bis zum Nordkap führen.

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In Odda gönnte ich mir erst einmal eine kleine Mittagspause, zur Abwechslung einmal bei so einer Bratwurstbude mit Pommes und Pølse oder so. So oft hatte ich sonst nicht warmes Essen, aber dafür warmen Kaffee und auch warmen "Kanadasaft". Das ist Wasser mit Zucker und Vitamin C und schmeckt wie Zitronensaft. Der Name kommt daher, daß meine Eltern vor Jahren auf einer Kanutour in Kanada genau diesen Saft immer gemacht haben (kalt oder warm), weil sich die Zutaten relativ gut mitführen ließen, ohne wie bei Zitronen das ganze Wasser mitzuschleppen und Probleme mit der Haltbarkeit zu bekommen.

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Kurz hinter Odda war gab es dann den ersten echten norwegischen Fjord, den Sørfjord. So heißt der, aber es gibt natürlich viele andere Fjorde, die genauso heißen. Dort teilte sich die Straße und es gab die Auswahl, auf der N 47 am östlichen Ufer oder auf der N 550 am westlichen Ufer weiterzufahren. Ich entschied mich für das westliche Ufer. Das war eine sehr schöne Strecke, meist einspurig mit Ausweichstellen, aber fast autofrei. Die Hänge links von mir waren meist mit Obstwiesen bedeckt und es gab auch leckere Kirschen zu kaufen. Tunnels waren jetzt keine Seltenheit, aber höchstens einen oder oder 1½ Kilometer lang, dafür aber unbeleuchtet. Da sieht man mit den vorschriftsmäßigen Fahrradfunzeln dann fast nichts, nur die Reflektoren an den Tunnelwänden, zwischen denen man dann durchzielen muß. Denn oft ist der Tunnel zu kurvig, um den Ausgang zu erkennen und oft geht es im Tunnel natürlich auch noch bergauf. Komisch bei den Tunnels war übrigens, daß oft die Betonverschalung fehlt und einfach der Fels direkt die Wand bildet. Aber die sind trotzdem nie eingekracht, wenn ich durchgefahren bin. Die unbeleuchteten Tunnels waren in der Hinsicht ja sogar weniger gruselig, denn da konnte man gar nicht sehen, daß die Verschalung fehlte.

Von Utne nach Kvanndal nahm ich dann eine Fähre über den Hardangerfjord. Die kam sogar recht bald ohne zu lange Wartezeit. In der Nähe von Kvanndal durfte ich irgendwo mit Erlaubnis des Besitzers auf einer Obstwiese mein Zelt für die Nacht aufbauen. Nun trennten mich nur noch gute 100 Kilometer von Bergen.

Die E 68 war komischerweise die Europastraße von Oslo nach Bergen, obwohl sie einen Verlauf hatte, der völlig dagegen sprach, ausgerechnet diesen Weg zu nehmen. Es ging nämlich von Oslo sehr weit nach Norden und dann über eine sehr lange Fährverbindung nach Gudvangen und von dort weiter als Straße nach Voss. Bis hier wäre die N 7 mit einer Fähre über den Hardangerfjord wohl schon schneller gewesen. Dann aber von Voss nach Bergen über die 40 Kilometer längere Strecke über Kvanndal erschien mir gegenüber der direkteren N 13 wiederum etwas unlogisch, aber als ich 1989 die N 13 befuhr, leuchtete mir ein, daß die auch schon recht schmale, kurvige und abenteuerliche E 68 trotz des Umwegs die Lastwagen- und Wohnwagenstrecke nach Bergen sein mußte. Für mich war es jetzt sowieso der kürzeste Weg. Jedenfalls war diese Europastraße zwischen den beiden größten Norwegischen Städten damals in dieser Gegend über lange Strecken einspurig mit Ausweichstellen. Erst 40 oder 50 Kilometer vor Bergen wurde die Straße größer, der Verkehr mehr und man kam durch eine dichter besiedelte Gegend.

Auf jeden Fall war dieser Abschnitt auf der E 68 am Hardangerfjord entlang und dann ein Stück durch die Berge wunderschön. Ihr müßt es Euch lieber selbst einmal auf einer Fahrradtour ansehen. Nur konnte man sich leicht täuschen, wenn man erwartete, daß diese Küstenstraße flach wäre. Es ging im Gegenteil immer ordentlich auf und ab, zum Teil sogar mit Serpentinen. So ähnlich war es oft mit Straßen am Fjordufer oder auch an Seen, obwohl neuere Trassierungen gelegentlich mit mehr Aufwand und eher gleichbleibender Höhe gebaut werden.

Auf Bergen freute ich mich jetzt schon so langsam. Das Blech, an dem die hintere Felgenbremsebremse befestigt wurde, schien ein bißchen zu wackeln und war wohl nicht mehr gut am Rahmen fest. Und die Felge wollte ich auch endlich austauschen, ich hatte sie nämlich in Oslo nur gekauft und eingepackt. Der Zeltplatz in Bergen lag etwas südlich von der Stadt, aber genau von der Seite kam ich sowieso herein, denn der direkte Weg war nur dem Zug vergönnt, der einen Tunnel unter den hohen Bergen hindurch hat, während man auf der Straße nördlich oder eher südlich herumfährt. Der Zeltplatz war übrigens wieder einmal so ein Sportplatz, dessen Duschen halt auch den Campern dienen konnten und dessen Fläche während der Sommerferien sowieso sonst brach läge. Da blieb ich dann auch gleich für zwei Nächte. Aber das erste, was ich an meinem Tag in Bergen zu tun hatte, war eine Fahrradwerkstatt zu finden, damit man mir beim Umspeichen hilft. Ich hätte es zwar notfalls auch selber gemacht, aber die Experten können das doch sicher besser und schneller. Für das wackelige Blech schickte mich der Fahrradhändler erstmal zu einer Schmiede, die er mir auf meine Bitte in den gelben Seiten heraussuchte. Das war dann so ein alter Meister, der es nicht mehr nötig hatte, seine Kompetenz durch eine besonders aufgeräumte Werkstatt unter Beweis zu stellen. Aber er machte mir eine saubere Reparatur mit autogenem Schweißen und das hat dann natürlich auch ewig gehalten, bis der Rahmen dann viele Jahre später über dem Tretlager brach. Und die Reparatur war auch noch umsonst.

Der Fahrradhändler machte mir ein schönes Hinterrad fertig, mußte aber dafür das Fahrrad über Nacht behalten, so daß ich erstmal als Fußgänger Bergen erkunden durfte. Zum Zeltplatz kam ich abends ganz gut mit einem Stadtbus.

Zu Wasser und zu Lande quer zu den Fjorden

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Am nächsten Morgen mußte ich das Zelt abbauen und mit dem ganzen Gepäck im Stadtbus zu dem Fahrradgeschäft fahren. Um nicht genau dieselbe Strecke wieder zurückzufahren, habe ich dann eine kleine Zugfahrt bis nach Voss gemacht. Witzigerweise habe ich mich an die Strecke noch genau erinnert, als ich drei Jahre später genau auf derselben Trasse mit dem Fahrrad fuhr. Die Bahn hat inzwischen einige neue und lange Tunnel bekommen, die einiges an Fahrzeit und Panorama einsparen.

Von Voss fuhr ich auf der E 68/N 13 nach Norden und bog in Vinje auf der N 13 ab in die Berge. Das ist anscheinend ein anderes Vinje als das, wo ich auf der E 76 vorbeikam. Danach suchte ich mir erst einmal eine kleine Übernachtungsmöglichkeit. Übrigens sagt man ja, daß es in Norwegen insgesamt und ganz besonders in dieser Gegend nahe der Westküste im Sommer immer ganz viel regnen würde. Aber an diesem Tag und sogar in der ganzen nun folgenden Woche hatte ich immer strahlenden Sonnenschein. Ab und zu darf man ja auch einmal mit dem Wetter Glück haben.

Nun war ich es ja schon gewohnt, daß es über die Baumgrenze ging. Nach einem kurzen Abschnitt, der eher von der Landwirtschaft geprägt war, kam ich auf einen Paß und dann herunter ins Tal nach Vik zum Sognefjord. Dessen Ufer folgte ich dann ein recht langes Stück, bis nach Vangsnes. Dort gab es erst einmal eine recht lange Pause, weil mein Fahrrad nicht amphibisch genug war, um den 1300 Meter tiefen Fjord zu durchfahren. Auf der anderen Seite fuhr ich in Balestrand oder Dragsvik oder so von der Fähre herunter und folgte auf der N 5 einem kleinen Fjordarm ein Stück nach Norden. Da lagen zwei kleine Schiffchen im Wasser, die sahen im Vergleich zu den Gebirgswänden am Wasser echt winzig aus. Daneben stand dann aber auch eine kleine Beschreibung, aus der hervorging, daß dies beides anscheinend Supertanker der größten Bauart waren, die hier auf neue Interessenten warten. Für ein Schiff hätte mein Geld ja vielleicht auch noch gereicht, aber ich denke, die waren leer und ohne Ladung wäre der Treibstoff für die Reise wohl bald ausgegangen. Es wurde jetzt schon so langsam Abend und ich mußte mich nach einer schönen Übernachtungsmöglichkeit umsehen. Ich kann mich gar nicht mehr so genau daran erinnern, aber es war wohl wieder mit dem Zelt im Wald.

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Am nächsten Tag sah ich Wegweiser zu einem 60 Kilometer entfernten Ort Moskog, so daß ich mir vornahm, dort etwas einzukaufen. Vorher gab es ja auch wirklich keine so gute Gelegenheit, aber in Moskog selbst standen dann auch nur vier oder fünf Häuser. Immerhin konnte man mir sagen, daß 20 Kilometer weiter ein Zeltplatz sei, der ein kleines Lebensmittelgeschäft beinhalte. Die Strecke bis Moskog ging wieder in etwas höheren Lagen durch die Berglandschaft. Moskog selbst und der betreffende Zeltplatz lagen dann wieder ein wenig tiefer im Tal eines Flusses, der sogar recht breit war. Von dort fuhr ich dann auf der von Bergen kommenden N 14 durch dieses Tal. Offenbar wäre es also auch eine denkbare Variante gewesen, auf diesem Weg zu kommen. Das wäre dann direkt in der Küstennähe gewesen und hätte sehr viel mehr Fähren beinhaltet. In der Nähe des Zeltplatzes gab es sogar eine gute Möglichkeit, an einer ruhigen Stelle des Flusses zu baden, was zwar recht kalt war, aber doch die im Wald ansonsten recht selten vorhandenen Duschen ersetzen konnte. Gelegenheit zum Baden in Seen und Fjorden ergab sich in diesen Tagen natürlich sehr oft. Ich blieb auf dem Zeltplatz übrigens echt nur für einen kurzen Einkauf, denn die Übernachtung hatte noch eine Weile Zeit.

In der Gegend kam es recht oft vor, daß man offene Weidehaltung fand, bei der die Tiere einfach über die Straße liefen. Das hatte den Nachteil, daß gelegentliche Viehsperren in die Fahrbahn eingelassen waren, die auch für Radfahrer nicht so ganz ideal zu überqueren waren. Aber einen zweiten Felgenbruch habe ich trotzdem nicht bekommen. Was aber doch irgendwann einmal vorkam war ein Schaden beim vorderen Kugellager. Das Vorderrad verhielt sich komisch und als ich das Kugellager aufschraubte und ein bißchen einzustellen versuchte wurde es nicht besser. Zum Glück hatte ich die Kugellager als Ersatzteile dabei und konnte sie einfach austauschen und dann ging wieder alles gut. Der Reifen, den ich in Oslo eingebaut hatte, gab natürlich auch in der Gegend irgendwo seinen Löffel ab, mit einem satten Loch im Mantel und auch im Schlauch. Das Ding hat wirklich nur wenig mehr als 1000 Kilometer gehalten. Gut, daß die Reifen heute besser geworden sind.

Abends fand ich in der Nähe von Byrkjelo eine sehr schöne Stelle zum Zelten. Es gab einen kleinen Waldweg,der mit einem kurzen Bogen auf einen Felsvorsprung oberhalb der Straße führte, wo es gut Platz für mein Zelt und sogar für mein Fahrrad gab. Das war auch nebenbei noch gut gegen Wind geschützt, da konnte ich wirklich nicht klagen. Am nächsten Morgen war es nicht mehr so sehr weit nach Anda zu der nächsten Fjordfähre, die mich diesmal über den Nordfjord nach Lote brachte. Nach ein bißchen Tunnelstrecke und ein paar Möglichkeiten, anders abzubiegen kam ich dann nach kurzer Zeit am See Hornindalsvatn vorbei, der mit 514 m Wassertiefe wohl das tiefste Binnengewässer in Skandinavien sein dürfte. Entsprechend kalt war das Wasser auch beim Baden, aber dafür soll es im Winter so warm sein, daß der See selten zufriert. Vielleicht muß ich dort im Winter einmal baden gehen. Aber man muß halt aufpassen, denn nur ein kleiner Bereich am Rand ist so flach, daß man stehen kann.

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Auf der nun folgenden Strecke führte mich die N 60 durch mooriges Gelände, wo ich einen anderen Radfahrer aus Deutschland traf, der sich hier aber an einem Ort einquartiert hatte und nur einen kleinen Tagesausflug machte. Das Moorgebiet bildete völlig unmerklich auch die Wasserscheide zwischen Nordfjord und Storfjord mit Sunnylystfjord. Bald danach führte die Straße neben einem immer wilder rauschenden Fluß mit viel Wasser herunter nach Hellesylt zum Sunnylystfjord. Aber natürlich war das noch lange nicht der Übergang über das Gewässer. Denn es ging dann sofort wieder weg vom Fjord und recht steil bergauf und nach einem oder zwei Tunnels durch ein Tal parallel zum Fjord. Dann war ich aber irgendwann doch in Stranda, wo es eine Möglichkeit gab, über den Storfjord überzusetzen. Auf der anderen Seite ging es dann erst einmal auf der N 58 weiter in Richtung Osten, aber nicht weit, denn die zwei Fähren an einem Tag hatten mich doch echt geschlaucht und nun hatte ich mir eine schöne Übernachtung wirklich verdient, wozu ich wieder eine tolle Stelle im Wald fand.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf in Richtung zu dem berühmten Trollstigvejen (N 63), der wohl berühmtesten Bergstraße in dieser Gegend. Darauf hatte mich die Norwegerin in Drammen aufmerksam gemacht und wenn ich schon nicht den Vøringfoss zu sehen bekam, dann mußte doch der Trollstigvejen unbedingt dabei sein, damit es eine echte Norwegenreise würde.

Das kleine Sträßchen war nicht so leicht zu finden und es war auch bergauf noch nicht einmal asphaltiert. So etwas habe ich auf dieser Radtour sonst nur bei Baustellen erlebt und auch von denen blieb ich weitgehend verschont. Nach 6 Kilometern war die Asphaltierungslücke schon vorbei und weil es sowieso bergauf ging, war es auch kein so großes Problem, da nicht einfach mit Karacho hochfahren zu können.

Es war nun schon fast selbstverständlich, daß der Paß oberhalb der Baumgrenze lag. Bei dem strahlenden Wetter gab es viele Leute, die oben ihr Zelt aufgebaut hatten. Ich sah mir erst einmal den Wasserfall auf der nördlichen Seite an und fuhr dann lieber auf der Straße als auf dem Wasserweg herunter in Richtung Åndalsnes. Die Straße war wirklich eine schöne Bergstraße, jedenfalls auf dieser Seite, wo alles viel steiler war.

In Åndalsnes oder in der Nähe davon ging ich auf einen Zeltplatz. Jetzt waren es noch etwa 310 Kilometer bis Trondheim, jedenfalls auf dem Weg, den ich so auf der Landkarte gefunden habe. Am nächsten Morgen fuhr ich parallel zur Raumabahn auf der E 69 durch das Tal in Richtung Dombås. Dort gab es sogar einen Fahrradhändler, den ich wieder einmal aufsuchte, um ein paar kleine Ersatzteile zu kaufen. Dann ging es auf der E 6 herauf zum Dovrefjell, auf über 1000 Meter. Den Anstieg habe ich kaum noch als nennenswert in Erinnerung, aber es fing jetzt doch einmal an zu regnen. Trotzdem hatte man auf der Hochebene einen herrliche Aussicht in die Ferne zu den Bergen. Als es dann nach einer langen Strecke wieder bergab ging, verlief die Straße neben einem schönen wilden Fluß. Leider standen überall Schilder, die das Zelten untersagten. Irgendwo war aber wohl ein Schild vergessen worden. Jedenfalls standen da schon ganz viele andere Zelte und wenig später auch meines. Da hätte ich noch lange mit den Leuten reden können, aber ich war so müde, daß ich dann doch bald schlafen ging. Als ich aber am nächsten Morgen aufwachte, waren die Leute, die am Abend zuvor noch so lange munter gewesen waren, schon weg.

Der Fluß Driva, neben dem ich in der Nacht gezeltet hatte, floß zwar auch nach Norden, was so ungefähr die Richtung von Trondheim war, aber die Mündung liegt doch weit westlich von jener Stadt. Deshalb mußte ich beim weiteren Folgen der E 6 das Tal dieses Flusses noch einmal verlassen und bei Oppdal ging es nocheinmal wieder etwas hoch, jedoch nie wieder auf die Höhe, die ich beim Dovrefjell kurz hinter Dombås für eine längere Strecke befahren habe. Die Strecke verlief hauptsächlich in felsigen Tälern, aber in der Nähe von Trondheim weitete es sich etwas aus, ohne daß man den gebirgigen Charakter der Landschaft dabei aus dem Auge verlieren mußte. Um etwas mehr von der Stadt zu haben, zog ich die Jugendherberge in der Stadt dem weit außerhalb liegenden Zeltplatz vor.

Zurück ins Flachland

[Anfang] [Ende]

In Trondheim blieb ich für zwei Nächte. Dort traf ich dann einen Radfahrer, der aus Deutschland kam (Wolfsburg) und der vorhatte, mit seinem Fahrrad in vier Wochen zum Nordkap und zurück zu fahren. Immerhin lag er in Trondheim noch im Plan, aber er hatte doch jeden Tag eine Strecke von 300 und mehr Kilometern zu fahren. Dafür hatte ich dann auch schon einmal Zeit zum Baden oder um das eine oder andere Foto zu machen, was bei ihm natürlich unter den Tisch fallen mußte.

Die obligatorische Suche nach einem Fahrradhändler gestaltete sich inzwischen recht schnell, denn der erste Händler, den ich fand, hatte die gelben Seiten und deshalb konnte dann der zweite Händler mir das, was ich suchte, verkaufen. Es war ja nur ein Reifen. Danach hatte ich dann echt noch eine Menge Zeit, um mir die Stadt ein wenig anzusehen, insbesondere auch den Dom, der mir sehr gut gefiel.

Die Weiterfahrt von Trondheim sollte mich wieder in Richtung Flachland bringen. Nach Westen ist es wegen der Wellen weder flach noch Land, nach Norden schon gar nicht und von Süden kam ich gerade. Also wandte ich mich nach Osten. In Stjørdal nahm ich die letzte Chance wahr, norwegisch einzukaufen. Dann fuhr ich auf der E 75 in Richtung Schweden. Erstmal war es natürlich immer noch ganz schön bergig und ich fuhr durch eine sehr schöne, fast unbesiedelte Gegend. Schweden ist halt auch gerade in der Nähe der norwegischen Grenze schön. Und nachts sowieso, ich konnte nämlich eine tolle Stelle im Wald finden.

Mit den Bergen war es dann wirklich so langsam vorbei, aber Wind gab es immer noch. Die nächste Nacht fand ich auch noch ein ruhiges Plätzchen, aber dann kam ich doch bald nach Östersund und die Straße wurde wirklich breit und die Gegend erkennbar besiedelt. Aber auch die nächste Nacht gab es wieder eine schöne Stelle, irgendwo zwischen Östersund und Sundsvall in der Nähe eines großen Sees, wenn auch nicht direkt am Ufer. Das sollte mir aber an den folgenden drei Nächten vergönnt sein.

Südlich von Sundsvall hatte ich auf der Karte schon so einen See gesehen, an dem die E 4 direkt verbeizuführen schien. Das war natürlich sofort als Übernachtungsstätte angepeilt, zumal mein Wasservorrat irgendwie auch nicht mehr so großzügig bemessen war. Der See kam dann auch bald, aber er war doch einige 100 Meter von der Straße entfernt, mit einem Bahngleis dazwischen und ansonsten einem Wald, der vielleicht für die Elite der Mountainbiker als Aufnahmeprüfung herhalten könnte, aber für mich doch jenseits der Befahrbarkeit war. Aber ich blieb doch nicht ganz ohne Hoffnung, denn am Seeufer gab es einen Waldweg. Ein paar Kilometer nach Süden gefahren und ein paar Kilometer auf dem Waldweg wieder nach Norden gelaufen und ich hatte meinen See vor mir. Das Zelt aufzubauen war gar nicht so leicht, weil alles voll mit Blaubeeren war, die ich lieber essen als zerdrücken wollte. Aber dann gab es noch Gelegenheit zum Baden und natürlich mußte das Wasser auch für Kanadasaft herhalten, dann war es ja sogar abgekocht. Morgens gab es natürlich auch Kaffee aus dem See.

Weil es so schön war, ging ich für die nächste Nacht wieder an einen See und die übernächste Nacht war dann schon kurz vor Uppsala, natürlich auch wieder am Wasser, diesmal aber zur Abwechslung auf einem Zeltplatz. Dafür bekam ich dann sogar Hilfe beim Zeltaufbau, was mit meinem damaligen Zelt ein nicht zu unterschätzender Vorteil war, denn das war so ein Supermarktzelt, das ich halt einmal unbedingt im Frühjahr kaufen mußte, als es nichts anderes gab. Und das Überzelt war nicht dabei, sondern mußte jeden Abend neu entworfen und aus Planen und Schnüren und vorhandenen Befestigungsmöglichkeiten erstellt werden.

Uppsala sah ich mir damals natürlich auch etwas ausführlicher an. Daß ich dazu noch öfter Gelegenheit bekommen würde, wußte ich nicht. Aber wie das Leben so spielt wohnte meine Schwester später für ein paar Jahre dort. Aber schon damals wohnten Verwandte von mir in einem nördlichen Vorort von Stockholm, den ich wie durch ein Wunder dann am Abend noch gefunden habe. Um mir auch Stockholm anzusehen blieb ich dann gleich zwei Nächte dort und gönnte meinem Fahrrad einen Ruhetag und mir eine Zugfahrt in die Stadt und eine Bootsfahrt durch den Schärengarten nach Vaxholm.

Der Rückweg in die Heimat

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Aber dann kam doch der Tag, wo ich in den sauren Apfel beißen mußte, um mir den Stockholmer Stadtverkehr anzutun. Das ist ja alles kein Problem, aber ich hatte auch noch vor, mich durch das ganze Gewühl an einem einzigen Tag durchzufinden, ohne unterwegs unter Parkbänken zu übernachten. Das war die Schwierigkeit. Dagegen waren die schmalen Straßen in Norwegen, wo es gleich neben dem Straßenrand ein paar 100 Meter runter geht, noch direkt einfach. Aber mir gelang auch das, ohne dabei zu naß zu werden. Übernachtet habe ich dann sogar irgendwo in der Nähe von Södertälje oder so. Ich war von Stockholm noch so benebelt, daß ich es vergessen habe.

Nun kam ich wieder eher durch landwirtschaftlich geprägte Gebiete, aber in der Nähe von Mjölby gab es doch trotzdem einen Wald, wo sich die eine, aber nicht die andere Nacht verbringen ließ. Am nächsten Tag ging es dann richtig zur Sache. Erstmal fuhr ich auf einer schönen Strecke direkt am Vättersee entlang, sogar bei so gutem Wetter, daß mir das viel Spaß machte. Dann kam irgendwann Jönköping, das nun wiederum an Fahrradfreundlichkeit gewisse Ähnlichkeit mit Stockholm aufweist. Irgendwie hatte ich einmal wieder versucht, so die amtlichen Strecken zu fahren, die man daran erkennt, daß sie nicht für Radfahrer gesperrt sind. Obwohl es davon so wenige gibt, erwischte ich doch die falsche und kam irgendwo in der Gegend von Taberg heraus. Das war ja auch ganz schön, jedenfalls für die eine Nacht, die ich dann gleich in der Gegend verbrachte. Zwölf Jahre später sollte ich noch einmal dorthinkommen und mir die Sache viel genauer ansehen. Deshalb weiß ich jetzt, daß ich damals in einer sehr interessanten Gegend übernachtete.

Der Weg über die Berge oder Hügel oder wie man das nennen soll, wenn man vorher in Norwegen war, war doch trotzdem erstaunlich steil. Aber dann kam ich recht schnell voran, auf der E 4 in Richtung Süden. In Markaryd durfte ich dann bei einem Bauern, den ich von einer Radtour ein Jahr davor kannte, in so einem Schuppen übernachten, was wegen des umständlichen Zeltes ja doch ein beachtlicher Vorteil war. Er versuchte mir wieder ein bißchen Schwedisch beizubringen und ich war ja auch ein winziges Stück weiter, aber immer noch Anfänger. Mein erster Schwedischkurs fing dann ein paar Wochen später bei Wulf Alex an.

Von Markaryd war es nicht mehr so furchtbar weit nach Helsingborg, wo ich doch zu einer guten Tageszeit ankam und gleich noch nach Dänemark übersetzen konnte. Dort hatte sogar der Aldi noch offen, als ich in Hillerød einzukaufen versuchte. Das war ein Erlebnis, daß ich direkt für mein Geld wieder eine ganze Menge kaufen konnte. Der Weg um Kopenhagen herum war natürlich wieder derselbe wie auf dem Hinweg, denn nach dem Stockholmer Stadtverkehr wollte ich nicht dasselbe nochmal in Kopenhagen ausprobieren. Dabei setzte ich mir in den Kopf, meinen Lieblingszeltplatz in Køge anzusteuern. Das schaffte ich ja auch, aber ganz schön spät. Immerhin stand mein Zelt so geschützt zwischen Büschen und Kiefern, daß ich ein wirklich dickes Gewitter in der nun folgenden Nacht relativ gelassen zur Kenntnis nehmen konnte.

Am nächsten Tag fuhr ich wieder auf der Vogelfluglinie nach Süden. Die Gegend hatte hier wieder erstaunliche Ähnlichkeit mit Landschaften in Deutschland, wenn man vorher im Land der Fjorde war. Aber ich näherte mich ja auch wieder der Heimat. Irgendwo auf Falster war dann der Teilpunkt, wo die E 64 nach Süden weiterging und die E 4/Vogelfluglinie nach Westen abbog. Dort war auch ein Informationsstand von der Fähre Gedser - Lübeck, die wohl nicht mehr gekostet hätte als Rødby - Puttgarden. Es wurde aber absehbar, daß es nach der Fähre abend sein würde und ich hatte damals nicht so die rechte Idee, wo ich in Lübeck am besten übernachten sollte. Vor allem wollte ich auch einmal den Weg von Deutschland nach Norwegen selber gefahren sein, hin und zurück so weit, wie es damals ging. Östlich um die Ostsee herum ist erst heute eine Möglichkeit und das hätte ich in den kurzen Ferien nicht geschafft. Aber über die Vogelfluglinie mit dem geringsmöglichen Anteil der Seestrecke am Gesamtweg, das war eine Möglichkeit und die Vogelfluglinie bog nach Westen ab. Die Fähre nahm mich auch noch mit nach Deutschland. Da war es aber schon dunkel, so daß ich nicht mehr viel sehen konnte. Der Weg durch Fehmarn und über die Brücke herüber auf das Festland war aber noch drin. In der Nähe von Heiligenhafen übernachtete ich dann aber doch einmal. Als ich am nächsten Morgen aufwachte und losfuhr, kam ich wieder auf die E 4 und hatte von deren Damm eine schöne Aussicht auf die Rapsfelder. Ich freute mich, daß ich wieder zuhause war.

Aber meine Radtour war noch nicht zuende, ich hatte noch genug Zeit, um ein bißchen vom kürzesten Weg abzuweichen. So fuhr ich nun doch erst einmal nach Lübeck und dann auf einer Hauptstraße über Kastorf und Lütjensee oder Großensee oder so nach Hamburg. Naja, wenn man von Stockholm noch nicht genug hat, ist man halt selber schuld, aber man kann ja auch das Fahrrad in der S-Bahn mitführen, um sich das größte Gewühl zu sparen. Irgendwie ging es auch wieder heraus durch das Elbtal über Pinneberg, Elmshorn und Itzehoe wieder nach Norden. Jetzt wurde es schon wieder dunkel, aber ich hatte ja eine Lichtanlage und dann auch bald Straßen, die fast so leer waren wie ich es in Norwegen und Schweden so geschätzt hatte. So fuhr ich auf der N 77 (auf dem letzten Stück N 77/E 3) bis Rendsburg und dann irgendwie noch nach Bünsdorf, einem kleinen Dörfchen nördlich des Kanals, das damals mein Zweitwohnsitz und vor allem zu einer etwas komischen Nachtzeit das Ende dieser schönen Radtour war.