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Himmelfahrtsreise von Italien durch Slowenien nach Ungarn

Karl Brodowsky, gefahren 2015-05-13 bis 2015-05-18, geschrieben 2016

Einleitung

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Zu Himmelfahrt oder Auffahrt hat man vier Tage frei, und muss dafür nur einen Ferientag verbrauchen. Und es ist eigentlich schon Sommer.

Ich wollte diesmal bevorzugt mit dem Zug anreisen, möglichst mit dem Nachtzug.

Italien, Slowenien und Ungarn zu kombinieren erschien reizvoll und möglich.

Tag 1: Anreise nach Udine

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Nach Triest mit dem Nachtzug zu kommen, erforderte schon etwas Phantasie. Von der Schweiz nach Italien gibt es leider kein entsprechendes Angebot. Und nach München ist es eine ziemlich lange Fahrt. Aber letztlich ging es doch, so am späten nachmittag loszufahren und rechtzeitig für den Nachtzug nach Triest in München zu sein.

Leider waren Schlaf- und Liegewagen ausgebucht und im vollen Sechser-Abteil zu sitzen ist nicht die erholsamste Form, eine Nacht zu verbringen, wenn man am nächsten Tag eine weite Strecke fahren möchte. Irgendwie ging es aber trotzdem relativ gut. Morgens fuhr ich nur bis Udine und nicht bist Triest. Das liegt etwas abseits vom Mittelmeer und etwas höher als die Küste.

Tag 2: Udine - Görz (Gorizia/Gorica) - Laibach (Ljubljana)

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In Udine musst ich noch die richtige Ausfallstraße finden und dann fuhr ich schon in Richtung Osten. Bis zum italienischen Teil der Doppelstadt Görz (Gorizia) war es noch ein Stück. Die Bahnstrecke nach Triest führt parallel zur Straße dorthin und biegt dann nach Süden ab, um am Schluss für eine längere Strecke der Küste zu folgen, wirklich mit Meerblick vom Zug. So hat Görz auf der italienischen Seite einen Bahnhof mit einer zweigleisigen elektrifizierten Bahnstrecke.

Mitten durch die Stadt verläuft die Grenze und auf der anderen Seite ist dann der slowenische Teil von Görz (Nova Gorica). Irgendwann gehört das alles mal zu Österreich-Ungarn, daher hat man in Slowenien und Kroatien und im nördlichsten Teil von Serbien und eben auch in diesem Teil von Italien für viele Orte auch deutschsprachige Namen. Und weil zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg ein großer Teil von Slowenien und Kroatien zu Italien gehörte, gibt es auch italienische Namen, die ich bringen könnte, wenn ich einmal eine italienische Übersetzung dieses Textes erstellen sollte.

Ungefähr bei der Grenze wurde es auch bergig. Slowenien hat einen Teil der Alpen und die Voralpen oder die Ausläufer der Alpen sind hier präsent. Ich fuhr also durch die Randzone der Julischen Alpen.

Es gibt zwischen den Alpen und dem dinarischen Gebirge in Kroatien und Bosnien ja keine wirklich Lücke. Als Radfahrer muss man zumindest über einen niedrigen Pass fahren. Dies ist die sogenannte Adelsburger Pforte (Pforte von Postojna), die man als Übergang von den Alpen zum dinarischen Gebirge ansieht. Rein von der Passhöhe ist das nur gut 600 Meter hoch. In meinem Fall folgte ich einem ansteigenden Tal nach Südosten. Ungefähr auf dem höchsten Punkt traf ich auf die Nationalstraße von Triest nach Ljubljana.

Der nächste größere Ort war Postojna (Adelburg), das berühmt ist für seine Höhle (Adelburger Grotten). Die sind wirklich super und ich war noch früh genug da, um eine Besichtigung machen zu können. Es gab Führungen auf Deutsch, Italienisch, Englisch und natürlich Slowenisch, nur Kroatisch wurde nicht angeboten.

Slowenen können relativ oft gut Englisch, manchmal auch Deutsch. Sie wohnen ja alle nahe an der Grenze zu Österreich. Und es gibt so wenige Sprecher und außerdem gilt Slowenisch als die schwierigste der Südslawischen Sprachen, so dass nur wenige Ausländer Slowenisch lernen, wobei ich vermute, dass das nur ein gradueller Unterschied in der Schwierigkeit ist. Ich selbst würde auch eher Serbisch oder Kroatisch als Slowenisch lernen wollen. Die älteren haben alle in der Schule als erstes eine Sprache gelernt, die man damals Serbokroatisch nannte. Dies ermöglicht ihnen, mit Kroaten, Serben, Bosnieren und Montenigrinern zu sprechen. Allerdings hat man in den 90er Jahren festgestellt, dass Kroatisch und Serbisch (und damit auch Bosnisch) verschiedene Sprache sind. Wenn man die Unterschiede kennt und beachtet, wird das sehr positiv aufgenommen. Ein offensichtlicher Unterschied ist, dass Serbisch mit kyrillischen Buchstaben geschrieben wird und Kroatisch mit lateinischem Alphabet. Wenn man in Serbien ist, stellt man dazu fest, dass es dort beide Schriftweisen gibt. Die Kirche und der Staat bevorzugen wohl im Moment die kyrillische Schrift, die Werbung aber die lateinische Schrift. Und die Menschen können beides lesen und schreiben und damit auch Kroatisch lesen, weil die Unterschiede der Hochsprache minimal sind. Und die Frage, welcher Dialekt nun mit welcher Hochsprache Gemeinsamkeiten hat, ist immer ein sensibles Thema, auch anderswo, z.B. in Nordeuropa.

Also, die Höhle von Postojna (Adelsberger Grotte) ist wirklich super. Ich ging mit der deutschsprachigen Führung durch, weil die englischsprachige Gruppe an diesem Tag zu groß war. Man fährt mit einem Zug in die Höhle. Es soll die einzige U-Bahn in ganz Slowenien sein. Etwa 40 % der Fläche Sloweniens sind Karst und enthalten viele Höhlen. Bekannt sind heute über 10'000. Die Zahl kann sich auch einmal verkleinern, wenn man feststellt, dass zwei ursprünglich für unabhängig gehaltene Höhlen in Wirklichkeit verbunden sind. Slwenien hat etwa 20'000 km². Da es so viele Höhlen gibt, sagt man, dass das nur die "obere Etage" sei und dass man unterirdisch diese Fläche noch einmal habe. Man sieht aber ganz real, wie kleinere oder mittlere Flüsse auf eine Bergwand zufließen und dann in einer Höhle verschwinden. Wie das Wasser unterirdisch läuft, weiß man nur ansatzweise. Es lässt sich ermitteln, wohin es fließt, wenn man einen Farbstoff ins Wasser gibt und beobachtet, wo der wieder herauskommt. Es gibt Farbstoffe, die in sehr kleinen Konzentrationen nachweisbar sind und in diesen Konzentrationen für die Umwelt unbedenklich sind. Aber den Verlauf der Flüsse unter der Erde kennt man höchstens in Ansätzen.

Das ist eine faszinierende Welt, aber ich sollte nur in der weichgespülten Form in sie eintauchen und diese einstündige Führung mitmachen. Richtig spannend wird es, wenn man Höhlentouren macht, bei denen man unbekannte Gänge entdeckt und vermisst und eine oder zwei Wochen unterirdisch unterwegs ist. Aber ich mache ja in dieser Zeit mehr Fahrradtouren als Höhlentouren. So kam ich auch am selben Tag wieder an die Oberfläche. Fotografieren ist übrigens während der Führung verboten, damit die Gruppe sich nicht aus den Augen verliert. Und für richtig gute Fotos braucht man sehr viel Geduld, einen Blitz, einen hochempflindlichen Film, ein Stativ oder eine moderne dezidierte Digitalkamera. Deshalb seien meine Fotos nur als Andeutung hier und die richtig guten findet man auf Wikipedia ?  oder Google.

Am späten nachmittag und Abend fuhr ich dann weiter nach Laibach (Ljubljana). Die Straße folgte wieder mehr oder weniger dem südlichen Alpenrand, wenn man das so sagen kann. Das brachte einen Umweg nach Süden mit sich. Dann kam eine relativ lange Strecke, auf der es immer wieder langsam bergab ging und die letzten 20 Kilometer waren flach.

Ich hatte eine Übernachtung im Internet gebucht, aber als ich da war, ging das irgendwie doch nicht. Sie konnten mir aber eine andere Möglichkeit empfehlen, die mir noch besser gefiel, weil es mitten in der Stadt war. Mein Fahrrad konnte sogar mit ins Zimmer, das einen ebenerdigen Eingang zur Straße hatte.

Tag 3: Laibach (Ljubljana) - Steinbrück (Zidani Most) - Cilli (Celje) - Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica)

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Die erste Strecke wollte ich jetzt einfach an der Save (Sava) entlang bis Steinbrück (Zidani Most) fahren. Dort mündet die Sann (Savinja) in die Save und es gibt eine alte Steinbrücke über diesen Nebenfluss, die namensgebend ist. Der deutsche Name ist eine direkte Übersetzung des slowenischen Namens.

Erstmal war es eine gewisse Herausforderung, aus Laibach herauszukommen, aber ich hatte mir schon eine funktionierende Route ausgesucht. Da die Nationalstraße auf dem Nordufer verlief und auf dem Südufer eine zweite durchgängige Asphaltstraße mit sehr wenig Verkehr zu existieren schien, wechselte ich zunächst auf die Seite. Diese Süduferstraße hatte tatsächlich wenig Verkehr, aber alle anderen Eigenschaften, insbesondere die Asphaltierung und die Existenz erfüllte sie nur teilweise. So wechselte ich irgendwann auf die Nordseite. Die Nationalstraße war tatsächlich durchgängig vorhanden und asphaltiert, aber es waren längere Abschnitte einspurig mit wenige Ausweichstellen. Das Nationalstraßennetz in Slowenien ist relativ schlicht, wenn man es mal so sagen kann. Sie sind schmal, bergig, kurvig und machen viele Umwege. Am Fluss war es auch mal bergig, aber meistens tatsächlich flach.

Die Bahnstrecke hatte erstaunlich viel Verkehr. Es fuhren verschiedene Reisezüge und auch Güterzüge und davon jeweils recht viele pro Stunde. Wenn man in dem Stil auch grenzüberschreitend Bahn fahren würde, wäre das eine gute Sache. Leider ist das ein trauriges Kapitel. Von Slowenien nach Italien fahren gar keine Reisezüge. Nach Österreich gibt es einige, nach Kroatien auch etwas, nach Ungarn sehr wenig. Mehr über den Bahnverkehr im Slowenien habe ich in einem Blogartikel und in einem zweiten Blogartikel geschrieben.

In Zidani Most gibt es ein Gleisdreieck mit zwei Brücken über die Savinja, aber komplett auf der Nordseite der Save. Züge können von Laibach (Ljubljana) nach Marburg an der Drau (Maribor) nach Norden oder nach Zagreb (Agram) nach Südosten weiterfahren. Vorher passieren sie den Bahnhof von Zidani Most, wo auch alle Reisezüge zu halten scheinen. Dies ist ein reiner Umsteigebahnhof in einem ansonsten sehr kleinen Ort. Für Güterzüge gibt es auch eine direkte Verbindung, die am Bahnhof vorbei von Marburg und Graz in Richtung Kroatien führt. Alle drei Zweige des Gleisdreiecks sind wie die drei Strecken, die sich hier treffen zweigleisig und elektrifziert Aber das Gleisdreieck ist komplett ebenerdig mit Kreuzungen gebaut worden.

Ich bog diesmal nach Norden ab und folgte also bis Cilli (Celje) weiterhin einem Flusslauf. Nun war es vorbei mit der Fahrt am Rande der Berge oder im Flusstal. Die Bahnstrecke führt zwar weiter nach Marburg, aber ich hatte jetzt sehr kleine Straße und musste einen Höhenzug der Voralpen überqueren. Das war nicht wie ein Pass, sondern es ging dauernd auf und ab, oft sehr steil. Dann landete ich etwas zu weit östlich, folgte dem Höhenzug und kam auf die Nationalstraße, die mich nach Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica) bringen sollte. Auch diese hatte noch viele Steigungen, oft bis 16%. Dann kam ich in dem Ort an. Meine Übernachtung hatte ich von unterwegs mit dem Mobiltelefon im Internet gebucht.

Tag 4: Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica) - Pettau (Ptuj) - Rotenturm an der Raab (Sárvár)

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Nun ging es in Richtung Osten. Ich wollte nach Ungarn. Die Berge wurden etwas niedriger und weniger steil. Bis Pettau (Ptuj) war es ziemlich flach. Danach fühlte es sich eher wie Hügelland an und nicht mehr wie richtige Gebirge.

Bis Ungarn war es noch weit, aber irgendwann war ich dann da. Das Land sah ganz anders aus. Plötzlich gab es große Nationalstraßen, aber leider auch exzessive Fahrradverbote, fast wie in den Niederlanden.

Das erste Stück in Ungarn war noch etwas hügelig, um nicht zu sagen leicht bergig. Am Abend bog ich dann nach rechts ab und fuhr noch 30 km nach Rotenturm an der Raab (Sárvár), wo ich eine Übernachtung organisiert hatte.

Tag 5: Rotenturm an der Raab (Sárvár) - Répcelak - Gschirnau (Csorna) - Raab (Győr) - Wien

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Es war jetzt windig und flach. Ich konnte am Anfang erstmal auf die Umgehungsstraße wechseln. Fahrradverbote muss man in Ungarn konsequent ignorieren. Es ließ sich eine Ecke abkürzen, indem ich durch die Dörfer fuhr. Immer etwas Gegenwind. Und jetzt war auch relativ viel Verkehr.

So am späten nachmittag kam ich nach Raab (Győr). Ich hatte noch ein paar Stunden Zeit, die Stadt anzuschauen. Dann nahm ich den Zug nach Wien. Irgendwo in der Nähe der Grenze musste ich umsteigen. Es gab zwei Möglichkeiten, die erste war aber besser, weil man dann im österreichischen Zug noch gute Plätze bekam, die dann weg waren, als die restlichen Fahrgäste einen Bahnhof später auch umstiegen.

In Wien hatte ich noch recht viel Zeit. Vom neuen Hauptbahnhof zur Innenstadt ist es mit einem Fahrrad nicht sehr weit. Ich konnte dort noch Abendbrot essen, den Stephansdom anschauen und sonst auch etwas ansehen.

Tag 6: Rückreise

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Für den Rückweg nahm ich ab dem neuen Hauptbahnhof einen Nachtzug nach Bregenz und dann war ich schon fast wieder in der Schweiz. Der Nachtzug nach Zürich nahm leider keine Fahrräder mit oder war diesbezüglich ausgebucht.

Links

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