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Mit vier Kindern und einem Tandem durch Finnland und Schweden

Karl Brodowsky, gefahren 2000-07-11 bis 2000-08-13, geschrieben 2000

Teil 3

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Mit weiteren Baustellen und ein bißchen Hügelfahrt kamen wir schließlich nach Sorsele, wo ich mit den Kindern ein kleines Eisenbahnmuseum ansah, während Karin ein paar Einkäufe machte. Einen Zeltplatz sollte es einige Kilometer südlich geben und das war mehr als zutreffend, es kamen gleich einige Plätze am Straßenrand, wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte. In Blattnicksele war der erste und da blieben wir. Es gab ein kleines Schwimmbecken auf der einen Seite bei der Rezeption und ansonsten war der Platz auf einer Halbinsel von einem See umgeben. Hier stellte sich heraus, daß unheimlich viele Polen ihre Ferien in dieser Gegend von Schweden (und etwas weiter südlich) verbrachten. In guten Jahren soll es sich lohnen, ein paar Beeren zu sammeln und damit den Urlaub und etwas mehr zu finanzieren. Dies war aber leider ein schlechtes Jahr zum Beerensammeln. Trotz aller Vorurteile wurden aber auch unsere Kameras und Geldscheine nicht gesammelt. Für Pilze wäre es natürlich gut gewesen. Dieser Sommer war extrem verregnet und deshalb waren nicht Köln oder Heidelberg, sondern schwedische Städte überflutet. Angeblich auch die Straße, auf der wir weiter im Süden fahren wollten, aber das ließen wir erst einmal auf uns zukommen.

Der nächste Tag führte uns häufig parallel zu kleinen Flüßchen die auf der einen oder anderen Straßenseite zu sehen waren. Da könnte man bestimmt gut paddeln. Für unsere Mittagspause fanden wir einen riesigen freien Platz am Straßenrand. Danach kam dann doch die eine oder andere Steigung, denn das Tigerfell hat ja nicht nur Flußtäler, sondern auch den einen oder anderen Höhenzug. Man könnte meinen, daß wir hier nahe der norwegischen Grenze fuhren, denn westlich von uns kam in Schweden nicht mehr viel. Die ganzen Stichstraßen waren aber zum Teil doch über 100 Kilometer lang und ein Blick auf die Karte offenbarte uns, daß wir fast in der Mittellinie Schwedens fuhren. Deshalb waren die Berge doch angeblich so flach, was beim Fahren gar nicht so recht glauben wollten. Die nächste Reise nach Norwegen wird also wohl doch eine etwas härtere Nummer.

Was sich in Sorsele so gut bewährt hatte, sollte doch auch in dem großen Storuman möglich sein, nämlich so ein Einkauf am frühen abend. Man kann sich da aber auch in Schweden irren, denn die Läden machten dort einfach alle ganz früh zu und es gab natürlich auch ausnahmsweise keine Einkaufsmöglichkeit bei Tankstellen. Mit so etwas muß man rechnen, und wir waren auch noch mit ein paar Vorräten versorgt. In dieser Gegend kam wirklich oft nur eine Einkaufsmöglichkeit am Tag vorbei und da mußte man schon gelegentlich zugreifen, um den Diäteffekt dieser Fahrradtour nicht zu übertreiben.

Kurz hinter Storuman war ein riesiges Gelände mit Gras, ein paar Holzhütten, einem Spielplatz und was es sonst noch so gibt. Vor allem gab es natürlich auch ein aus der Ferne näherkommendes martialisches Hundegebell, damit es nicht zu langweilig wird. Das war der ideale Ort für eine kleine Abendbrotpause. Danach wollten wir uns eine Stelle für die Nacht suchen, wobei schon klar war, daß es keine Zeltplätze geben würde. Es kam ein Dorf, Moor, Moor und wieder Moor. Wir fanden keinen Wald, aber irgendwann war doch ein Stückchen Wald wie eine Insel in dem Moor und da konnten wir unsere Zelte aufbauen. Morgens kam noch ein Bauer mit seinem Traktor vorbeigefahren.

Ganz im Gegensatz zu dem tristen Storuman strahlte das als nächstes durchquerte Vilhelmina geradezu in der Sonne, was natürlich vor allem für die Badestelle galt, wo wir uns kaum losreißen konnten. In Meselefors fühlten wir uns als ausländische Bewohner der Schweiz ja fast wieder "heimisch". Der Zeltplatz am Ångermanälv hatte natürlich perfekt geschnittenen Rasen und es wurde auch viel Wert darauf gelegt, daß die Kinder nicht zu laut sind. In der Küche mußte man die Schuhe ausziehen, warum auch nicht? Es gab auch schöne Tassen zu kaufen, vor allem eine mit lauter Mücken und dem Spruch "Sveriges hemliga armé" als Motiv.

In Dorotea sollte die Sensation der Gegend ein kleines Museum sein, das die Tiere der Gegend ausstellte und sogar über ein größeres Aquarium verfügte. Ein Postamt gab es auch und ich kam dort auf die wahnsinnig teure Idee, das Gepäck ein bißchen zu erleichtern. In früheren Jahren hatte sich das ja schon bewährt, aber inzwischen muß man sich wirklich überlegen, ob es nicht ökonomischer ist, die Sachen in den Müll statt in ein Postpaket zu schmeißen.

Kurz hinter Dorotea war es mit Lappland vorbei. Ein trauriger Moment, aber immerhin waren wir ja noch lange nicht wieder in der Schweiz. Wir kamen erst einmal nach Jämtland oder Ångermanland oder so etwas. Langsam gab es auch wieder andere Laubbäume als Birken, denn wir durchfuhren ja im Laufe unsere Ferien doch den einen oder anderen Klimazonenwechsel.

Wir fanden in Hoting einen sehr schönen Zeltplatz an einem See. Jetzt war es wirklich einmal Zeit für einen Ruhetag, der sich hier besonders gut mit Paddeln und Baden nutzen ließ, denn es gab mehrere kleine Seen mit verschiedenen Verbindungen.

Dafür nutzten beim Zeltplatz von Lövberga nur die schöne Badestelle und fuhren auch durch Strömsund nur hindurch. Erst in Hammerdal blieben wir, angeblich wieder neben einer Badestelle. Ein Fluß war ja auch vorhanden, aber der war wohl doch etwas zu klein. Daneben hatte man aber ein kleines Becken, sozusagen ein Naturschwimmbad.

Das berühmte Östersund rückte nun langsam in Greifweite. Wir kamen durch eine Gegend, in der es schon mehr Felder, mehr Weidewirtschaft und leider auch mehr Verkehr auf der Straße gab. Östersund selbst war natürlich noch durch einen großen Höhenzug geschützt, den wir nach Querung des Indalsälven überwinden mußten. Die Straße war diesmal sogar dreispurig. In Östersund wußten wir nicht so recht, wie es da weitergehen sollte und fuhren mit unserem großen Schwung erst einmal über die Europastraße von Trondheim nach Sundsvall herüber und in die Stadt hinein. Ein paar Kilometer in Richtung Sundsvall hätten uns schneller ans Ziel geführt, aber wir fanden den Zeltplatz auch so.

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